Monsieur Becker

Panorama

E-Books und wissenschaftliches Arbeiten

Montag, 3. Mai 2010 ·

Im Rahmen der von Herrn Larbig angestoßenen Diskussion, zu der ich in meinem vorletzten Beitrag meine Gedanken gemacht habe, entwickelt Sebastian Felling vom Bildungsblog ein Szenario, »Wie E-Books und E-Magazine schulisches und wissenschaftliches Arbeiten verändern können«.

Felling geht davon aus, dass mit der Einführung von elektronischen Büchern und Zeitschriften das Interesse an wissenschaftlicher Arbeit, aber auch deren Anzahl zunehme, denn insbesondere semiprofessionelle und Nachwuchs-Wissenschaftler hätten nun leichter die Möglichkeit, zu publi­zieren. Wissenschaftliche Arbeiten würden »noch mehr als im bisherigen Sinne ein unvoll­endetes, sich im Wandel befindliches Werk sein«.

Durch die sich wandelnde Publikationsweise verändere sich auch das Konzept von Autorität, das nun durch Popularität und Authentizität definiert werde. Die neuen Autoritäten genössen nicht nur monetäre Vergütung, sondern auch Aufmerksamkeit und Reputation.

Der letzte von Felling angesprochene Aspekt ist die Bibliothek: Die klassische Bibliothek gehöre »mit dem papiergebunden Buch zur aussterbenden Art«. Zukünftig würde sie zu einer virtuellen Bibliothek, die durch den Einkauf verschiedener Lizenzen die Medien verschiedenen Nutzergruppen zur Verfügung stellen könne.

Ich persönlich bin weniger avantgardistisch in meinen Vorstellungen, wie sich die wissenschaftliche Publikation in Zukunft verändern wird. Ich bin davon überzeugt, dass Bücher und Zeitschriften auch in Papierform erhalten bleiben werden. Wieso?

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Panorama

CD-ROM zum OALD 8 [Update]

Sonntag, 2. Mai 2010 ·

Update: Tim, seines Zeichens Electronic Publication Engineer, hat am 11. Mai auf meine Beschwerde geantwortet. Aber erst, als ich via Twitter nachgehakt habe.

Wie sich herausgestellt hat, kann man die elektronische Version des neuen Oxford Advanced Learner’s Dictionary nur verwenden, wenn die CD-ROM beim ersten Start des Wörterbuchs nach der Installation im CD-ROM-Laufwerk eingelegt ist. Danach funktioniert die Benutzung ohne CD-ROM problemlos. Das ist akzeptabel.

An dieser Stelle sei Steffi und Françoise weiterhin gedankt, die meiner E-Mail an Oxford die »Schul­englischkeit« ausgetrieben und ihr dadurch zu vollem Glanz verholfen haben. Den Text der E-Mail habe ich hier entfernt, um Nutzerinnen und Nutzer, die sich vorab informieren wollen, nicht zu verwirren.

Lehren

Schulbücher und ihre Zukunft

Samstag, 1. Mai 2010 ·

Herr Larbig geht in seinem Blogbeitrag »Schulbücher und freie Unterrichtsmaterialien« der Frage nach, wie Schulbücher abgelöst werden könnten.

Seine Kernkritikpunkte teile ich: Ein gutes Schulbuch ist leider nicht durchgängig qualitativ gut. Es ist darüber hinaus statisch (Veralterungsgefahr) und nicht auf die Bedürfnisse der Lerngruppe angepasst. Zudem gibt es Einschränkungen durch das Urheberrecht.

Für Larbig »scheint die Zeit des (klassischen) Schulbuchs ›eigentlich‹ vorbei«. Das stimmt, wenn auch für die einzelnen Fächer in unterschiedlichem Maße. In den Fremdsprachen beispielsweise, in denen jedes Schuljahr auf dem vorangehenden aufbaut, ist ein langfristig angelegtes Lehrbuch im Prinzip unverzichtbar, damit Grundkenntnisse systematisch vermittelt werden. Bei Erdkunde sowie rein naturwissenschaftlichen Fächern hingegen könnte auch von Anfang an mit Themendossiers gearbeitet werden.

