Monsieur Becker

Lehren

nutzlose Höraufgabe?

Samstag, 26. Mai 2012 ·

Ich habe eine kürzlich geschriebene Klassenarbeit mal in Anflügen statistisch ausgewertet, schließlich soll das Erziehungswissenschaftenmodul M2 (Diagnostik, Rückmeldung und Evaluation) nicht umsonst gewesen sein.

Heraus kam eine Überraschung: Beim Hörtext gab es sechs Punkte, durchschnittlich wurden 4,15 erreicht. Der Itemmittelwert liegt bei 0,69. Null würde bedeuten, dass niemand die Aufgabe richtig hätte, eins, dass alle SuS alles richtig haben. Das eigentlich Interessante ist jedoch die Trennschärfe bzw. die Item-Test-Korrelation. Sie liegt für die Höraufgabe bei 0,08. Ein Wert von 1 bedeutet, dass die SuS, die diese Aufgabe sehr gut bewältigt haben, eine gute Arbeit geschrieben haben und dass die SuS, die diese Aufgabe nicht konnten, auch insgesamt nicht gut abgeschnitten haben. Doch wie der Wert von 0,08 es bereits vermuten lässt: Bei der Höraufgabe gibt es so gut wie keinen Zusammenhang mit dem Gesamtergebnis.

In einem Intelligenztest müsste die Aufgabe herausgenommen werden, denn sie ist offenbar schlicht nutzlos. In einer Klassenarbeit hingegen deckt sie neben Lesen, Schreiben und Sprachmittlung einen anderen Kompetenzbereich ab, insofern ist sie durchaus berechtigt.

Panorama

Wichtigkeit von DaZ

Montag, 30. April 2012 · ,

Durch einen Google+-Beitrag von Markus Trapp bin ich auf das Data Journalism Handbook gestoßen, darin ein Beitrag, wie man Daten findet. Unter anderem: Wenn man in der Google-Suche »filetype:XLS« eingibt, beschränkt sich die Suche auf XLS-Dateien. Viele haben das sicherlich schon gewusst, ich bisher nicht.

Da probieren über studieren geht, habe ich gleich mal nach Anzahl der Schüler im Land Berlin gesucht. Google bot mir die Statistik OT_B1.1 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Daraus habe ich mir den Aspekt Schüler(innen) mit nicht-deutscher Herkunftssprache rausgepickt und als Diagramm dargestellt:

(PDF aufrufen)

Quintessenz: Während im Schuljahr 1996/1997 jeder sechste Schüler in Berlin nicht-deutscher Herkunftssprache war, war es zu Beginn dieses Schuljahren jeder Dritte. Kein Wunder, dass Deutsch als Zweitsprache, kurz DaZ, fester Bestandteil in der (Berliner) Lehrerausbildung geworden ist.

Französisch & Lehren

Buchwechsel mit Folgen

Freitag, 20. April 2012 ·

In Berlin wechseln die Schülerinnen und Schüler in der Regel erst nach der sechsten Klasse von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Eine neue Schule, das heißt fast immer neue Lehrwerke, auch in der ersten Fremdsprache.

Den Französischmarkt haben sich die beiden Platzhirsche Découvertes (Klett) und À plus ! (Cornelsen) untereinander aufgeteilt. Trotz der fünfzigprozentigen Chance, an der weiterführenden Schule mit dem gleichen Lehrwerk zu arbeiten, gibt es viele Schülerinnen und Schüler, die sich umstellen müssen. Dabei geht es um viel mehr als nur um die Lehrwerkspersonen bzw. den Handlungsort.

Wenn man die Wörterverzeichnisabschnitte A und B in beiden Werken, die in diesem Jahr neu aufgelegt wurden, vergleicht, kann man Folgendes feststellen: In Découvertes kommen 81 Einträge vor, in À plus 106. Die Schnittmenge beträgt gerade einmal 41 Einträge.

Auf das gesamte Verzeichnis hochgerechnet kommt man auf rund 580 Einträge im neuen Découvertes und auf 640 Einträge im neuen À plus. Die Schnittmenge liegt (hochgerechnet) bei rund 270 Einträgen. Das bedeutet: Wer in der Grundschule mit dem Klettbuch arbeitet, am Gymnasium jedoch mit Cornelsen, dem fehlen 370 Einträge, umgekehrt sind es »nur« 310.

Dieser Fakt stellt enorme Anforderungen an die Binnendifferenzierung in Klassenstufe 7. Oder an die Arbeit in der Grundschule. Vielleicht sollte man bereits dort darauf achten, Wortschatz aus beiden Lehrwerken, in der Summe 950 (statt 580 bzw. 640) Einträge, zu vermitteln. Trotz vier Lernjahren keine leichte Aufgabe.

