Monsieur Becker

Lehren

Schulbücher und ihre Zukunft

Samstag, 1. Mai 2010 ·

Herr Larbig geht in seinem Blogbeitrag »Schulbücher und freie Unterrichtsmaterialien« der Frage nach, wie Schulbücher abgelöst werden könnten.

Seine Kernkritikpunkte teile ich: Ein gutes Schulbuch ist leider nicht durchgängig qualitativ gut. Es ist darüber hinaus statisch (Veralterungsgefahr) und nicht auf die Bedürfnisse der Lerngruppe angepasst. Zudem gibt es Einschränkungen durch das Urheberrecht.

Für Larbig »scheint die Zeit des (klassischen) Schulbuchs ›eigentlich‹ vorbei«. Das stimmt, wenn auch für die einzelnen Fächer in unterschiedlichem Maße. In den Fremdsprachen beispielsweise, in denen jedes Schuljahr auf dem vorangehenden aufbaut, ist ein langfristig angelegtes Lehrbuch im Prinzip unverzichtbar, damit Grundkenntnisse systematisch vermittelt werden. Bei Erdkunde sowie rein naturwissenschaftlichen Fächern hingegen könnte auch von Anfang an mit Themendossiers gearbeitet werden.

Eine Über-das-klassische-Lehrbuch-hinaus-Entwicklung ist seit geraumer Zeit durch das Entstehen von sogenannten Medienverbünden feststellbar. Ich denke, dass sich dieser Trend weiter­entwickelt und Schulbücher sowie die sie begleitenden Medien in einer integrierten Form in E-Books überführt werden. In den Fächern, in denen Themendossiers möglich sind, werden Verlage auch solche anbieten. Larbig erachtet dieses Feld für Schulbuchverlage als uninteressant, »weil es die mit der Neubeschaffung von Schulbüchern verbundenen Umsätze wohl reduzieren dürfte.« Ich gehe hingegen davon aus, dass der Verkauf von einzelnen Themendossiers sowie von Paketen (à la »Erdkunde, 7. Klasse«) sogar umsatzförderlich ist, denn viele Lehrer werden allein aus purer Tradition auch weiterhin auf ein Lehrbuch aus einer Hand setzen, einige andere setzen die Module verschiedener Verlage ein. Gerade im Fall von Erdkunde begünstigt ein großer Aktualitätsbedarf zudem eine weitere Einnahmequelle: einen Updatedienst.

Unter den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen ist es auch wahrscheinlich, dass Verlage im Vergleich zu Open-Educational-Angeboten weiterhin dominant sein werden. Denn sie haben die Finanzkraft, einerseits Rechte für die Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke zu erwerben, andererseits könnten sie auch Autoren und Grafiker beschäftigen.

Diesen Vorteil könnte man nur aufbrechen, wenn urheberrechliche Schranken für Bildungszwecke aufgehoben würden. Dies wäre ein sinnvoller Schritt im Rahmen der Bildungsrepublik Deutschland, allerdings muss man Grafikern auch zugestehen, von ihrer Arbeit leben zu dürfen.

Und nun? Bleibt alles wie bisher, nur das Medium wechselt?

Ich denke nicht. Ich gehe davon aus, dass Schulbücher in Form von E-Books zukünftig stärker differenziert werden. So kann ich mir vorstellen, dass in Klassen mit vielen Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache spezielle DaZ-Versionen genutzt werden können. Wahrscheinlich werden auch viel mehr Aufgaben zur Auswahl stehen, aus denen die Lehrkraft schöpfen kann.

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5 Reaktionen

  1. Herr Larbig

    1. Mai 2010 – 23:51 Uhr (#107)

    Danke für die Gedanken zum Thema. Stimme zu, dass die Bedürfnisse in unterschiedlichen Fächern variieren. Befürchte auch, dass die Gedanken zur Rolle von Schulbuchverlagen deren finanzieller Macht stimmen.

  2. Wie E-Books und E-Magazines schulisches und wissenschaftliches Arbeiten verändern können « Bildungsblog.info – ein Blog über Bildung, Schule, Studium und Neue Medien

    3. Mai 2010 – 06:50 Uhr (#109)

    […] Monsieur Becker greift die Gedanken Herrn Larbigs auf und führt sie kritisch weiter. […]

  3. Damian Duchamps

    9. Mai 2010 – 14:48 Uhr (#114)

    Sehr richtig dargestellt. Qualität ist ein Problem bei den „freien“ Materialien. Vor allem die Idee, Inhalte in Modulen anzubieten, finde ich gut. Ich denke, das wird der Weg sein für die Zukunft schulischer Lernmaterialien. Siehe auch meinen Kommentar bei Herrn Larbig Schulbücher und freie Unterrichtsmaterialien und meine eigenen Gedanken in meinem Blog Schulbücher sind langweilig.

    Eigentlich müsste man sich mal zusammentun und diese Ideen weiter verfolgen.

  4. Schulbücher sind langweilig « Damian Duchamps' Blog

    15. Mai 2010 – 10:16 Uhr (#116)

    […] auch Schulbücher und ihre Zukunft bei Monsieur Becker und Schulbücher und freie Unterrichtsmaterialien (und mein Kommentar […]

  5. Wie E-Books und E-Magazines schulisches und wissenschaftliches Arbeiten verändern können | CIPPool

    27. August 2010 – 19:41 Uhr (#199)

    […] Monsieur Becker greift die Gedanken Herrn Larbigs auf und führt sie kritisch weiter. Außerdem beantwortet er meinen Beitrag mit einem kritischen Gegenentwurf. Vielen Dank dafür! […]

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