Eine Über-das-klassische-Lehrbuch-hinaus-Entwicklung ist seit geraumer Zeit durch das Entstehen von sogenannten Medienverbünden feststellbar. Ich denke, dass sich dieser Trend weiter­entwickelt und Schulbücher sowie die sie begleitenden Medien in einer integrierten Form in E-Books überführt werden. In den Fächern, in denen Themendossiers möglich sind, werden Verlage auch solche anbieten. Larbig erachtet dieses Feld für Schulbuchverlage als uninteressant, »weil es die mit der Neubeschaffung von Schulbüchern verbundenen Umsätze wohl reduzieren dürfte.« Ich gehe hingegen davon aus, dass der Verkauf von einzelnen Themendossiers sowie von Paketen (à la »Erdkunde, 7. Klasse«) sogar umsatzförderlich ist, denn viele Lehrer werden allein aus purer Tradition auch weiterhin auf ein Lehrbuch aus einer Hand setzen, einige andere setzen die Module verschiedener Verlage ein. Gerade im Fall von Erdkunde begünstigt ein großer Aktualitätsbedarf zudem eine weitere Einnahmequelle: einen Updatedienst.

Unter den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen ist es auch wahrscheinlich, dass Verlage im Vergleich zu Open-Educational-Angeboten weiterhin dominant sein werden. Denn sie haben die Finanzkraft, einerseits Rechte für die Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke zu erwerben, andererseits könnten sie auch Autoren und Grafiker beschäftigen.

Diesen Vorteil könnte man nur aufbrechen, wenn urheberrechliche Schranken für Bildungszwecke aufgehoben würden. Dies wäre ein sinnvoller Schritt im Rahmen der Bildungsrepublik Deutschland, allerdings muss man Grafikern auch zugestehen, von ihrer Arbeit leben zu dürfen.

Und nun? Bleibt alles wie bisher, nur das Medium wechselt?

Ich denke nicht. Ich gehe davon aus, dass Schulbücher in Form von E-Books zukünftig stärker differenziert werden. So kann ich mir vorstellen, dass in Klassen mit vielen Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache spezielle DaZ-Versionen genutzt werden können. Wahrscheinlich werden auch viel mehr Aufgaben zur Auswahl stehen, aus denen die Lehrkraft schöpfen kann.

Panorama

tyrannische Kinder

Dienstag, 20. April 2010 ·

Am Samstag lag das Taschenbuch »Warum unsere Kinder Tyrannen werden« in meinem Briefkasten. Ich hatte es mir tags zuvor bestellt, da mich eine Kommilitonin darauf aufmerksam machte.

Ein ausgesprochen interessantes Buch über die Abschaffung der Kindheit, das ich regelrecht verschlungen habe. Worum geht es?

Mangelnde Sicherheit, soziale Kälte und Perfektionszwang beherrschen mittlerweile unser Leben. Erwachsene kom­pen­sieren diese gesellschaftlichen Defizite leider allzu oft über ihre Kinder. Sie wollen geliebt werden statt erziehen, kuscheln statt Konflikte aushalten. Mit »partnerschaftlichen« Entscheidungen überforden sie die Kleinen, statt klare Regeln aufzustellen, die dem Leben ihrer Kinder Orientierung geben. Dadurch machen sie eine normale Entwicklung der kindlichen Psyche unmöglich.

Michael Winterhoff zeigt in seiner überraschenden wie erschreckenden Analyse diese Fehlentwicklung und belegt sie mit vielen anschaulichen Beispielen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Nur wenn sie wieder ihrem Alter gemäß behandelt werden, können sie in einem positiven Sinn lebensfähig werden.
(Quelle: Winterhoff 20107: 2)

Das Buch zeigt eindringlich, dass ein (unter anderem von der »neuen Arroganz« gepflegter) parterschaftlicher Umgang mit Kindern diesen vielmehr schadet als nützt. Denn Kinder würden dadurch lustbetont (»Ich mache, wozu ich Lust habe!«), kennten keine Frustrationstoleranz (»Ich will alles sofort! Tanz nach meiner Pfeife!«), behandelten Menschen wie Gegenstände und könnten sich kaum konzentrieren. Dies seien nur einige Folgen. In der Schule – und später in der Ausbildung – hätten sie Defizite in der Fein- und Grobmotorik, in Wahrnehmung und Sprache, im Arbeits- und Sozialverhalten, … Wiesen früher vier von 25 Kinder Defizite auf, seien es heute vier von 25, die keine Defizite aufweisen. Die Klagen über nicht geeignete Lehrlinge nähmen auch immer stärker zu.

