Panorama
Mittwoch, 1. Januar 2020
In ihrer Neujahrsansprache spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel den digitalen Wandel und die sich daraus ergebenden Konsequenzen an. Dies lässt sich auch gut auf Schulentwicklung übertragen.
Konkret sagt die Bundeskanzlerin (Video, Text als PDF-Datei):
[Wir erleben] täglich, wie sehr der digitale Fortschritt unser Leben in allen Bereichen verändert, natürlich auch unser Arbeitsleben. Darauf müssen wir neue Antworten finden. Denn wir wollen, dass alle Menschen Zugang zu der Bildung haben, die sie für diesen Wandel brauchen. Wir wollen, dass sie auch in Zukunft einen guten und sicheren Arbeitsplatz haben – und im Alter eine verlässliche Rente
Digitaler Wandel verändert die Gesellschaft insgesamt, insofern sollte der Gestaltungswille nicht nur den Bereich der Arbeit betreffen. Das nur am Rande bemerkt.
Weiter führt Merkel aus:
[Wir brauchen] mehr denn je den Mut zu neuem Denken, die Kraft, bekannte Wege zu verlassen, die Bereitschaft, Neues zu wagen, und die Entschlossenheit, schneller zu handeln, in der Überzeugung, dass Ungewohntes gelingen kann [...].
Wenn das nicht ein guter Leitspruch für Schulentwicklung im kommenden Jahr ist, dann weiß ich auch nicht.
Panorama
Montag, 30. Dezember 2019
Was ist die in den Zehnerjahren maßgebliche gesellschaftliche Entwicklung? Für den Datenanalyst David Kriesel ist es der Aufstieg der Empörten. Sein Wunsch für die Zwanzigerjahre?
„[I]ch möchte anregen, das wir für das jetzt kommende Jahrzehnt zu einer Kultur finden, in der es ungern gesehen wird, einfach nur alles Mögliche anzuprangern und in der es ganz umgekehrt bewundert wird, wenn man sich die Datenlage anguckt und sie sich gegenseitig präsentiert, mit seinem Kontrahenten, und sich dann zusammensetzt.“
Beim 36. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs präsentiert Kriesel in seinem Vortrag „BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier“ (hier das Video) die Ergebnisse seiner Untersuchung der Bahnpüntklichkeit. Methodisch sehr gut gemacht, reflektiert, immer fair im Umgang mit der Bahn.
Ein solches Vorgehen ist in der öffentlichen Diskussion heute rar. Am Ende seines Vortrages (ab Minute 46:30), seinem letzten in diesem Jahrzehnt, wird Kriesel daher grundsätzlich:
Ich wünsche mir, dass jeder kurz darüber nachdenkt, was für ihn in diesem Jahrzehnt die maßgebliche gesellschaftliche Entwicklung war.
[…]
Für mich ist es der Aufstieg der Empörten. Und damit meine ich ausdrücklich jede politische Richtung. Ich habe in diesem Jahrzehnt tausend Mal an jeder Ecke gehört, wie wichtig heutzutage technische, naturwissenschaftliche und analytische Skills seien, angeblich. Mit anderen Worten: Rationalität. Und auf der anderen Seite aber reicht es heute im öffentlichen Diskurs als Totschlagsargument [sic!], wenn jemand empört ist. Und ich finde das paradox. Das ist das Gegenteil von Rationalität. Man kann nicht beides gleichzeitig propagieren. Und ich möchte anregen, das wir für das jetzt kommende Jahrzehnt zu einer Kultur finden, in der es ungern gesehen wird, einfach nur alles Mögliche anzuprangern und in der es ganz umgekehrt bewundert wird, wenn man sich die Datenlage anguckt und sie sich gegenseitig präsentiert, mit seinem Kontrahenten, und sich dann zusammensetzt.
Und wer soll das starten, wenn nicht wir hier.
Verlassen wir uns nicht auf die Medien, denn die leben vom Aufruhr, auch wenn es positive Gegenbeispiele gibt. Verlassen wir uns nicht auf irgendwelche Stars, die leben von Likes und die kriegt man am besten durch Zuspitzung. In der Regel sind die Teil des Problems. Verlassen wir uns nicht auf Politiker, die achten wegen der Shitstormkultur nur noch darauf, bis zur nächsten Wahl nicht anzuecken und zu viele von denen haben ohnehin niemals außerhalb der Politik gearbeitet, was soll da schon kommen.
