Monsieur Becker

Geografie

Einwohner je Bundestagsabgeordnete(r)

Sonntag, 7. November 2010

Im US-Repräsentantenhaus kommen für den Bundesstaat Montana auf einen Abgeordneten 967.440 Einwohner, für Rhode Island hingegen nur 525.394. Das bedeutet, dass der Abgeordnete aus Montana die 1,8-fache Anzahl an Einwohnern vertritt.

Dieser Fakt, der sich im Rahmen einer Diskussion bei Jochen English ergab, hat mich grübeln lassen, wie viele Einwohner wohl auf einen Bundestagsabgeordneten kommen.

Ähnlich wie in den USA variiert die Zahl je nach Gliedstaat, also bei uns nach Bundesland.

In Deutschland gibt es 299 Wahlkreise und entsprechend viele Direktmandate. Zwölf davon entfallen beispielsweise auf das Land Berlin. Die gleiche Anzahl an Abgeordnete zieht nochmal über die Landeslisten ein, sodass von den 598 Abgeordneten 24 in Berlin ihren Wohnsitz haben. Bei den Wahlen zum 17. Bundestag fielen insgesamt 24 Überhangmandate an, die sich unter­schied­lich auf die Bundesländer verteilen. Allein 10 solcher Mandate entfallen auf Baden-Württemberg, das nun 86 Abgeordnete stellt.

Teilt man die Bevölkerungszahl eines Bundeslandes durch die Anzahl seiner Mandate, so ergibt sich ein sehr unterschiedliches Bild, wie am Beispiel der beiden Extreme Bremen und Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu Deutschland aufgezeigt werden soll:

Bundesland Einwohner/Abgeordnete(r)
ohne Überhangmandate
Einwohner/Abgeordnete(r)
mit Überhangmandate
Zahl Prozent Zahl Prozent
Bremen 165.467 120,7 % 165.467 125,5 %
Deutschland 137.128 100,0 % 131.837 100,0 %
Mecklenburg-V. 118.883 86,7 % 104.022 78,9 %

Gäbe es keine Überhangmandate, so entfielen auf einen Bremer Abgeordneten 1,4-fach so viele Einwohner wie auf einen Volksvertreter aus Mecklenburg-Vorpommern. Durch die zwei zusätz­lichen Überhangmandate im nordöstlichsten Bundesland vergrößert sich der Abstand auf den Faktor 1,6. Was bedeutet das? Die vier Bremer Abgeordneten vertreten so viele Einwohner wie sechs ihrer mecklenburg-vorpommerischen Kollegen. Das Stimmgewicht eines Abgeordneten ist jedoch immer gleich, egal aus welchem Bundesland er stammt oder wie viele Personen er vertritt.

Ein Blick auf alle Bundsländer (Diagramm):

Leider erlaubt mir es OpenOffice.org lediglich, einen Mittelwert einzutragen. Doch denkt man sich jenen für die blauen Säulen bei etwa 137.000 und den für die orangen Säulen bei 131.000, so werden die Abweichungen deutlicher.

Und da wirft sich die Frage auf, die Jochen, wenn auch in einem anderen Kontext, angesprochen hat: Ist es demokratisch, wenn die Stimme eines Mecklenburg-Vorpommers 1,6-fach so viel zählt wie die eines Bremers?

Französisch & Lehren

Transparenzpapier

Samstag, 2. Oktober 2010 ·

Ixsi von »Schwamm drüber!« hat vor einigen Tagen über Selbsteinschätzungsbögen geschrieben, die sie im Unterricht zur Klassenarbeitsvorbereitung einsetzt.

In die gleiche Richtung geht das Transparenzpapier. Sein Ziel ist es, die Angst vor und während Leistungssituationen zu reduzieren. Dies wird erreicht, indem die Anforderungen, die Kriterien für die Leistungsbewertung sowie die Konsequenzen (also das Gewicht der Arbeit in der Endnote) bekannt gegeben werden.

Darüber hinaus erzielen die Schülerinnen und Schüler bessere Lernergebnisse durch eine bessere Vorbereitung.

In der Uni durften wir ad hoc selbst ein solches Transparenzpapier entwickeln; gemeinsam mit meiner Kommilitonin Françoise ist Folgendes dabei herausgekommen.

