Monsieur Becker

Panorama

Transparenz in Schulfördervereinen

Montag, 28. April 2014 ·

In Deutschland gibt es 34 400 allgemeinbildende Schulen (destatis), viele von ihnen werden durch Schulfördervereine unterstützt. Mehr als 20 000 solcher Vereine gäbe es, so die Wikipedia, die sich auf eine Schätzung beruft, leider ohne Quellenangabe.

Meine Erfahrung mit Schulfördervereinen ist bisher, dass sie und ihre Arbeit häufig unsichtbar sind. Ist man nicht Mitglied, so erfährt man kaum, was der Förderverein genau unterstützt. Allgemeine Ziele lassen sich der Satzung entnehmen, sofern diese überhaupt online abrufbar ist. Aber ein jährlicher, für alle auf der Schulwebsite zugänglicher Tätigkeitsbericht? Fehlanzeige. Finanzbericht? Aber dann erführe ja jeder, wie viel Geld der Verein einnimmt und wofür er es ausgibt.

Sicherlich grassiert in den Fördervereinen keine Korruption, doch für die Geheimniskrämerei gibt es meines Erachtens keinen Grund. Ich finde sie sogar kontraproduktiv, schließlich kann durch Offenheit und Transparenz gezeigt werden, dass die Mittel sinnvoll im Sinne des Vereins für die Schule, die Schülerinnen und die Schüler eingesetzt werden. Was bitte ist werbewirksamer?

Um bei gemeinnützigen Organisationen Licht ins Dunkle zu bringen, gründeten die Anti-Korruptions-NGO Transparency International Deutschland und weitere Organisationen die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ). Wer sich ihr anschließt, verpflichtet sich, öffentlich abrufbar Auskunft zu 10 Punkten zu geben. Dazu gehören die »Satzung, die Namen der wesentlichen Entscheidungsträger sowie Angaben über Mittelherkunft, Mittelverwendung und Personalstruktur« (Quelle). Dies ist für die Vereine kein wirklicher Mehraufwand, denn die Informationen liegen intern vor, sie müssen nur zugänglich gemacht werden.

Vor über drei Jahren, im September 2010, trat der Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg e.V. (lsfb) der Initiative bei. Er rief seine Mitglieder auf, ebenfalls die ITZ zu unterstützen. Ende 2012 waren über 500 Berlin-Brandenburger Schulfördervereine und fast 50 Kitafördervereine im lsfb organisiert (siehe Tätigkeitsbericht), in der Datenbank der ITZ-Unterzeichner findet sich deutschlandweit aktuell aber nur ein (!) Schulförderverein, nämlich der des OSZ Wirtschaft und Sozialversicherung Berlin.

Zusammengefasst: Nur ein Schulförderverein verpflichtet sich zu einem Mindestmaß an Transparenz. Einer von vermutlich mehr als 20 000. Das sind nicht einmal 0,005 %.

Natürlich gibt es mehr Vereine, die ohne Selbstverpflichtung wichtige Daten über sich verfügbar machen und transparent über ihre Tätigkeit informieren. Doch leider ist es nicht das Selbstverständnis der meisten Schulfördervereine. Sich zu einer transparenten Zivilgesellschaft im Kleinen zu bekennen, ist meines Erachtens die Voraussetzung für eine transparente Zivilgesellschaft im Großen. Diese Idee ist keine Forderung nach dem gläsernen Bürger, sondern nach transparenteren gemeinnützigen Organisationen und nach einem transparenteren Staat. Schulfördervereine können und sollten hier als Vorbilder und Multiplikatoren fungieren.

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2 Reaktionen

  1. stefanolix

    28. April 2014 – 08:30 Uhr (#4455)

    Das ist ein ganz heikles Thema. Ich bin Mitglied eines Schulfördervereins an einem Gymnasium und war früher auch schon in zwei anderen (ähnlichen) Vereinen.

    Unser Verein zeigt nach außen eine gute Transparenz: Alle Eltern, Lehrer und Schüler können Einsicht in die Ausgaben und in die realisierten Projekte nehmen. Globale Zahlen und Großspender werden veröffentlicht. Das meiste Geld wird aber durch Aktionen eingenommen, bei denen viele kleine Spenden sauber verbucht werden müssen. Diese Aktionen werden penibel abgerechnet.

    Im Grunde genommen haben wir eine ähnliche Transparenz wie der verlinkte Förderverein des OSZ in Berlin. Allerdings sind unsere Berichte nicht so schön und so systematisch präsentiert.

    Mein persönlicher Eindruck von Fördervereinen: In den meisten Vereinen werden die Pflichtaufgaben vermutlich ordentlich erfüllt. Soll heißen: Sie halten einer Prüfung durch das Finanzamt stand, sie erfüllen die formalen Anforderungen, sie sind grundsätzlich gemeinnützig.

    Ich sehe zwei Probleme: Erstens können nicht alle Vereine ihre Zahlen professionell präsentieren. Nach jedem Geschäftsjahr sind die wenigen Verantwortlichen erst mal fertig mit sich und der Welt.

    Zweitens: Auch wenn die Zahlenwerke stimmen und professionell präsentiert werden, bleibt immer noch die Intransparenz der Entscheidungswege über die Ausgaben. Als neues Mitglied bekommt man in der Regel Entscheidungen zur Bestätigung vorgelegt, von denen man nicht weiß, wie sie entstanden sind.

    Ich habe es in Fördervereinen immer so erlebt, dass Schulleitung, einige sehr aktive Lehrer und die Vereinsspitze in der Regel bereits über die Verwendung des Löwenanteils der Mittel entschieden haben.

    Die einfachen Mitglieder und Sponsoren können allenfalls kleinere Entscheidungen mit beeinflussen, können sich in Projekte einbringen und bekommen Aufgaben delegiert. Als einfaches Mitglied und/oder Sponsor hat man keine Stimme und es ist aufgrund der Abhängigkeitsverhältnisse gegenüber der Schule auch nicht ratsam, zu viele Dinge in Frage zu stellen.

    Dieses zweite Problem kann nicht mit formaler Transparenz und aufbereiteten Tätigkeitsberichten gelöst werden – auch wenn diese erste Stufe der Transparenz natürlich notwendig ist …

  2. Julius Becker

    28. April 2014 – 08:59 Uhr (#4456)

    Die Veröffentlichung von globalen Zahlen wäre schon ein großer Schritt, natürlich muss das nicht so detailliert wie bei dem Beispiel des OSZ Wirtschaft und Sozialversicherung sein, dort hat man vermutlich von Berufs wegen eine Affinität zu Zahlen.

    Den zweiten angesprochenen Aspekt, die Transparenz der Entscheidungsfindung, habe ich bisher gar nicht bedacht, der ist aber natürlich genauso wichtig. Besonders bedrückend empfinde ich die Schilderung des Abhängigkeitsverhältnisses. Selbst wenn die Abhängigkeit nicht real wäre, sondern nur wahrgenommen sein sollte, ist das ein Zustand, der dem Verein ohne Zweifel schadet.

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