Monsieur Becker

Panorama

Or*tho_graFiewidriges Gendern

Sonntag, 7. Dezember 2014 ·

Zu den vielen Dingen, die das Bildungswesen jungen Menschen beibringen soll und auch mehr oder weniger erfolgreich beibringt, gehört die deutsche Rechtschreibung. Richtig schreiben zu können, das ist wichtig, für Prüfungen in der Schule sowie für die gesamte Zeit nach der Schule. Damit die heutigen Schülerinnen und Schüler sich morgen nicht bei einer Bewerbung oder Präsentation blahmirn blamieren, achten Lehrerinnen und Lehrer nicht nur auf Orthografiefehler, sie sollen in ihrem eigenen sprachlichen Handeln auch Sprachvorbilder sein.

Und weitere Aufgaben muss die Schule erfüllen. Zum Beispiel ist sie in Berlin durch den Handlungsrahmen Schulqualität dem »Gender Mainstreaming« verpflichtet. Früher hätte man einfach von »Gleichstellung der Geschlechter« gesprochen, aber die genaue Bezeichnung ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir ein Bewusstsein für die Gleichstellung schaffen, indem wir nicht nur männliche, sondern auch weibliche Personenbezeichnungen verwenden, oder neudeutsch: indem wir gendern. An der Schule gendern wir Anschreiben, Infoblätter und alles, was wir sonst noch so schriftlich und mündlich von uns geben.

Dabei wird sehr häufig platzsparend gegendert: Von »Lehrer*innen«, »SchülerInnen« und »Lerner_innen« ist dann die Rede. Sternchen, Binnengroßschreibung und Tiefstriche gehören allerdings nicht in das Repertoire der amtlichen Regelungen der Rechtschreibung. Man kann nicht einmal sagen, dass das schlechte Rechtschreibung sei. Es ist gar keine Rechtschreibung, da es schlicht und einfach orthografisch falsch ist. Etwas, was falsch ist, kann nicht schlecht, aber recht sein. Es ist auch nicht in Anlehnung an Schrödingers Katze (erklärt von Sheldon oder Herrn Lesch) gleichzeitig richtig und falsch, da es richtigerweise dem Gender Mainstreaming Rechnung trägt, aber gegen die Rechtschreibregeln verstößt.

Ich finde es etwas betrüblich, dass sich viele Personen aus dem Bildungswesen trotz ihrer Sprachvorbildfunktion für orthografiewidriges Gendern entscheiden. Unter ihnen überraschenderweise auch Deutschkolleginnen und -kollegen, die sonst nicht müde werden, den Sprachverfall anzuprangern.

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