Und das ist der Grund, warum ich das hier mache. Ich versuche euch zu inspirieren, eure eigenen Analysen zu strittigen Themen anzustellen, denn in meinen letzten Vorträgen, meinen beiden hier, habt ihr ein paar Instinkte davon bekommen, wie das geht, und ich hoffe, ich habe euch bewiesen, dass das absolut keine Raketenwissenschaft ist.
Und ich frage nochmal: Wer soll das machen, wenn nicht wir hier.
Wenn wir es gemeinsam schaffen, dass wenigstens manche, die heute echt nichts Besseres zu tun haben, als sich im Internet zu empören, im nächsten Jahrzehnt zur engagierten Analyse übergehen und dabei auch anerkennen, wenn was rauskommt, was sie vorher nicht gedacht hätten, dann haben wir gesellschaftlich unglaublich viel gewonnen.
Es ist in der Tat sehr wünschenswert, dass wir zu einem gesunden öffentlichen Diskurs zurückfinden. Kein Klickbaiting, kein Aufpeitschen willfähriger Massen, kein Lügen und Manipulieren à la Donald Trump und Boris Johnson.
Panorama
Donnerstag, 5. Dezember 2019
Wie viele Stunden lernen Schüler*innen pro Woche? Und welches Kompetenzlevel erreichen sie dadurch? Dieser Frage ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), im Rahmen der Schulleistungsuntersuchung PISA nachgegangen.
Die OECD hat in ihrem jüngsten PISA-Bericht ([1], S. 74ff.) den Zusammenhang zwischen Leseleistung und Gesamtlernzeit untersucht. Zur Gesamtlernzeit, die bereits bei der PISA-Studien im Jahr 2015 erhoben wurde, zählt einerseits die Unterrichtszeit, andererseits die Zeit für Hausaufgaben, Zusatzunterricht und selbstständiges Lernen.
Hier das Ergebnis:

(Quelle: [1], S. 76)
Während in Finnland und Deutschland die Schüler*innen auf 36,1 bzw. 36,5 Stunden Gesamtlernzeit pro Woche kommen und damit fast acht Stunden unter dem OECD-Durchschnitt von 44 Stunden liegen, sind es in dem P-S-J-Z genannten Konglomerat aus vier chinesischen Provinzen/Städten Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, 57 Stunden ([2]). Dies sind umgerechnet acht Stunden pro Wochentag, von Montag bis Sonntag. Im Vergleich lernen die P-S-J-Z-Schüler*innen über 20 Wochenstunden mehr als finnische und deutsche Schüler*innen bzw. anderthalb mal so lange.
P-S-J-Z ist im Bereich Lesekompetenz Spitzenreiter mit 555 Punkten, Finnland und Deutschland liegen mit 520 Punkten bzw. 498 Punkten statistisch signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 487 Punkten ([1], S. 64f.).
Die OECD schreibt selbst: „Die Länder im oberen linken Quadranten können insofern als effizienter betrachtet werden, als die Schülerinnen und Schüler überdurchschnittliche Kompetenzstufen erreichen, aber weniger Zeit auf das Lernen verwenden als der Durchschnitt der 15-jährigen Schüler in den OECD-Ländern. Zu dieser Gruppe gehören Finnland, Deutschland, Japan und Schweden.“ ([1], S. 75)
Viel nützt also nicht unbedingt viel: Berechnet man die Korrelation zwischen Gesamtlernzeit und dem erreichten Mittelwert im Bereich Lesen, so ergibt sich mit −0,32 sogar ein negativer Zusammenhang (eigene Berechnung auf Grundlage von [2]).
Quellen
[1] PISA-Bericht (Band 1) (PDF-Datei)
[2] Quelle (XSLX-Datei)
Gewusst wie
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Dokumentenvorlagen erleichtern enorm die Erstellung von einheitlich aussehenden Arbeitsblättern, denn wichtige Parameter wie Schriftart und -größe etc. sind bereits vorgegeben und können zentral geändert werden. Doch wie richte ich mit LibreOffice Writer eine solche Vorlage ein?
Durch einen Tweet von Björn Nölte bin ich auf einen Arbeitsblätter-Design-Guide von Oliver Caviglioli gestoßen. Grob zusammengefasst rät Caviglioli dazu, mehr Weißräume (Ränder, Spalten, Platz zwischen Linien), strukturierende Elemente und Raster zu verwenden. Zudem: Weniger bunt, weniger Schriftarten, weniger Bilder.
Seit geraumer Zeit verwende ich für meine Arbeitsblätter eine Vorlage, genau genommen eine Dokumentenvorlage (PDF-Datei), in der ich einen Teil dieser Ratschläge bereits umsetze. Eine Dokumentenvorlage ist sehr bequem, da ich darin Absatz- und Zeichenvorlage zentral verwalte, sie also nur einmal ergänzen oder ändern muss, damit sie in allen Dokumenten, die auf der Vorlage aufbauen, geändert werden.