Geografie

Ölkatastrophe in Deutschland

Mittwoch, 2. Juni 2010 ·

Es ist immer schwierig, sich das räumliche Ausmaß von etwas vorzustellen, wenn man ein Gebiet nicht kennt. So auch bei der Katastrophe um die untergegangene Ölplattform Deepwater Horizon.

Mit IfItWasMyHome.com und Beowulfe.com/oil kann man den Ölteppich vom Golf von Mexiko auf jeden beliebigen Punkt der Erde verschieben. Sein Ausmaß, das die ganze Schweiz verdecken könnte, wird mehr als deutlich.


(Quelle: IfItWasMyHome.com)

Französisch

Wörterbuchkompetenz

Sonntag, 23. Mai 2010 · ,


von Takako Tominaga, Quelle, Lizenz

Ein wichtiges Hilfsmittel beim Fremdsprachen­erwerb ist das Wörterbuch. Der Berliner Rah­men­lehrplan Französisch für die gymnasiale Oberstufe formuliert nicht umsonst als abschlussorientierten Standard, dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein sollen, »ein- und zweisprachige Wörterbücher sowie andere einschlägige Hilfs­mittel sinnvoll und effektiv zu nutzen.« (RLP-FII 2006: 16)

Doch was bedeutet es, ein Wörterbuch sinnvoll und effektiv nutzen zu können? Was ist Wörter­buchkompetenz?

In einer Veröffentlichung des Niedersächsischen Kultusministeriums, auf die ich bei Damian Duchamps gestoßen bin, wird empfohlen, ausgehend vom abschlussorientierten Standard ein Kompetenzerwerbsschema zu entwickeln:

Ein solches Schema sollte sämtliche didaktischen und methodischen Entscheidungen ggf. unter Einbeziehung überprüfbarer Zwischenziele beinhalten. Es sollte präzise Angaben über Auswahl und Abfolge in der Vermittlung systematischen Wissens ebenso wie klare Vorstellungen über die Kultivierung und Anwendung des erworbenen Wissens und Könnens enthalten.
(Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium 2008: 5f.)

Auf dieser theoretischen Grundlage basiert das folgende Wörterbuchkompetenzerwerbsschema, das ich hiermit zur Diskussion stelle.

Wörterbuchkompetenzerwerbsschema (Entwurf)

Die Schülerinnen und Schüler

  1. finden einfache Wörter, auch solche mit Sonderzeichen (etwa »ç«), im alphabetischen Register.
  2. verstehen die in zentralen Elementen eines Wörterbucheintrages (Angabe der Aussprache, der Wortart, der unregelmäßigen Formen) enthaltenen Informationen.
  3. wählen in polysemen Wörterbucheinträgen mithilfe von Disambiguatoren die treffende Bedeutung.
  4. können die Konjugation eines (unregelmäßigen) Verbs mithilfe des Wörterbuchs nachschlagen.
  5. nutzen weitere Bestandteile des Wörterbuchs (etwa grammatischen Anhang).
  6. finden komplexe Einheiten (etwa Sprichwörter).
  7. verwenden das zweisprachige Wörterbuch mit dem Ziel des individuellen Wortschatz­erwerbs.
  8. können in einsprachigen Wörterbüchern Kollokationen nachschlagen.
  9. nutzen einsprachige Wörterbücher mit dem Ziel des individuellen Wortschatz­erwerbs.
  10. kennen verschiedene Wörterbuchtypen und reflektieren deren Nutzungsmöglichkeiten und -grenzen.

Quellen

Panorama

Perspektive für den Zugang zu Fachliteratur

Mittwoch, 5. Mai 2010 ·

Vor einigen Wochen las ich einen Tweet von Markus.

Im verlinkten Artikel wird berichtet, dass einzelne Bibliotheken jetzt angefangen haben, ihre Katalogdaten freizugeben. Markus sieht dies als ersten Schritt, »um weltweite Sichtbarkeit v[on] Bibliotheksbeständen im Web zu erreichen«. Für mich interessant und spannend daran ist der Teilaspekt, dass durch die Veröffentlichung der Daten der Zugang zur Fachliteratur verbessert werden kann.

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Panorama

»Überlebensbericht«

Mittwoch, 24. Februar 2010 ·

Die Berliner Zeitung hat vor anderthalb Wochen im Magazin einen interessanten Bericht, »Überlebensbericht« wie sie es nennen, von Tanja Leston abgedruckt: »Guck nach unten, Frau!«

Frau Leston unterrichte für sechs Monate als Aushilfe an einer Weddinger Gesamtschule. Sie gab Musik und Englisch. Ohne fachlich noch pädagogisch jemals dafür ausgebildet worden zu sein.

