Monsieur Becker

Geografie

Geografische Kompetenzen

Sonntag, 30. November 2014 · ,

Für die Länder Berlin und Brandenburg sind die Anhörungsfassungen der neuer Rahmenlehrpläne erschienen, darunter auch der für Geografie. Abgesehen von der Entschlackung von Themen, die aufgrund der Reduzierung des Faches von zwei Wochenstunde auf eine notwendig war, hat sich vor allem das Kompetenzmodell geändert.

Im noch gültigen Rahmenlehrplan gab es Raumkompetenzen (vgl. RLP-alt: 11):

  1. Raumorientierung
  2. Raumanalyse und Raumerschließung
  3. Raumverständnis und Problemsichten
  4. Raumbewertung
  5. Raumbewusstsein und Raumverantwortung

Auch wenn sich dieses Modell in der Theorie sehr toll anhört, so richtig glücklich war damit niemand. Nicht einmal die Fachbereichsleiterinnen und -leiter, die ich kenne. Offensichtlich waren auch die damaligen Macherinnen und Macher des Rahmenlehrplans nicht sonderlich von ihrer Idee überzeugt, denn die vorgegebenen Standards haben sie nicht den Kompetenzbereichen zugeordnet, das war teilweise auch unmöglich.

Insofern ist eine Novellierung des geografischen Kompetenzmodells begrüßenswert. Dabei orientierten sich die Macherinnen und Macher an den Bildungsstandards im Fach Geographie für den Mittleren Schulabschluss. Während die allgemein bekannten Bildungsstandards für Deutsch, Mathematik, die erste Fremdsprache und Naturwissenschaften von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurden, ist der für Geografie von der Deutschen Gesellschaft für Geographie entwickelt worden. Man will auf diese Weise verhindern, dass das Fach noch weiter in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Diese Entwicklung ist nebenbei gesagt ein völliger Irrwitz, wenn man bedenkt, dass in Geografie wichtige Themen wie Klimawandel, Globalisierung und Migration (Flüchtlinge) behandelt werden.

Aber zurück zum neuen Kompetenzmodell: Wie gesagt, man hat sich am DGfG-Kompetenzmodell orientiert, man es hat es nicht übernommen. Hier ein Vergleich (vgl. RLP-neu: 4 und BS-Geo: 9):

neuer Rahmenlehrplan DGfG-Kompetenzmodell
Systeme erschließen Fachkompetenz
Methoden anwenden Erkenntnisgewinnung/Methoden
Sich orientieren Räumliche Orientierung
Kommunizieren Kommunikation
Urteilen Beurteilung/Bewertung
(Geografisch) handeln Handlung

»Systeme erschließen« ist etwas umfassender als die pure Fachkompetenz, jedoch entspricht sie nicht der Systemkompetenz von Prof. Dr. Rainer Uphues. »Systeme erschließen« hat vier Teilbereiche: (a) »Systeme erfassen«, (b) »Systeme analysieren«, (c) »Teilprozesse erklären« und (d) »Lösungsstrategien entwickeln« (vgl. RLP-neu: 10). Während die ersten drei Teilbereiche, (a) bis (c), tatsächlich etwas mit dem DGfG-Kompetenzbereich Fachwissen zu tun haben, gehört für mich die Entwicklung von Lösungsstrategien eher zum geografischen Handeln. Die geografische Handlungskompetenz ist jedoch im neuen Rahmenlehrplan eine übergeordnete Kompetenz, für die es keine Standards gibt.

Die geografische Handlungskompetenz »ermöglicht es, im Rahmen gesellschaftlicher Teilhabe sachgerecht und ethische Vorstellungen berücksichtigend handeln zu können.« (RLP-neu: 5). Die DGfG hingegen beschreibt die Handlungskompetenz als »Fähigkeit und Bereitschaft, auf verschiedenen Handlungsfeldern natur- und sozialraumgerecht handeln zu können.« (BS-Geo: 9) Dadurch, dass im Unterricht also nicht nur die Fähigkeit entwickelt werden soll, sondern auch die Bereitschaft, geht die Forderung der DGfG viel weiter als die des Rahmenlehrplans.

Da wir von Systemen sprachen: Kompetenzbereiche kann man auch als ein System auffassen. So zum Beispiel orientiert sich die DGfG mit ihrem Kompetenzmodell an dem der naturwissenschaftlichen Bildungsstandards. Der neue Rahmenlehrplan allerdings »kocht« bei der Benennung der Kompetenzbereiche »sein eigenes Süppchen«, um es salopp auszudrücken.

Geografie Chemie/Physik/Biologie
Systeme erschließen Mit Fachwissen umgehen
Methoden anwenden Erkenntnisse gewinnen
Kommunizieren Kommunizieren
Urteilen Bewerten

Ich finde »Erkenntnisse gewinnen« viel besser als »Methoden anwenden«, da das Ziel der Methodenanwendung immer die Gewinnung von Erkenntnissen ist, nicht das Anwenden von Methoden für sich. Wir werten kein Klimadiagramm aus, nur um ein Klimadiagramm auszuwerten, sondern um etwas über den Ort und sein Klima zu erfahren. Außerdem muss man bei der Kommunikationen auch Methoden anwenden, insofern ist die Einteilung der Kompetenzbereiche etwas unglücklich.

Alles in allem ist die Novellierung des Kompetenzmodells ein Schritt in die richtige Richtung, der jedoch noch fachübergreifend-systemischer umgesetzt werden könnte.

Quellenangabe

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