Neues Dokument mit Dokumentenvorlage anlegen
Ein neues Dokument (odt-Datei) kann man einfach ausgehend von der Dokumentenvorlage (ott-Datei) erstellen. Das Dokument ist dann mit dieser Vorlage verbunden und passt sich automatisch an, wenn man die Vorlage verändert.
Um bei LibreOffice ein Dokument neu anzulegen, wählen Sie unter Datei > Neu > Vorlagen… die passende Vorlage aus. Alternativ können Sie die Tastenkombination Ctrl + Shift + N drücken und kommen so direkt zum Vorlagenauswahldialog.
Bestehendes Dokument mit Dokumentenvorlage verknüpfen
Um einem bestehenden Dokument eine Dokumentenvorlage zuzuweisen, benöitgen Sie für LibreOffice die Erweiterung („Extension“) „Template Changer“. Die offiziell verfügbare Version 1.2.6 funktioniert leider nicht mit den aktuellen Versionen von LibreOffice, Abhilfe schafft jedoch Version 1.2.7c, die Sie bei einem Fehlermeldungsthread der Document Foundation finden.
Unter dem Datei-Menü finden Sie nun den Punkt Dokumentenvorlagen. Sie haben hier die Möglichkeit, Vorlagen einfacher zu verwalten und können der aktuell verwendeten Datei oder sogar allen Dateien eines Ordners eine Dokumentenvorlage zuweisen.
Französisch & Panorama
Freitag, 27. September 2019
Die aktuellen Lehrwerksgenerationen für Französisch als zweite Fremdsprache sind vor 7 Jahren erschienen. Nach bisherigem Rhythmus ist es wahrscheinlich, dass im kommenden Jahr neue Ausgaben erscheinen werden. Was sollte die neue Generation an Lehrbüchern bieten?
Es ist verständlich, dass aufgrund der Ausstattung der Schulen kein großer Wurf in Richtung Digitalisierung zu erwarten ist, aber ich denke, auch in einer Bücherwelt gibt es Entwicklungsbedarf. Hier mein Wunschzettel:
Hören/Sprechen
- Die Audiodateien der Lektionstexte sind für Schüler*innen einfach abrufbar.
- Die Audiodateien der Vokabeln sind für Schüler*innen einfach abrufbar.
- Die Audiodateien der Beispielsätze des Vokabelverzeichnisses sind für Schüler*innen einfach abrufbar.
- Die Übersichten im Schülerbuch zum Alphabet, den Grundzahlen sowie der Konjugation der Verben sind vertont. Die Audiodateien sind für Schüler*innen einfach abrufbar.
„Einfach abrufbar“ bedeutet, dass die Audiodateien für Schüler*innen online kostenlos und ohne Anmeldung auf einer Lernplattform abrufbar sind. Die Schüler*innen können die Dateien in einem gängigen Format (z. B. MP3) herunterladen und ohne die Installation verlagseigener Apps/Programme anhören.
Verfügbarkeit sprachlicher Mittel
- Das Schülerbuch enthält die neue Grammatik lektionsweise in Übersicht, entweder bei der Lektion oder am Ende des Buches gesammelt.
- Es gibt ein Grammatikheft/grammatisches Beiheft zum Schülerbuch. Es erklärt die neue Grammatik und fasst ggf. die bereits bekannte Grammatik zusammen.
- Das Grammatikheft/grammatische Beiheft enthält (Online-)Übungen.
- Das Vokabelverzeichnis des Schülerbuches ist dreispaltig: Vokabel, Übersetzung und Beispielsatz.
- Das Vokabellernheft enthält ebenfalls die Beispielsätze.
- Eine Übersetzung der Beispielsätze ins Deutsche ist für Schüler*innen einfach abrufbar.
- Nomen sind im Vokabelverzeichnis entsprechend ihrem grammatikalischen Geschlecht blau bzw. rot gefärbt.
- Im Beispielsatz ist die Vokabel vollständig und in der korrekten Form aufgeführt. Sie wird nicht durch eine Tilde (~) ersetzt.
- In Übungen wird kein neuer verpflichtender Lernwortschatz eingeführt.
Zusatzmaterialien
- Es gibt offline und online Zusatzmaterialien, um Grammatik zu üben.
- Es gibt offline und online Zusatzmaterialien, um Wortschatz zu üben.
- Online-Übungsmaterialien, die mit einer Schullizenz erworben werden, können auch von den Schüler*innen zuhause/unterwegs verwendet werden.