Es ist für mich immer wieder verblüffend und erschreckend zugleich, wie schnell irgendwer »Daher­gelaufenes« einfach so zum Lehrer gemacht wird. Niemanden fiele es ein, mich ohne Ausbildung ein Auto zusammenschrauben oder kardiologische Untersuchungen durchführen zu lassen. Doch 30 Schülerinnen und Schüler, die kann ja jeder unterrichten. Jedem Lehrer und jeder Lehrerin signalisiert man dadurch: Deine fünf Jahre Studium sind nichts wert. Es ist geradezu bitter. Auch wie man mit dem wertvollsten Rohstoff, den unser Land hat, den Kindern, umgeht.

Ich finde es vor allem deshalb bitter, weil spätestens seit 1872 sonnenklar ist, dass sich Investi­tionen in Bildung auszahlen. Auf die Anfrage des ersten japanischen Gesandte in den USA, Mori Arinori, wie sich Bildung auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft auswirke, antwortete damals David Murray (Universität in New Brunswick) unter anderem: “What is spent on education will be saved a hundredfold in armies, and police, and courts of justice.”

Nun dann. Sparen wir jetzt ein wenig. Es wird uns teuer zu stehen kommen.

Panorama

Digitales Lexikalisches System

Dienstag, 23. Februar 2010 ·

Gestern besuchte ich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein Kollo­quium des Zentrums Sprache. Thema: »Der ›Grimm der Zukunft‹ – Perspektiven der Lexikographie im 21. Jahrhundert«.

»Der Grimm«, damit ist das von den Brüdern Grimm 1838 begonnene Deutsche Wörterbuch ge­meint. Nach »nur« 123 Jahren, also im Jahre 1961, war man fertig. Da die Buchstabenstrecken, mit denen man begonnen hatte, beim Abschluss des Wörterbuchs deutlich veraltet waren, beschloss man 1957 eine Neubearbeitung der Buchstabenstrecke A – F. 2012 wird man voraussichtlich damit fertig sein.

Eine ähnliche Neubearbeitung der anderen Buchstaben mache keinen Sinn, so Wolfgang Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, nebenbei erwähnt ein sehr begabter Rheto­riker. Zum einen dauere die Neuauflage Jahrhunderte (wodurch die Buchstabenstrecken noch viel veralteter wären, als sie es jetzt schon sind). Die Finanzierung eines solchen Mammutprojektes sei ebenfalls nicht realisierbar.

Aus diesem Grund entschloss man sich an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissen­schaf­ten, zukünftig ein »Digitales Lexikalisches System« zu entwickeln. Es ist kein Wörterbuch, aber aus den Daten können Wörterbücher abgeleitet werden. Dies möchte ich kurz an einem Beispiel illustrieren: Aus einem Datensatz, der zu jedem Wort die Schreibung und die Aussprache verzeichnet, kann man verschiedene Wörterbücher schaffen: (1) ein Rechtschreibwörterbuch wie den Duden (wie schreibt man ein Wort richtig?), (2) ein Aussprachewörterbuch (wie wird ein Wort ausgesprochen?), (3) ein rückläufiges Wörterbuch (welche Wörter enden auf -nf?), (4) ein phono­logisches Wörterbuch (welche Wörter beginnen mit [ts]? Tsatsiki oder auch Zoo) oder (5) ein Reimlexikon (was reimt sich auf Zoo? Floh, froh, …).

Mit dem Digitalen Lexikalischen System löst man viele Probleme von Papierwörterbüchern. Etwa den Umfang. Schätzungen zufolge gibt es 4,5 Millionen Wörter in der deutschen Sprache (dabei zählen Haus, Hauses, Häuser, Häusern als ein gemeinsames Wort), weit über 400 Buchbände wären dafür notwendig. Darüber hinaus ist ein digitales Wörterbuch ergänz- und korrigierbar. Es muss auch nicht nur auf Schrift zurückgreifen. Das Duden-Universalwörterbuch definiert lachen wie folgt: »durch eine Mimik, bei der der Mund in die Breite gezogen wird, die Zähne sichtbar werden u. um die Augen Fältchen entstehen, [zugleich durch eine Abfolge stoßweise hervorgebrachter, unartikulierter Laute] Freude, Erheiterung, Belustigung o.Ä.«. Ein Video, in dem jemand lacht, wäre sicherlich leichter verständlich als diese Umschreibung. Ein weiterer Vorteil: Das Digitale Lexika­lische System bietet eine »inkrementelle Funktionalität«, das heißt, dass nicht für jedes Wort die gleiche Informationstiefe vorhanden sein muss. Man kann das Wörterbuch schrittweise ausbauen.