Was kann man dagegen tun? Der Autor und Kinderpsychiater Martin Winterhoff schlägt kein Patentrezept vor, doch er sensibilisiert seine Leser für die Notwendigkeit, vom Laissez-faire-Erzeihungsstil Abschied zu nehmen und Kinder liebevoll, aber fordernd und lenkend zu erziehen. Denn wenn nicht, macht man sein Kind über kurz oder lang zu einem gesellschaftsunfähigen Wesen.

Für 9,95 € das perfekte Buch für alle, die Kinder privat oder beruflich erziehen (werden) und später nicht bei der Supernanny landen wollen.

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Panorama

»Überlebensbericht«

Mittwoch, 24. Februar 2010 ·

Die Berliner Zeitung hat vor anderthalb Wochen im Magazin einen interessanten Bericht, »Überlebensbericht« wie sie es nennen, von Tanja Leston abgedruckt: »Guck nach unten, Frau!«

Frau Leston unterrichte für sechs Monate als Aushilfe an einer Weddinger Gesamtschule. Sie gab Musik und Englisch. Ohne fachlich noch pädagogisch jemals dafür ausgebildet worden zu sein.

Es ist für mich immer wieder verblüffend und erschreckend zugleich, wie schnell irgendwer »Daher­gelaufenes« einfach so zum Lehrer gemacht wird. Niemanden fiele es ein, mich ohne Ausbildung ein Auto zusammenschrauben oder kardiologische Untersuchungen durchführen zu lassen. Doch 30 Schülerinnen und Schüler, die kann ja jeder unterrichten. Jedem Lehrer und jeder Lehrerin signalisiert man dadurch: Deine fünf Jahre Studium sind nichts wert. Es ist geradezu bitter. Auch wie man mit dem wertvollsten Rohstoff, den unser Land hat, den Kindern, umgeht.

Ich finde es vor allem deshalb bitter, weil spätestens seit 1872 sonnenklar ist, dass sich Investi­tionen in Bildung auszahlen. Auf die Anfrage des ersten japanischen Gesandte in den USA, Mori Arinori, wie sich Bildung auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft auswirke, antwortete damals David Murray (Universität in New Brunswick) unter anderem: “What is spent on education will be saved a hundredfold in armies, and police, and courts of justice.”

Nun dann. Sparen wir jetzt ein wenig. Es wird uns teuer zu stehen kommen.

Panorama

Digitales Lexikalisches System

Dienstag, 23. Februar 2010 ·

Gestern besuchte ich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein Kollo­quium des Zentrums Sprache. Thema: »Der ›Grimm der Zukunft‹ – Perspektiven der Lexikographie im 21. Jahrhundert«.

»Der Grimm«, damit ist das von den Brüdern Grimm 1838 begonnene Deutsche Wörterbuch ge­meint. Nach »nur« 123 Jahren, also im Jahre 1961, war man fertig. Da die Buchstabenstrecken, mit denen man begonnen hatte, beim Abschluss des Wörterbuchs deutlich veraltet waren, beschloss man 1957 eine Neubearbeitung der Buchstabenstrecke A – F. 2012 wird man voraussichtlich damit fertig sein.

Eine ähnliche Neubearbeitung der anderen Buchstaben mache keinen Sinn, so Wolfgang Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, nebenbei erwähnt ein sehr begabter Rheto­riker. Zum einen dauere die Neuauflage Jahrhunderte (wodurch die Buchstabenstrecken noch viel veralteter wären, als sie es jetzt schon sind). Die Finanzierung eines solchen Mammutprojektes sei ebenfalls nicht realisierbar.