Weiteres
- Wird eine Übung in differenzierten Niveaus zur gleichzeitigen Bearbeitung angeboten, sollte sie zielgleich sein. Wenn sie zieldifferent gestaltet ist, wird den Schüler*innen ein eigenständiges Kontrollieren ermöglicht.
Französisch
Samstag, 27. Juli 2019 · Wörterbuch
Eine Schwierigkeit beim Wortschatzlernen ist, dass es nicht ausreichend ist, isoliert das Wort zu lernen. Denn jedes Wort wird häufig gemeinsam mit anderen Wörtern verwendet. Manche Kombinationen sind dabei recht frei, manche jedoch fester. Solche festeren Verbindungen nennt man Kookkurrenzen.
Le Petit Druide des cooccurrences
In Kanada habe ich „Le Petit Druide des cooccurrences“ (Druide, 978-2-89711-201-1) gekauft, ein Wörterbuch der Kookkurrenzen.
Als Kookkurrenz (co ›zusammen‹, occurrere, ›zusammen‹) bezeichnet man zwei sprachliche Einheiten, die häufig gemeinsam auftreten. Zum Beispiel passen im Deutschen „Zähne“ und „putzen“ gut zusammen, „Zähne“ und „waschen“ eher nicht. Im Französischen und Englischen hingegen ist das passende Verb „brosser“ bzw. „brush“, zu Deutsch ›bürsten‹.
Ähnlich wie beim Dictionnaire des combinaisons de mots (Le Robert) werden im Petit Druide zu einem Nomen passende Adjektive, Verben (wenn das Nomen das Subjekt ist) und nochmals Verben (wenn das Nomen das Objekt ist) aufgelistet. Bei einem Adjektiv werden passende Adverbien genannt, ebenso bei einem Verb. Der Petit Druide fasst 260 000 Kookkurrenzen, der Grand Druide 450 000.
Der Eintrag zu amour ›Liebe‹ sieht auszugsweise wie folgt aus:

Antidote
Aus dem gleichen Verlagshaus wie der Petit Druide stammt Antidote. Diese Software gibt es für Französisch und Englisch, die beiden Amtssprachen Kanadas. Antidote enthält mehrere Wörterbücher:
- „Définitions/Definitions“ erklärt die Bedeutung des nachgeschlagenen Wortes.
- „Synonymes/Synonyms“ schlägt Wörter gleicher/ähnlicher Bedeutung vor, …
- „Antonymes/Antonyms“ Wörter gegensätzlicher Bedeutung.
- „Cooccurrences/Combinations“ gibt eine Übersicht über die oben genannten Kookkurrenzen.
- „Champ lexical/Semantic Field“ verweist auf andere Wörter des Wortfeldes.
- „Conjugaison/Conjugation“ führt bei Verben alle Formen auf.
- „Famille/Family“ nennt Wörter, die zur gleichen Wortfamilie gehören.
- „Citations/Quotations“ umfasst passende Zitate.
- Und „Historique/History“ geht der Wortgeschichte nach.
Darüber hinaus beinhaltet Antidote eine Sprachkorrektur für die gängigen Schreibprogramme, E-Mail-Programme und Browser sowie Leitfäden für gutes Französisch bzw. Englisch.
Kookkurrenzen in Antidote
Unser Ausgangspunkt war der Petit Druide des Cooccurrences. Im Vergleich zu diesem gedruckten Wörterbuch ist das Interessante an der Software, dass deutlich mehr Kookkurrenzen verzeichnet sind. Die Gliederung ist zudem noch feiner, noch sprachbewusstheitssensibilisierender. amour, unser Beispiel von oben, findet man …
- mit beschreibendem Adjektiv: amour fou ›leidenschaftliche Liebe‹,
- mit klassifizierendem Adjektiv: amour maternel ›Mutterliebe‹,
- mit ergänzendem Nomen: amour du proche ›Nächstenliebe‹,
- mit ergänzendem Verb: amour à donner ›zu gebende Liebe‹,
- als Subjekt: l’amour triomphe ›die Liebe siegt‹,
- als direktes Objekt: faire l’amour ›Liebe machen‹,
- als andere Ergänzung: tomber en amour ›sich verlieben‹,
- als Ergänzung eines Nomens: histoire d’amour ›Liebesgeschichte‹,
- als Ergänzung eines Adjektivs: plein d’amour ›voller Liebe‹,
- in Apposition: relation amour-haine ›Hassliebe‹ sowie
- in sonstigen Kombinationen: l’amour et l’amitié ›Liebe und Freundschaft‹.
