Monsieur Becker

Panorama

Transnationale Bildungsprogrammatik (Teil I)

Montag, 3. Januar 2011 ·

Dies ist ein Beitrag des Blogthemas »Bildungsdynamik der modernen Welt«.

Für die Modernisierung des japanischen Bildungssystems war die Konsultation von Experten sehr wichtig. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei das Memorandum von David Murray, das Mori Arinori ins Japanische übersetzte. Es ist beispielhaft für die Inhalte der transnationalen Bildungsprogrammatik.

Anfrage von Mori Arinori

Mori Arinori war der erste japanischer Gesandte in den USA. Um sein Land bei der Selbstmoderni­sierung zu unterstützen, wandte er sich an US-amerikanische Universitätsdirektoren. In seinem Brief betonte Mori Arinori den Wunsch nach großem Fortschritt seines Landes, um die Zivilsiertheit Asiens anzuheben. Die mission civilisatrice verfolgend übernimmt er den Gedanken, dem Westen ebenbürtig zu werden und Asien auf westliches Niveau zu heben.

Mori formulierte fünf Fragen: Wie wirkt sich Bildung aus auf (a) den Wohlstand des Volks, (b) den Handel, (c) die Landwirtschaft, (d) die sozialen, moralischen und physischen Bedingungen des Volkes und (e) die Gesetzgebung sowie die Regierung.

Memorandum von David Murray

David Murray von der Universität in New Brunswick antwortete ihm mit einer Denkschrift, einem Memorandum.

Seine Antwort ist in drei große Dimensionen geteilt:

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der ersten Dimension. Die anderen beiden folgen in einem späteren Beitrag.

Stellenwert von Bildung für gesellschaftliche Entwicklung

Die Bedeutung von Bildung wird bereits in der Überschrift deutlich: »National Education« weist auf die nationale Bedeutung von Bildung und Erziehung hin. »National Education« bezieht sich sowohl auf die Nation als auch auf das Individuum selbst, denn es ist Aufgabe des Nationalstaates, für die Erziehung seiner Bürger zu sorgen. Zugleich ist er Vormund, Beschützer und Garant der nationalen Gesellschaft.

Bildung ist daher unverzichtbar für die Anhebung des Zivilisationsgrades. Dieses sachliche Argument wird durch Verweise auf Beispiele, dass dem so ist, gestützt. Murray verweist für den Zusammenhang von Bildung und Entwicklung auf die USA und Deutschland. Die beiden Länder sind Referenzgesellschaften, von denen man lernen kann, Bildung als Fortschrittsmittel einzusetzen.

Für den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand fungieren England und die USA als Referenzgesellschaften. Murray zufolge trägt Bildung in dreifacher Weise zum materiellen Wohlergehen bei: (1) durch individuelle Motivierung, die eigene Lage zu verbessern, (2) durch Vermittlung von Erfahrungen aus dem Ausland und (3) durch technologische Qualifizierung von Facharbeitern. »Improvement« ist hier der zentrale Begriffe des Fortschritts. Eine Nation, die ihre Ressourcen entwickeln will, muss in der Lage sein, ihre Leute zu qualifizieren.

Der Begriff »Bildung« wird von Murray erweitert. Bildung sei nicht nur als berufliche Qualifikation, sondern auch Allgemeinbildung im Sinne der Bildung des ganzen Menschen. Wo immer man Bildung ausgebaut habe, nahmen Wohlstand und Glück zu.

Der technologische Fortschritt führt zu Automatisierung, die wiederum die Arbeit verändert. Man kann die so eingesparte Zeit und das eingesparte Geld dazu nutzen, höhere Fähigkeiten zu entwickeln, denn der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern auch von intellektueller bzw. geistiger Nahrung. Bildung zielt dadurch ab auf Glück, geistige Nahrung und Menschenwürde.

Hinsichtlich der Wirkung von Bildung auf Gesetzgebung und Regierung geht Murray grundsätzlich davon aus, dass in allen guten Regierung die Verwaltung in den Händen der besser gebildeten Klasse ist. Je aufgeklärter die Gesetze und je fortschrittlicher die Nationen sind, desto besser ist der Regierungsstil. Eine gerechte, objektive und integre Regierung ist dabei für die Aufrecht­erhaltung der Ordnung des Landes viel wichtiger als eine Armee. Zudem hilft Bildung Geld zu sparen: “What is spent on education will be saved a hundredfold in armies, and police, and courts of justice.” Schlussendlich genieße eine gebildete Nation Ansehen und Macht im internationalen Staatensystem.

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