Monsieur Becker

Französisch

Blogs im Fremdsprachenunterricht

Samstag, 12. Dezember 2009

Diese Woche hörte ich einen interessanten Vortrag im Rahmen der Reihe »Fremdsprachen­didaktische Vorlesungen an der Humboldt-Universität zu Berlin«. Der Referent, Jochen Plikat, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der romanistischen Fachdidaktik und promoviert über Blogs im Fremdsprachenunterricht. Und genau das war das Thema: »Pranger 2.0 oder 5. Gewalt? Zur Arbeit mit Weblogs im Fremdsprachenunterricht«.

Zu Beginn sprach Plikat über die allgemeinen Auswirkungen technischer Innovationen. Die etwas ernüchternde Erkenntnis: Auswirkungen von Innovationen könne man nicht vorhersagen. Auch wenn spätere Generationen das Gefühl hätten, dass das, was ist, so kommen musste. Dass es auch immer ganz anders gehen kann, wurde eindrucksvoll am Beispiel der Maya illustriert: Diese mehrere Jahrtausende existierende Hochkultur kannte das Rad, aber nur zu kultischen Zwecken oder als Spielzeug, nicht zur Erleichterung des Transports. Ein anderes Beispiel: Johannes Guten­berg werde sich bei der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern nicht ansatzweise ausgemalt haben, dass wir Bücher heute so verwenden, wie wir es tun.

Den zweiten Schwerpunkt des Referats war der Annäherung an das Phänomen »Blog« gewidmet. Es sei offensichtlich, dass diese neue Technik tiefgreifende Änderungen zur Folge habe, doch ob Blogs »Pranger 2.0« oder eher »5. Gewalt« werden, das werde sich erst noch zeigen. Blogs hät­ten prototypische Eigenschaften, zu denen unter anderem die chronologisch absteigende Abfolge der Beiträge, die Blogroll, die Abomöglichkeit via RSS-Feeds sowie die Kommentar-, Archiv- und Suchfunktion gehören. Inhaltlich sei alles möglich, auch auf eine Textsorte ließen Blogs sich nicht festlegen. Vom klassischen Tagebuch über Reportagen, Essays, Fortsetzungsromane, Fotos, Podcasts, Lyrik, Tratsch und Klatsch sowie noch viel mehr sei alles möglich.

Hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeit im Fremdsprachenunterricht seien Blogs vielfältig. Abgesehen von dem Aspekt der schriftlichen Produktion ist für Plikat insbesondere die Rezeption interessant: In interkultureller Hinsicht ermöglichten Blogs Einblicke in das Leben des Ziellandes. Ein Beispiel hierfür sei das spanischsprachige Blog Generación Y (deutsche Version), das aus dem relativ abgeschotteten Kuba berichtet. Die Schülerinnen und Schüler hätten hier die Möglichkeit, sich einerseits mit den Lebensverhältnissen aus der Sicht einer Kubanerin auseinanderzusetzen, andererseits ermöglichten Blogs die Kommunikation mit dem Autor, auch wenn sich diese bei Generación Y mit nicht selten über 2000 Kommentaren etwas schwierig gestalte.

Der Vortrag hat auf jeden Fall Lust gemacht, die französische Blogsphäre zu erkunden, die be­kannt­lich zu den aktivsten Europas zählt. Doch gerade die Aktivität ist aus meiner Sicht ein großes Problem: In all dem Rauschen ist es nicht einfach, die interessanten Beiträge zu finden, die sich auch für die Schulthemen eignen. Dazu noch auf einem angemessenen Sprachniveau.

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