Dies sind nur wenige Beispiele der 784 Kookkurrenzen zu amour. Nur einen Teil dieser Ausdrücke findet man im gedruckten Wörterbuch und dann nur unter dem Stichwort amour. In Antidote ist jeder Ausdruck jedoch auch beim jeweils anderen Wort verzeichnet. Auf diese Weise erfährt man beispielsweise, welche anderen Nomen noch gebräuchlich sind mit den Adjektiven fou und maternel, mit dem ergänzenden Nomen proche, als Subjekt bzw. Objekt mit der Verben faire, tomber etc.
Bildschirmfotos von Antidote
Um einen besseren Eindruck von der Software zu bekommen, hier einige Bildschirmfotos der Software zum Eintrag amour:

der Haken
Knackpunkt für den schulischen Einsatz von Antidote ist der Preis. Entscheidet man sich für eine Sprache, kostet die Software 119 €, die zweite gibt es für 40 € mehr. Man könne Antidote auf bis zu drei Geräten installieren. Zum Vergleich: Universal-, Stil-, Synonym-, Herkunfts- und Zitatwörterbuch von Duden kosten zusammen in etwa so viel wie Antidote, dabei decken sie nur fünf der neun Wörterbüchertypen ab. Sprachkorrektur und Leitfäden sind dabei noch gar nicht eingerechnet.
Für den Schulkontext im deutschsprachigen Raum wäre natürlich auch eine Übersetzung der Kookkurrenzen ins Deutsche wünschenswert. Momentan werden im Französischmodul alle Verbindungen ins Englische übersetzt, im Englischmodul ins Französische.
Weiterführende Links
Französisch
Dienstag, 26. Juni 2018
Welche Wörter sollte man als Französischlerner*in im Niveau A1, A2, B1, B2, C1 und C2 beherrschen? Eine Antwort hierauf bietet die Reihe Vocabulaire progressif von CLE international.
Mit der Produktfamilie Progressive bietet der Französisch-als-Fremdsprache-Verlag CLE international Übungsbücher zu ganz verschiedenen Schwerpunkten:
- Civilisation (Landeskunde),
- Communication (Kommunikation),
- Conjugaison (Konjugation der Verben),
- Grammaire (Grammatik),
- Orthographe (Rechtschreibung),
- Phonétique (Aussprache) und
- Vocabulaire (Wortschatz).
Die Bücher sind nach dem Doppelseitenprinzip aufgebaut: links wird meist ein inhaltlicher Input gegeben und rechts wird geübt.
Von der Reihe Vocabulaire progressif gibt es derzeit drei Bände (A1, A2 und B1, B2 und C1.1). Sie sind bedauerlicherweise inhaltlich nicht konsequent gleich aufgebaut, sodass ein niveauübergreifender Überblick über die Wortschatzprogression nur bedingt gelingt. Abhilfe schafft jedoch folgende Übersicht: Themenüberblick „Vocabulaire progressif“ (PDF-Datei).
Weiterführende Links
Geografie
Freitag, 18. Mai 2018
Die Gleichstellung der Geschlechter ist das fünfte der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. In kaum einem anderen Land hat sich die Rolle der Frau so schnell und so stark verändert wie in Ruanda. Anlass hierfür war der Völkermord, dem bis zu eine Millionen Ruander*innen zum Opfer fielen.
Hört man den Namen des Landes, das sich in seinen vier Amtssprachen „Rwanda“ schreibt, schwingen unweigerlich Erinnerungen an den Völkermord im Jahre 1994 mit. In nur 100 Tagen starben mindestens 500 000, wahrscheinlich eher 1 000 000 Menschen, vor allem Angehörige der Tutsi-Minderheit und moderate Hutu. Diese beiden „Ethnien“ waren einst reine Berufsbeschreibungen: Tutsi waren Viehzüchter, Hutu Ackerbauern. Erst im Rahmen der Kolonialisierung wurde durch die Ausstellung von Ausweispapieren aus dem sozialen Status eine „Rasse“. Durch Privilegierung der Tutsi wurde dem tödlichen Rassismus dann der Weg geebnet.
Vor allem Frauen überlebten den Völkermord, wobei „überleben“ die Situation beschönigt. Vielfach wurden sie vergewaltigt, waren verwitwet oder die einzige Überlebene ihrer Familie. Plötzlich waren Frauen, die bisher kaum Rechte genossen, das Familienoberhaupt und mussten allein die Kinder ernähren. Im Nachhinein betrachtet stellt dies für das Land eine große Chance dar, wie Barbara Achermann in ihrem Buch „Frauenwunderland“ aufzeigt.