Aus diesem Grund entschloss man sich an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissen­schaf­ten, zukünftig ein »Digitales Lexikalisches System« zu entwickeln. Es ist kein Wörterbuch, aber aus den Daten können Wörterbücher abgeleitet werden. Dies möchte ich kurz an einem Beispiel illustrieren: Aus einem Datensatz, der zu jedem Wort die Schreibung und die Aussprache verzeichnet, kann man verschiedene Wörterbücher schaffen: (1) ein Rechtschreibwörterbuch wie den Duden (wie schreibt man ein Wort richtig?), (2) ein Aussprachewörterbuch (wie wird ein Wort ausgesprochen?), (3) ein rückläufiges Wörterbuch (welche Wörter enden auf -nf?), (4) ein phono­logisches Wörterbuch (welche Wörter beginnen mit [ts]? Tsatsiki oder auch Zoo) oder (5) ein Reimlexikon (was reimt sich auf Zoo? Floh, froh, …).

Mit dem Digitalen Lexikalischen System löst man viele Probleme von Papierwörterbüchern. Etwa den Umfang. Schätzungen zufolge gibt es 4,5 Millionen Wörter in der deutschen Sprache (dabei zählen Haus, Hauses, Häuser, Häusern als ein gemeinsames Wort), weit über 400 Buchbände wären dafür notwendig. Darüber hinaus ist ein digitales Wörterbuch ergänz- und korrigierbar. Es muss auch nicht nur auf Schrift zurückgreifen. Das Duden-Universalwörterbuch definiert lachen wie folgt: »durch eine Mimik, bei der der Mund in die Breite gezogen wird, die Zähne sichtbar werden u. um die Augen Fältchen entstehen, [zugleich durch eine Abfolge stoßweise hervorgebrachter, unartikulierter Laute] Freude, Erheiterung, Belustigung o.Ä.«. Ein Video, in dem jemand lacht, wäre sicherlich leichter verständlich als diese Umschreibung. Ein weiterer Vorteil: Das Digitale Lexika­lische System bietet eine »inkrementelle Funktionalität«, das heißt, dass nicht für jedes Wort die gleiche Informationstiefe vorhanden sein muss. Man kann das Wörterbuch schrittweise ausbauen.

Da 4,5 Millionen Einträge nur von Heerscharen an Lexikografen aktuell gehalten werden könnten, wird man sich zukünftig auf »wichtige«, relativ häufig verwendete Wörter konzentrieren, die regelmäßig überarbeitet werden. Zu den anderen Wörtern gibt es jedoch Belege aus Literatur und Presse, sodass die Bedeutung erschlossen werden kann.

Eine überarbeitete Oberfläche des Digitalen Wörterbuchs findet man unter beta.dwds.de. Dort kann man auch ein White Paper herunterladen, in dem zentrale Aspekte des Projektes erklärt werden.

Französisch

Konjugation – schriftlich und mündlich

Freitag, 12. Februar 2010 · ,

Eines der »Probleme« der französischen Konjugation (bzw. der französischen Sprache allgemein) ist der Unterschied zwischen Schreibung und Aussprache. Man schreibt in der Regel viel mehr, als man spricht. Doch es gibt auch Ausnahmen: Veränderungen auf lautlicher Ebene, die nicht geschrieben werden (j’aime [ʒɛm], aber vous aimez [vuzeme].

Hier wäre es hilfreich, wenn man als Lernerin bzw. Lerner die korrekte Aussprache einfach nachschlagen könnte. Und genau das wird man bald können. Ich bereite derzeit meine Master­arbeit vor und werde darin die französischen Verben klassifizieren. Zwar gibt es bereits diverse Konjugationstabellen, doch diese berücksichtigen nie die Aussprache; ihnen geht es ausschließlich um die Besonderheiten im Schriftbild.

Über 2100 Verben werde ich klassifizieren. Die Daten sollen dabei so aufbereitet sein, dass man sich die Verben später in einer Website auf Knopfdruck konjugieren lassen kann. Eine mögliche Darstellungsform habe ich am Beispiel von chanter (PDF-Datei) erarbeitet. Viele andere Darstellungen sind denkbar, angefangen bei der normalen Ausgabe am Bildschirm über die PDF-Ausgabe bis zur Suche auf Basis der Aussprache.

In einer gedruckten Konjugationstabelle hat man keinen Platz für Aussprache oder für unterschied­liche Zugriffsmöglichkeiten. Doch das ist das enorme Vorteil an einer elektronischen Konjugations­tabelle – schier unendliche Möglichkeiten.