Französisch

Écho

Samstag, 24. März 2012

Die bald 38 Jahre alt werdende Anggun Cipta Sasmi wurde in Jakarta (Indonesien) geboren. 1995 zog sie nach Paris, seit 2000 besitzt sie die französische Staatsbürgerschaft. In diesem Jahr vertritt sie Frankreich beim Eurovision Song Contest mit dem Lied »Écho (You and I)«.

Kein typisch französischer Chanson.

Geografie & Lehren

Rund um Diercke Geographie

Sonntag, 26. Februar 2012 ·

Westermann veröffentlicht in den kommenden Wochen sein neues Lehrbuch für den Berliner Geografieunterricht. Zeitgleich startet das begleitende Angebot »Rund um online«, das das bisherige Lehrermaterial ersetzt.

Online, von jedem Computer aus, kann man durch das Buch blättern und Zusatzmaterialien abrufen. Das Ganze kostet 9 € pro Jahr.

Der große Wurf ist es meines Erachtens nicht:

  • Einen Onlinelink (den man von Klett kennt), über den auch Schülerinnen und Schüler Zusatzmaterialien abrufen können, existiert nicht.
  • Man kann zwar selbst erstellte Inhalte hochladen, aber nicht mit Kollegen teilen.
  • Ob die eigenen Inhalte gelöscht werden, wenn man das Abo nicht verlängert, ist derzeit unklar.
  • Inhalte in Lernmanagementsysteme wie Moodle zu laden, das ist auch nicht gestattet.

In der Fortbildungsveranstaltung gab es auch einen Fragebogen zum Thema E-Books. Ich empfand ihn sehr darauf getrimmt, dass es auch im elektronischen Medium das Doppelseitenprinzip aus dem Lehrbuch geben wird.

Irgendwie erscheint mir die Westermanngruppe noch etwas konventionell und übervorsichtig, um nicht visionslos zu sagen.

Panorama

Profil(losigkeit)

Mittwoch, 22. Februar 2012

So gut wie jede Schule hat ein Profil. Altsprachlich, naturwissenschaftlich, sportlich oder künstlerisch sind vermutlich die gängigen Betonungen. Mitunter stimmen beschlossenes und reales Profil nicht ganz überein: Das Gymnasium, an dem ich mein Abitur abgelegt habe, war offiziell musikalisch-künstlerisch und naturwissenschaftlich betont, tatsächlich wurden Japanisch und Norwegisch angeboten. Seit der Zusammenlegung mit einer anderen Schule, die sich vorher den Naturwissenschaften verschrieben hatte, ist Spanisch als fünfte Fremdsprache hinzugekommen (es gab natürlich noch Englisch und Französisch).

Insofern stellt sich die Frage: Wie sinnvoll ist ein Profil? Ist man als Schule ohne einen solchen Schwerpunkt chancenlos oder ist die vermeintliche Profillosigkeit nicht gerade ein Vorteil?

Gut, potenziellen Eltern und Schülern gegenüber ist ein Profil ein Verkaufsargument. Es ist wie ein Stempel. Kein Gütesiegel, das nach Kriterien vergeben wird, denn was tatsächlich mit der Betonung verbunden ist, unterscheidet sich von Schule zu Schule. Dennoch ist es ein Merkmal, an dem sich Interessierte orientieren. In Zeiten einer zahlenmäßig kleiner werdenden Schülerschaft sollte man auf ein Verkaufsargument nicht verzichten.

Andererseits: Es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die nicht überdurchschnittlich für ein bestimmtes Fach begabt sind oder sich noch nicht festlegen möchten. Warum sollten sie sich nach der Grundschule für einen Schwerpunkt, der die restliche Schullaufbahn bestimmt, entscheiden müssen? Ist für solche Lernenden nicht ein »Profil light« besser, quasi kein Profil, ergänzt mit Wahlpflichtbereichen NaWi, Kunst, … Vielfältige Angebote für eine heterogene Schülerschaft.

Wo liegt die Zukunft? Einige Schulen mit klarem Profil und einige mit Profil light? Oder zwingt die Zusammenlegung und Schließung von Schulen zum »Entprofilieren«?

Französisch

Realitätsnähe

Freitag, 9. Dezember 2011

Aus »Schüler können auch das Lernen lernen« von Johann Aßbeck möchte ich ein <Unwahrheit> quasi an der Schule täglich zu beobachtendes Beispiel</Unwahrheit> zitieren.

Die Situation: Im Englischunterricht der Sekundarstufe II findet eine Diskussion über die Themen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsboom statt. Die Schülerin Monika S. stellt fest, dass sie zwar Schlüsselwörter beherrscht, aber nur auf gleiche Wendungen zurückgreift. Ihr Wortschatz im Bereich Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsboom ist nicht ausreichend genug, um ihre Ansichten vollständig darstellen zu können. Was also machen?