Dieses Buch erzählt die Erfolgsgeschichte eines afrikanischen Landes, in dem 1994 ein Bürgerkrieg zwischen Hutu und Ttsi tobte – eine Erfolgsgeschichte, die Ruandas Frauen schrieben. Es ist nicht lange her, da durften sie weder ein Bankkonto eröffnen noch in der Öffentlichkeit sprechen. Heute sitzen in Ruanda mehr Frauen im Parlament als in jedem anderen Land auf der Welt, und über die Hälfte der Unternehmen sind Frauenhand. Ohne sie wäre das rasante Wirtschaftswachstum Ruandas nicht möglich gewesen.
Die Schweizer Autorin begleitet Frauen, die hinter dieser notgedrungenen Emanzipation im Zeitraffer stehen. Dazu gehören unter anderem:
- die Unternehmerin Epiphanie Mukashyaka, die heute von 10 000 Kleinbauern Kaffee bezieht, weiterverarbeitet und verkauft,
- die „Kräuterhexe“ Zula Karuhimbi, die während des Völkermordes viele Menschen vor den Génocidaires (›Völkermördern‹) versteckte,
- die Musikerin Teta Diana, die unter anderem gemeinsam mit dem belgischen-ruandischen Musiker Stromae gearbeitet hat, der seinen Vater ebenfalls beim Völkermord verloren hat und dies in dem Lied Papaoutai verarbeitet hat,
- die Näherin Joselyne Umotoniwase, die jetzt in ihrem Atelier Kleider für die wachsende Mittelschicht produziert, und
- die Unternehmerin Clarisse Iribagiza, die dank der idealen IT-Bedingungen mit der App Safeboda eine Art Uber für Motorradtaxis geschaffen hat.
Dies sind nur fünf der beeindruckenden Ruander*innen, die Achermann zu Wort kommen lässt.
Die Autorin wirft mit ihrem Buch einen anderen Blick auf den afrikanischen Kontinent, der eine immer größere Bedeutung gewinnt und doch nur als Kontinent der Probleme wahrgenommen wird. Ruanda ist einerseits klar von den schrecklichen Ereignissen vor einem Vierteljahrhundert geprägt. Andererseits ist es ein Land mit einer beachtlichen Dynamik, in dem Plastiktüten streng verboten sind, Gleichheit von Mann und Frau fast selbstverständlich ist, die Bekämpfung der Armut entschieden vorangetrieben wird und das in Sachen Zugang zum Internet das ein odere andere Industrieland alt aussehen lässt.
Gleichzeitig zeigt Achermann aber auch den Preis auf: Seit dem Jahr 2000 herrscht Paul Kagame. Der Politiker setzt sich für Frauen ein, arbeitet viel, schlafe sehr wenig, und packt bei Umugunda, der allmonatlichen gemeinschaftlichen und gemeinnützigen Arbeit, mit an. Für die Entwicklung des Landes wird ihm viel Bewunderung entgegengebracht, Kritiker*innen und Gegenkandidat*innen leben jedoch gefährlich. Es ist nicht unüblich, dass sie oder Angehörige spurlos verschwinden oder aus fadenscheinigen Gründen inhaftiert werden.
Ein besonderes Kapitel ist das fünfte: Jane vergibt Jane. Zuerst berichtet es vom Überleben Alphonsos. „Ich denke, es ist nicht einfach für dich zu verstehen, was ich erlebt habe.“, sagt er der Autorin. Und tatsächlich bleibt man nach der Schilderung der entsetzlichen Ereignisse sprach- und fassungslos zurück. Sodann berichtet Achermann von zwei Frauen, die beide Jane heißen und als junge Mädchen unzertrennlich waren. Jedoch war eine Hutu, die andere Tutsi, der Genozid entzweite die Familie und die Freundinnen. Wie schwierig später das Vergessen und Vergeben ist, wie viel Hoffnung es jedoch für die Zukunft von einzelnen Menschen, Familien und das ganze Land insgesamt bedeutet, zeigt sich eindrucksvoll an diesen beiden Frauen.
Achermann, Barbara (2018): Frauenwunderland – die Erfolgsgeschichte von Ruanda. Reclam: Stuttgart. ISBN: 978-3-15-011128-4. Preis: 18,95 €.
Französisch
Freitag, 11. Mai 2018
Was bedeutet Glück? Dieser Frage geht die kleine Textsammlung „Cinq, six bonheurs et autres récits“ mit drei ganz unterschiedlichen authentischen fiktionalen Geschichten von Corinne Dreyfuss und Jean-Marc Mathis nach.