Panorama

Geschichte der Globalisierung

Samstag, 23. Januar 2010 ·

Ich möchte euch das kleine Büchlein Geschichte der Globalisierung – Dimensionen, Prozesse, Epochen ans Herz legen, das bei amazon.de völlig ungerechtfertig nur drei Sterne hat.

Wie der Titel schon sagt, erzählen die Historiker Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson die Geschichte der Globalisierung.

»Globalisierung.« Ich assozierte damit eher G8-Gipfel und Proteste, Outsorcing nach Fernost sowie amerikanische Kultureinflüsse. Doch was ist »Globalisierung« eigentlich? Oder besser: Was ver­steht man unter »Globalisierung«? Nun, die Autoren verstehen darunter den Aufbau, die Verdich­tung und die zunehmende Bedeutung weltweiter Vernetzung (S. 24).

Und das ist alles andere als ein neues Phänomen. In der älteren Geschichte gab es immer wieder Globalisierungsanläufe. Die Globalisierung, in der wir uns befinden, begann mit dem Aufbau der Kolonialreiche Anfang des 16. Jahrhunderts, vor über 500 Jahren. Seitdem begann die im Prinzip irreversible weltweite Ver­netzung, auch wenn es Zeiträume mit Entflechtungen (Natio­nen­bildung, Weltkriege oder Weltkrisen) gab.

Ein aus meiner Sicht besonders interessanter Globalisierungs­anlauf begann mit der nomadischen Reitermacht der Mongolen im 13. Jahrhundert. Der imperiale Verbund reichte von Korea bis vor Wien und Damaskus. Es habe eine außerordentliche Reise- und Handelsfreiheit geherrscht, durch die bisher in ihrem Ausmaß nie dagewesene Migrations- und Zirkulationsräume entstanden. Doch nicht nur für den Handel war die Intensivierung der Vernetzungen nützlich, auch die Beulenpest profitierte.

Auf 128 Seiten zeigen Osterhammel/Petersson also auf, wie sich Interaktionsnetze gebildet haben und warum es wann (De)Globalisierungsschübe gab. Selbstverständlich erlaubt der Rahmen nur eine überblicksartige Darstellung, doch Quellenverzeichnis und Literaturempfehlungen erlauben eine vertiefende Auseinandersetzung.

Aber auch ohne vertieftes Studium sorgt das Büchlein für mehr Vernetzung. Zwischen den Neuronen.

Quelle

Lehren

MiniMax für Lehrer

Samstag, 23. Januar 2010 ·

»MiniMax für Lehrer« von Manfred Prior und Heike Winkler, das sind »16 Kommunikationsstrategien mit maximaler Wirkung«.

Auf dieses Buch bin ich vor Kurzem bei Jochen English gestoßen, fand es ganz interessant und habe einfach mal zugeschlagen. Es kann ja nie schaden, in einem kommunikativen Beruf sein Kommunikationsverhalten zu überprüfen und zu verbessern. Zumal bei dieser Devise: MiniMax bedeutet minimalen Aufwand bei maximalen Erfolg.

Im Grunde sind die geschilderten Strategien geeignet, jede zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern, denn hauptsächlich geht es darum, sich und seinen Gegenüber von negativen Phrasen zu befreien. Das bedeutet beispielsweise, dass man ob-Fragen in W-Fragen umformuliert und deutlich macht, dass »Fehlverhalten« in der Vergangenheit nicht automatisch in die Zukunft reicht:

Ein zweiter Teil an Strategien dient vornehmlich der Verschleierung von Vorschlägen. Dazu gehören folgende Wendungen: »Angenommen, du würdest…«, »Tu mal so, als ob…« und »Du denkst, du kannst das nicht…«. Oder der Nicht-Vorschlag à la »Du musst ja gar nicht denken, dass täglich 10 Minuten Vokabellernen etwas bringt. Trotzdem würde sich dadurch deine Noten im nächsten Vokabeltest verbessern.«

Schlüssig nachvollziehbar sind die nichtschulischen Beispiele, die Prior/Winkler aufführen, die schulischen sind überwiegend gut gelungen. Leider regelrecht schlecht und peinlich ist der »begleitende ›Praxistest‹ in Bildern und Worten von Dieter Tangen«. Er verfährt nach dem Prinzip »Reime dich oder ich fresse dich!«, ist als Situation realitätsfremd und biedert sich dabei der Jugendsprache an. Es ist ein Naturgesetz, dass ein solches Vorgehen nur schiefgehen kann.