Da 4,5 Millionen Einträge nur von Heerscharen an Lexikografen aktuell gehalten werden könnten, wird man sich zukünftig auf »wichtige«, relativ häufig verwendete Wörter konzentrieren, die regelmäßig überarbeitet werden. Zu den anderen Wörtern gibt es jedoch Belege aus Literatur und Presse, sodass die Bedeutung erschlossen werden kann.

Eine überarbeitete Oberfläche des Digitalen Wörterbuchs findet man unter beta.dwds.de. Dort kann man auch ein White Paper herunterladen, in dem zentrale Aspekte des Projektes erklärt werden.

Französisch

Konjugation – schriftlich und mündlich

Freitag, 12. Februar 2010 · ,

Eines der »Probleme« der französischen Konjugation (bzw. der französischen Sprache allgemein) ist der Unterschied zwischen Schreibung und Aussprache. Man schreibt in der Regel viel mehr, als man spricht. Doch es gibt auch Ausnahmen: Veränderungen auf lautlicher Ebene, die nicht geschrieben werden (j’aime [ʒɛm], aber vous aimez [vuzeme].

Hier wäre es hilfreich, wenn man als Lernerin bzw. Lerner die korrekte Aussprache einfach nachschlagen könnte. Und genau das wird man bald können. Ich bereite derzeit meine Master­arbeit vor und werde darin die französischen Verben klassifizieren. Zwar gibt es bereits diverse Konjugationstabellen, doch diese berücksichtigen nie die Aussprache; ihnen geht es ausschließlich um die Besonderheiten im Schriftbild.

Über 2100 Verben werde ich klassifizieren. Die Daten sollen dabei so aufbereitet sein, dass man sich die Verben später in einer Website auf Knopfdruck konjugieren lassen kann. Eine mögliche Darstellungsform habe ich am Beispiel von chanter (PDF-Datei) erarbeitet. Viele andere Darstellungen sind denkbar, angefangen bei der normalen Ausgabe am Bildschirm über die PDF-Ausgabe bis zur Suche auf Basis der Aussprache.

In einer gedruckten Konjugationstabelle hat man keinen Platz für Aussprache oder für unterschied­liche Zugriffsmöglichkeiten. Doch das ist das enorme Vorteil an einer elektronischen Konjugations­tabelle – schier unendliche Möglichkeiten.

Panorama

Geschichte der Globalisierung

Samstag, 23. Januar 2010 ·

Ich möchte euch das kleine Büchlein Geschichte der Globalisierung – Dimensionen, Prozesse, Epochen ans Herz legen, das bei amazon.de völlig ungerechtfertig nur drei Sterne hat.

Wie der Titel schon sagt, erzählen die Historiker Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson die Geschichte der Globalisierung.

»Globalisierung.« Ich assozierte damit eher G8-Gipfel und Proteste, Outsorcing nach Fernost sowie amerikanische Kultureinflüsse. Doch was ist »Globalisierung« eigentlich? Oder besser: Was ver­steht man unter »Globalisierung«? Nun, die Autoren verstehen darunter den Aufbau, die Verdich­tung und die zunehmende Bedeutung weltweiter Vernetzung (S. 24).

Und das ist alles andere als ein neues Phänomen. In der älteren Geschichte gab es immer wieder Globalisierungsanläufe. Die Globalisierung, in der wir uns befinden, begann mit dem Aufbau der Kolonialreiche Anfang des 16. Jahrhunderts, vor über 500 Jahren. Seitdem begann die im Prinzip irreversible weltweite Ver­netzung, auch wenn es Zeiträume mit Entflechtungen (Natio­nen­bildung, Weltkriege oder Weltkrisen) gab.