Mona S. setzt sich für ihre »Textverwertung« daher folgende Schwerpunkte:
(a) Sie will Kollokationsfelder zu den Begriffen inequality und gap erstellen.
(b) Sie will »Einleitungsformen« für ihre Argumente sammeln.
(c) Sie will ein Sachfeld zu “causes of poverty and unemployment” erarbeiten.

Sie arbeitet den Text mit verschiedenfarbigen Textmarkern durch, konsultiert ihr Lexikon, spricht gelegentlich mit dem Lehrer über sprachliche Alternativen, über die Organisation des Sachfeldes und über die Anwendung der Sprachelemente in einer Hausaufgabe, und hält schließlich das erarbeitete Sprachmaterial fest.

Um ihr Können zu üben, schreibt sie zuhause eine flammende Gewerkschaftsrede.

Ich frage mich, wo man eine solche Schülerin (oder natürlich einen solchen Schüler) findet.

Quelle

  • Aßbeck, Johann (1990): »Schüler können auch das Lernen lernen. Gedächtnispsychologie und Wortschatzarbeit in der Sekundarstufe II.« In: Der fremdsprachliche Unterricht 24 (102), S. 41-47.

Panorama

Zulassungen für das Amt des Studienrats

Montag, 5. Dezember 2011

Die Daten für das Referendariat in Berlin sind draußen. Bei der 1. Auswahl zum Amt des Studienrates mit Beginn zum 1. Februar 2012 sind insgesamt 205 Bewerberinnen und Bewerber zugelassen worden, 66 weniger als im Vorjahr. Pro Platz gab es im Durchschnitt über sechs Bewerber.

Gute Chancen hatten angehende Physik-, Griechisch-, Informatik- und Lateinlehrer, deutlich schwieriger war es für Bewerber mit Geschichte, Spanisch, Philosophie, Russisch.

(PDF-Datei)

Panorama

nur marginaler Schaden

Donnerstag, 24. November 2011

Liebe Schulbuchverlage,

wenn ich eine Doppelseite aus einem 252 Seiten starkem Lehrbuch für die Schüler kopiere oder im Intranet der Schule eine digitale Version davon für alle Kollegen ablege, dann verstößt das zwar gegen das Urheberrecht, aber wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg, dem die Uni Bayreuth vorsätzliche Täuschung bescheinigt hat (auch wenn er das nicht einsieht oder gar bereut), ist der wirtschaftliche Schaden nur marginal.

Bei einem 20 € teuren Lehrbuch kostet die Doppelseite 16 Cent, 28-mal kopiert macht das 4,48 €. Die Summe ist so marginal, dass man dafür bei euch so gut wie nichts kaufen kann. Und die digitale Kopie für die Kollegen: Da eh alle von euch mit dem neuen Lehrbuch überschüttet werden, kostenlos, kann man eine digitale Kopie für eben jene Kollegen wohl kaum als Schaden bezeichnen.

Naja, mit OER, das derzeit in aller Munde ist, wird sich das leidige Urheberrechtsproblem hoffentlich eh bald von selbst erledigen.

Mit freundlichen Grüßen

Panorama

Uneinheitlichkeiten in der RVK

Sonntag, 16. Oktober 2011 · ,

Die Regensburger Verbundklassifikation (RVK) ist eine insbesondere in Bayern und Ostdeutschland verbrei­tete Klassifizierung für Bibliotheksbestände. Die Signa­tur der inhaltlichen Gliederung besteht aus zwei Groß­buchstaben und drei bis fünf Ziffern.

Obwohl sie zentral an der Universitätsbibliothek Re­gensburg erarbeitet wurde und weiterentwickelt wird, ist sie in Teilen erstaunlich uneinheitlich. Dies möchte ich an einem linguistischen Teilgebiet, der Morpholo­gie, aufzeigen.

Der im Titel gewählte Begriff »Uneinheitlichkeit« im­pliziert, dass der Status quo kein wünschenswerter Zu­stand ist. In der Tat ist eine einheitliche Klassifizierung erstrebenswert. Zum einen vereinfacht sie die Erschlie­ßung, die im Idealfall zukünftig auch Artikel aus Fach­zeitschriften und Sammelbänden umfasst. Zum ande­ren kommt sie Nutzern zugute, die sich beispielsweise alle Publikationen zum Numerus von Nomen (für alle Sprachen!) anzeigen lassen wollen.

Bienvenue

Herzlich willkommen auf meinem Blog.

Hier gibt es Beiträge zu allgemeinen Schulthemen, aber auch zu meinen Unterrichtsfächern Geografie und Französisch.

Im Bereich Schülerinfo habe ich Informationen speziell für meine Schülerinnen und Schüler zusammengestellt.

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Themenbereiche: Französisch, Geografie, Lehren, Panorama

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