Aber abgesehen von dem gezeichneten Beispiel ist das Buch gut. Einfach mal eine Strategie lesen und ausprobieren. Es ändert sich schon etwas im eigenen Kopf. Und im eigenen Verhalten. Bei amazon und auf der Website des Verlages kann man übrigens ins Buch hineinschauen und das erste Kapitel lesen.

Quelle

Französisch

Blogs im Fremdsprachenunterricht

Samstag, 12. Dezember 2009

Diese Woche hörte ich einen interessanten Vortrag im Rahmen der Reihe »Fremdsprachen­didaktische Vorlesungen an der Humboldt-Universität zu Berlin«. Der Referent, Jochen Plikat, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der romanistischen Fachdidaktik und promoviert über Blogs im Fremdsprachenunterricht. Und genau das war das Thema: »Pranger 2.0 oder 5. Gewalt? Zur Arbeit mit Weblogs im Fremdsprachenunterricht«.

Zu Beginn sprach Plikat über die allgemeinen Auswirkungen technischer Innovationen. Die etwas ernüchternde Erkenntnis: Auswirkungen von Innovationen könne man nicht vorhersagen. Auch wenn spätere Generationen das Gefühl hätten, dass das, was ist, so kommen musste. Dass es auch immer ganz anders gehen kann, wurde eindrucksvoll am Beispiel der Maya illustriert: Diese mehrere Jahrtausende existierende Hochkultur kannte das Rad, aber nur zu kultischen Zwecken oder als Spielzeug, nicht zur Erleichterung des Transports. Ein anderes Beispiel: Johannes Guten­berg werde sich bei der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern nicht ansatzweise ausgemalt haben, dass wir Bücher heute so verwenden, wie wir es tun.

Den zweiten Schwerpunkt des Referats war der Annäherung an das Phänomen »Blog« gewidmet. Es sei offensichtlich, dass diese neue Technik tiefgreifende Änderungen zur Folge habe, doch ob Blogs »Pranger 2.0« oder eher »5. Gewalt« werden, das werde sich erst noch zeigen. Blogs hät­ten prototypische Eigenschaften, zu denen unter anderem die chronologisch absteigende Abfolge der Beiträge, die Blogroll, die Abomöglichkeit via RSS-Feeds sowie die Kommentar-, Archiv- und Suchfunktion gehören. Inhaltlich sei alles möglich, auch auf eine Textsorte ließen Blogs sich nicht festlegen. Vom klassischen Tagebuch über Reportagen, Essays, Fortsetzungsromane, Fotos, Podcasts, Lyrik, Tratsch und Klatsch sowie noch viel mehr sei alles möglich.

Hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeit im Fremdsprachenunterricht seien Blogs vielfältig. Abgesehen von dem Aspekt der schriftlichen Produktion ist für Plikat insbesondere die Rezeption interessant: In interkultureller Hinsicht ermöglichten Blogs Einblicke in das Leben des Ziellandes. Ein Beispiel hierfür sei das spanischsprachige Blog Generación Y (deutsche Version), das aus dem relativ abgeschotteten Kuba berichtet. Die Schülerinnen und Schüler hätten hier die Möglichkeit, sich einerseits mit den Lebensverhältnissen aus der Sicht einer Kubanerin auseinanderzusetzen, andererseits ermöglichten Blogs die Kommunikation mit dem Autor, auch wenn sich diese bei Generación Y mit nicht selten über 2000 Kommentaren etwas schwierig gestalte.

Der Vortrag hat auf jeden Fall Lust gemacht, die französische Blogsphäre zu erkunden, die be­kannt­lich zu den aktivsten Europas zählt. Doch gerade die Aktivität ist aus meiner Sicht ein großes Problem: In all dem Rauschen ist es nicht einfach, die interessanten Beiträge zu finden, die sich auch für die Schulthemen eignen. Dazu noch auf einem angemessenen Sprachniveau.