Ein aus meiner Sicht besonders interessanter Globalisierungs­anlauf begann mit der nomadischen Reitermacht der Mongolen im 13. Jahrhundert. Der imperiale Verbund reichte von Korea bis vor Wien und Damaskus. Es habe eine außerordentliche Reise- und Handelsfreiheit geherrscht, durch die bisher in ihrem Ausmaß nie dagewesene Migrations- und Zirkulationsräume entstanden. Doch nicht nur für den Handel war die Intensivierung der Vernetzungen nützlich, auch die Beulenpest profitierte.

Auf 128 Seiten zeigen Osterhammel/Petersson also auf, wie sich Interaktionsnetze gebildet haben und warum es wann (De)Globalisierungsschübe gab. Selbstverständlich erlaubt der Rahmen nur eine überblicksartige Darstellung, doch Quellenverzeichnis und Literaturempfehlungen erlauben eine vertiefende Auseinandersetzung.

Aber auch ohne vertieftes Studium sorgt das Büchlein für mehr Vernetzung. Zwischen den Neuronen.

Quelle

Französisch

Blogs im Fremdsprachenunterricht

Samstag, 12. Dezember 2009

Diese Woche hörte ich einen interessanten Vortrag im Rahmen der Reihe »Fremdsprachen­didaktische Vorlesungen an der Humboldt-Universität zu Berlin«. Der Referent, Jochen Plikat, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der romanistischen Fachdidaktik und promoviert über Blogs im Fremdsprachenunterricht. Und genau das war das Thema: »Pranger 2.0 oder 5. Gewalt? Zur Arbeit mit Weblogs im Fremdsprachenunterricht«.

Zu Beginn sprach Plikat über die allgemeinen Auswirkungen technischer Innovationen. Die etwas ernüchternde Erkenntnis: Auswirkungen von Innovationen könne man nicht vorhersagen. Auch wenn spätere Generationen das Gefühl hätten, dass das, was ist, so kommen musste. Dass es auch immer ganz anders gehen kann, wurde eindrucksvoll am Beispiel der Maya illustriert: Diese mehrere Jahrtausende existierende Hochkultur kannte das Rad, aber nur zu kultischen Zwecken oder als Spielzeug, nicht zur Erleichterung des Transports. Ein anderes Beispiel: Johannes Guten­berg werde sich bei der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern nicht ansatzweise ausgemalt haben, dass wir Bücher heute so verwenden, wie wir es tun.

Den zweiten Schwerpunkt des Referats war der Annäherung an das Phänomen »Blog« gewidmet. Es sei offensichtlich, dass diese neue Technik tiefgreifende Änderungen zur Folge habe, doch ob Blogs »Pranger 2.0« oder eher »5. Gewalt« werden, das werde sich erst noch zeigen. Blogs hät­ten prototypische Eigenschaften, zu denen unter anderem die chronologisch absteigende Abfolge der Beiträge, die Blogroll, die Abomöglichkeit via RSS-Feeds sowie die Kommentar-, Archiv- und Suchfunktion gehören. Inhaltlich sei alles möglich, auch auf eine Textsorte ließen Blogs sich nicht festlegen. Vom klassischen Tagebuch über Reportagen, Essays, Fortsetzungsromane, Fotos, Podcasts, Lyrik, Tratsch und Klatsch sowie noch viel mehr sei alles möglich.

Hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeit im Fremdsprachenunterricht seien Blogs vielfältig. Abgesehen von dem Aspekt der schriftlichen Produktion ist für Plikat insbesondere die Rezeption interessant: In interkultureller Hinsicht ermöglichten Blogs Einblicke in das Leben des Ziellandes. Ein Beispiel hierfür sei das spanischsprachige Blog Generación Y (deutsche Version), das aus dem relativ abgeschotteten Kuba berichtet. Die Schülerinnen und Schüler hätten hier die Möglichkeit, sich einerseits mit den Lebensverhältnissen aus der Sicht einer Kubanerin auseinanderzusetzen, andererseits ermöglichten Blogs die Kommunikation mit dem Autor, auch wenn sich diese bei Generación Y mit nicht selten über 2000 Kommentaren etwas schwierig gestalte.

Der Vortrag hat auf jeden Fall Lust gemacht, die französische Blogsphäre zu erkunden, die be­kannt­lich zu den aktivsten Europas zählt. Doch gerade die Aktivität ist aus meiner Sicht ein großes Problem: In all dem Rauschen ist es nicht einfach, die interessanten Beiträge zu finden, die sich auch für die Schulthemen eignen. Dazu noch auf einem angemessenen Sprachniveau.

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