In Cinq, six bonheurs (Mathis) begibt sich der 10-jährige Théophile aufgrund einer Ferienhausaufgabe auf die Suche nach dem Glück und fragt seine Familie, vom kleinen Bruder bis zur Großmutter, was denn Glück sei. Jeder müsse es für sich selbst entdecken, und am Ende wird auch für ihn der abstrakte Begriff konkret.
Arthurs Patchworkfamiliengeschwister besuchen ihn, wie der Titel dieser Geschichte heißt: Un week-end sur deux (Dreyfuss). Großes Glück, wenn sie am Flughafen abgeholt werden und gemeinsam Zeit verbringen – großer Schmerz, wenn die Zeit wieder viel zu schnell vorbei ist und die Geschwister wieder ins Flugzeug steigen.
Le bébé et le hérisson (Mathis) erzählt aus der Perspektive eines Jungen, der sich gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Manon um den kleinen Bruder Léo kümmert, da ihre Eltern lieber Bier trinken und fernsehen. In dieser unbarmherzigen Welt entdeckt er eines Tages auf einem längeren Heimweg (denn seine Eltern zahlen ihm nicht den Schulbus) einen überfahrenen Igel, dem niemand erklärt hat, wie man eine Straße zu überqueren hat. Und plötzlich wird das Schicksal seines kleinen Bruders mit dem des kleinen Igels verglichen.
Die Zugänge zum Thema Glück sind in allen drei Geschichten sehr verschieden, die Antworten ebenso. Bedauerlich finde ich, dass in allen drei Handlungen ein Junge die Hauptperson ist. Dennoch: Besonders die erste Geschichte eignet sich sehr gut als Einstieg in eine Reihe zum Thema „Bonheur“. Man findet die Geschichte übrigens auch als Textdatei (Suchbegriff: Cinq, six bonheurs filetyp:doc) und kann bei Klett auf Unterrichtsideen (erarbeitet von Marion Pausch) zurückgreifen.
Französisch & Gewusst wie
Sonntag, 28. Januar 2018
Haben Sie schon mal versucht, [ləɡaʀsɔ̃] einzutippen? Mit dem richtigen Tastaturlayout geht das schnell und komfortabel.
das Problem
Die herkömmliche Eingabe von Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets ist unpraktisch und umständlich:
- Im Textverarbeitungsprogramm (z. B. LibreOffice Writer oder Microsoft Word) muss man die gewünschten Zeichen in den Sonderzeichenübersicht suchen. Im schlimmsten Fall werden dabei Schrifteinstellungen „zerschossen“ und die Formatierung des Dokumentes ist dahin.
- Bei anderen Programmen wird es kniffeliger, denn nicht jede Software, mit der man Texte schreiben kann, bietet die Möglichkeit, aus Sonderzeichen auszuwählen. In diesem Fall muss man sich behelfen, indem man die Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets aus einem Textverarbeitungsprogramm heraus kopiert.
die Lösung: Tastaturlayout „Deutsche Tastatur mit französischen IPA-Zeichen“
Eine bequeme Lösung für dieses Problem ist die Nutzung eines speziellen Tastaturlayouts (keyboard layout). Auch wenn auf unsere Computertastaturen mit Schriftzeichen bedruckt sind, ist das tatsächlich erscheinende Zeichen von dem aktivierten Tastaturlayout abhängig. Ich nutze seit geraumer Zeit die sogenannte Europatastatur, die alle für die französische Sprache relevanten Zeichen auf meiner normalen Tastatur abdeckt. Leider enthält die Europatastatur nicht die zur Notation der Aussprache notwendigen IPA-Zeichen, daher habe ich das Tastaturlayout „Deutsche Tastatur mit französischen IPA-Zeichen“ erstellt. Wie man eine solche Tastaturbelegung selbst erstellen kann, erkläre ich weiter unten.
Bevor wir loslegen, ein wichtiger Hinweis: Achtung: Die Nutzung der Tastaturbelegung erfolgt auf eigene Gefahr!
Um das Tastaturlayout „Deutsche Tastatur mit französischen IPA-Zeichen“ zu installieren, gehen Sie bitte wie folgt vor:
- Laden Sie die Installationsdatei (ZIP-Datei) herunter.
- Entpacken Sie den Ordner Installation.
- Öffnen Sie den Ordner Installation, klicken Sie doppelt auf die Datei „setup.exe“. Sollte Windows die Installation mit dem Hinweis „Der Computer wurde durch Windows geschützt“ nicht ausführen, klicken Sie bitte auf „Weitere Informationen“ und dann auf „Trotzdem ausführen“.
Nach der Installation kann zwischen dem normalen Tastaturlayout und der neuen Tastaturbelegung schnell durch Windowstaste + Leerzeichen gewechselt werden.
