Monsieur Becker

Geografie

Lehrbuchimpulse

Sonntag, 1. März 2015 ·

Das Spannende daran, zwei völlig unterschiedliche Fächer zu unterrichten, ist, dass man mit verschiedenen Lehrbuchkonzepten konfrontiert wird. Bei mir sind es Französisch und Geografie. Aufgefallen ist mir, dass in den modernen Fremdsprachen die aktuellen Lehrbücher bestimmte Prinzipien modernen Unterrichts viel besser umsetzen als Lehrwerke in den Gesellschaftswissenschaften.

Daher die Frage: Welche Impulse können Französischlehrwerke den Geografieredaktionen geben?

Ein zentraler Aspekt sind für mich Methodenseiten. Ich bin verwundert, dass grundlegende geografische Methoden (Lagebeschreibung, Koordinaten, Klimadiagramm lesen, …) nicht gebündelt am Ende des Lehrbuchs zusammengestellt sind. Dies könnte man mit Wortschatzboxen kombinieren (im Französischlehrbuch: »On dit«-Boxen), um gezielt Sprachförderung zu betreiben.

In den höheren Bänden des neuen À plus findet sich vor jeder Lektion eine Doppelseite, in der Wortschatz und Grammatik wiederholt werden, die in der kommenden Lektion relevant sind. So etwas Ähnliches könnte man auch jedem Lehrbuchband vorschalten: »Bist du fit für den Geografieunterricht?« Die Übungen sind mit Diagnosebögen und darauf abgestimmten Förderübungen versehen, sodass man heterogenen Lerngruppen besser gerecht werden kann. Besonders wichtig ist dies im Land Berlin, wo zur Klasse 7 an der Oberschule Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Grundschulen zusammenkommen, die einen können zum Beispiel noch gar keine Koordinaten lesen, andere sind darin sehr fit.

Oben habe ich bereits die Idee der Wortschatzboxen aufgegriffen. Ergänzend dazu sollte es thematische Wortschatzübersichten (z. B. Erdbeben: Erdplatte, Epizentrum, …) oder »Vokabellisten« geben, bei denen für Nomen das Geschlecht sowie passende Verben (Kollokationen) angegeben werden, bei Verben auch unregelmäßige Konjugationsformen, … Idealerweise kann man die Listen auch bilingual (Deutsch–Französisch, Deutsch–Englisch, Deutsch–Türkisch, …) herunterladen.

Zu guter Letzt: Im Fach Französisch gibt es mittlerweile viele niveaudifferenzierte, aber zielgleiche Aufgaben in den Lehrbüchern und Zusatzmaterialien. Dabei enthalten die einfacheren Varianten zusätzliche Hilfen, sodass auch leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler die Aufgabe bewältigen können. Solche Einhilfen sollten auch in Geografielehrbüchern selbstverständlich sein.

Da in Berlin zum Schuljahr 2016/2017 neue Rahmenlehrpläne in Kraft treten, wird es auch neue Geografielehrbücher geben. Ich bin gespannt, ob sich die Geographieredaktionen bei Lehrbüchern der modernen Fremdsprachen inspirieren lassen.

Kommentare gern hier im Blog oder via Twitter (@monsieurbecker).

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2 Reaktionen

  1. ixsi

    28. März 2015 – 21:46 Uhr (#7651)

    Das sind interessante Aspekte, die du da beschreibst. Ich kenne und schätze die Wiederholungsseiten als Einstieg in ein neues Thema in Mathe sehr, denn ich finde, dass systematisches Wiederholen oft einen reibungsloseren Fortschritt bietet – neben der Gewissheit, dass die Schüler sogar einiges im Vorwege schon gelernt haben.
    Überhaupt habe ich den Eindruck, dass in Mathe besonders viel wiederholt wird. Am Anfang gibt es besagte „Kannst du das noch?“-Seiten, am Ende des Kapitels „Check-up“-Seiten, und mittendrin immer wieder Kästen mit gemischten Aufgaben aus den vorigen Jahren.

  2. retemirabile

    31. Juli 2015 – 14:53 Uhr (#8103)

    Danke für die Anregungen. Zwei Aspekte gibt es in verschiedenen Klett-Lehrwerken bereits:

    * Das Klett Buch »Fundamente« für die Kursstufe hat einen umfangreichen Methodenanhang. In den Büchern der Klett-Reihe »Terra« sind die Methodenseiten im Buch verteilt.

    * In der Terra-Reihe von Klett gibt es den Themenband Physische Geographie, der am Ende jedes Kapitels eine »Terra kompetent« Seite hat, auf der u.a. alle wichtigen Fachbegriffe des Kapitels aufgeführt sind, zusammen mit Hinweisen zur Vernetzung des Wissens und Diagnose-Fragen zu einzelnen Kompetenzen.

    Ich habe in beiden Fällen die Ausgabe für Baden-Württemberg.

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