Die IPA-Zeichen, die den regulären lateinischen Buchstaben entsprechen, können auch durch die übliche Taste eingegeben werden (also [z] mit der z-Taste). Die darüber hinausgehenden Zeichen können wie folgt eingegeben werden:
| IPA-Zeichen | Taste auf Tastatur |
| ɑ | q |
| ɑ̃ | Shift + q Shift + a |
| ə | ß |
| ɛ | ä |
| ɛ̃ | Shift + ä |
| ɔ | +/*/~ |
| ɔ̃ | Shift + +/*/~ Shift + o |
| ø | ü |
| œ | ö |
| œ̃ | Shift + ö Shift + ü |
| ʒ | c Shift + s |
| ʃ | x Shift + z |
| ŋ | Shift + n |
| ɲ | Shift + m |
| ʀ | r |
Shift = Großschreibtaste
Um die Tastaturbelegung zu deinstallieren, gehen Sie wie folgt vor:
- Entfernen Sie in den Einstellungen > Zeit und Sprachen > Region und Sprache > Deutsch > Optionen > „Deutsche Tastatur mit französischen IPA-Zeichen“.
- Mit dem ersten Schritt wird die Tastaturbelegung nicht tatsächlich gelöscht. Daher muss die Registry (Windowstaste + R, „regedit“ eingeben) aufgerufen werden, wo unter \HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\ControlSet001\Control\Keyboard Layouts\ eines der letzten Layouts die zu löschende Tastaturbelegung ist. Dieser Eintrag muss ebenfalls gelöscht werden.
ein eigenes Tastaturlayout erstellen
Microsoft bietet zur Erstellung von Tastaturbelegungen ein kostenloses Programm namens Microsoft Keyboard Layout Creator (MSKLC) an. Bei der Installation muss man darauf achten, dass das ältere .NET 2 Framework installiert ist, ggf. muss dies erst nachinstalliert werden.
Beim Start präsentiert einem MSKLC ein völlig leeres Tastaturlayout. Man kann nun Zeichen für Zeichen belegen, jedoch hat MSKLC bei mir stets eine Fehlermeldung produziert, die ich trotz Ausprobierens verschiedener Tipps nicht beheben konnte. Daher habe ich mich entschieden, eine vorhandene Tastaturbelegung zu importieren und diese dann zu bearbeiten. Dies ging dann relativ problemlos.
Im nächsten Schritt habe ich die auf unserer Tastatur vorhandenen Buchstaben identifiziert, die ich für die IPA-Notation der französischen Sprache nicht gebrauchen kann. Das sind (sortiert nach Tastenreihe) ß, q, r, ü, g, ö, ä, x, c. Im Gegenzug müssen ɑ, ə, ɔ, ɛ, ɡ, ŋ, ɲ, ʃ, ʒ, ʀ, ø und œ sowie die Nasalvokale ɑ̃, ɛ̃, ɔ̃ und œ̃ ihren Platz finden.
Sofern es lautliche Ähnlichkeiten gibt, habe ich das entsprechende Zeichen einfach ersetzt:
| Taste auf Tastatur | IPA-Zeichen |
| g (U+0067) | ɡ (U+0260) |
| r | ʀ |
| ö | œ |
| ä | ɛ |
Bei den anderen Zeichen gibt es nur selten einen logischen Zusammenhang:
| Taste auf Tastatur | IPA-Zeichen |
| ß | ə |
| q | ɑ |
| +/*/~ | ɔ |
| Shift + n (N) | ŋ |
| Shift + m (M) | ɲ |
x Shift + z (Z) | ʃ |
c Shift + s (S) | ʒ |
| ü | ø |
Die Nasalvokale sind als Großschreibvarianten der korrespondierenden Vokale hinterlegt:
| Taste auf Tastatur | IPA-Zeichen |
| Shift + a / q | ɑ̃ |
| Shift + ä | ɛ̃ |
| Shift + o / +/*/~ | ɔ̃ |
| Shift + ü / ö | œ̃ |
Wie bereits gesagt, geht es nur im die französischen IPA-Zeichen. Bei Berücksichtigung der im Deutschen und Englischen notwendigen oder gar aller IPA-Symbole müsste die Zuordnung der Zeichen anders durchdacht werden.
Auf Grundlage der KLC-Datei kann die DLL und das Installationspaket erstellt (alles als ZIP-Datei) und installiert werden.
Wenn eine Überarbeitung notwendig ist, muss die Tastaturbelegung vollständig deinstalliert werden. Gehen Sie dabei wie oben beschrieben vor.