Freitag, 2. April 2010 – 22:55 Uhr
Gütekriterien von Lernerfolgskontrollen, Klausuren und mündlichen Prüfungen sind Objektivität, Reliabilität und Validität. Ein Test ist objektiv, wenn das Ergebnis weder vom Lehrer, dessen Verhalten beim Test oder von der Art der Auswertung beeinflusst wird. Er ist reliabel, wenn er das, was er misst, möglichst genau misst. Und er ist valide, wenn er das, was er messen soll, auch tatsächlich misst.
Auch wenn diese Anforderungen der klassischen Testtheorie nur bedingt in der Schule erfüllbar sind, sollte man sich als Lehrer dennoch bemühen, ihnen gerecht zu werden.
Entscheidend für die Validität ist bei Tests und mündlichen Prüfungen eine klare und deutliche Aufgabenstellung (vgl. Haubrich 2006: 227). W-Fragen sind hierbei ungeeignet, denn die Schüler wissen nicht eindeutig, was sie tun sollen, wie an folgendem Beispiel aufgezeigt werden soll: »Welche Auswirkung hat die Bevölkerungsentwicklung in China?« Die Schüler könnten die Auswirkungen nennen, beschreiben, charakterisieren, erklären, erläutern, skizzieren, vergleichen, beurteilen, bewerten, diskutieren, …
Die Verwendung eines Operators ist daher notwendig und gemäß der EPA Geographie Bestandteil jeder Prüfungsaufgabe (vgl. Kultusministerkonferenz 2005: 7).
Hinter dem hochtrabenden Begriff ›Operatoren‹ steckt letztlich nichts anderes als eine quasi uneingeschränkte Vielzahl an handlungsinitiierenden Verben oder – einfach ausgedrückt – Verben, die bei den SchülerInnen (sic!) relativ genau vordefinierte und eintrainierte Handlungsweisen zur Bearbeitung einer gestellten Aufgabe auslösen soll.
(Keller 2009: 29)
Die Vielfalt an Operatoren ist bedrückend. Mehrere Zusammenstellungen vergleichend lassen sich leicht rund 55 Operatoren finden. Allein für den Geografieunterricht.
Während Keller (2009: 30) vorschlägt, dass Lehrer sowie Schüler gemeinsam die Bedeutung jedes Operators aushandeln und in den entsprechenden Anforderungsbereich einordnen, bin ich der Meinung, dass die Bedeutungsauslegung nur auf der Ebene des Kollegiums sinnvoll ist, um innerhalb der Schule vergleichbare Anforderungen zu gewährleisten. In Anbetracht der Tendenz zu zentralisierten Prüfungen wäre es meines Erachtens sogar noch sinnvoller, wenn auf Landes- bzw. durch die Kultusministerkonferenz sogar auf Bundesebene Operatoren festgelegt, definiert und mit Beispielen illustriert würden.
Diesem Wunsch steht die Realität entgegen: Die Kultusministerkonferenz (2005: 6f.) verwendet in der EPA Geographie 27 Operatoren, erklärt sie aber nicht. In Schulbüchern sind unterschiedlich viele zu finden, darüber hinaus werden sie, selbst innerhalb eines Verlages, unterschiedlich definiert.
Mit einer Artikelserie »Operatoren im Erdkundeunterricht« möchte ich einen Beitrag gegen den Operatorenwirrwarr und für eine einheitlichen Verwendung von Operatoren leisten. Für jeden Anforderungsbereich werde ich verschiedene Zusammenstellungen vergleichen, einzelne Operatoren diskutieren und abschließend einen Katalog an Operatoren vorschlagen.
In besonderem Maße orientiere ich mich an den EPA Geographie sowie an den Bildungsstandards, herausgegeben von der DGfG (2008).
Mittwoch, 24. Februar 2010 – 22:36 Uhr
Die Berliner Zeitung hat vor anderthalb Wochen im Magazin einen interessanten Bericht, »Überlebensbericht« wie sie es nennen, von Tanja Leston abgedruckt: »Guck nach unten, Frau!«
Frau Leston unterrichte für sechs Monate als Aushilfe an einer Weddinger Gesamtschule. Sie gab Musik und Englisch. Ohne fachlich noch pädagogisch jemals dafür ausgebildet worden zu sein.
Es ist für mich immer wieder verblüffend und erschreckend zugleich, wie schnell irgendwer »Dahergelaufenes« einfach so zum Lehrer gemacht wird. Niemanden fiele es ein, mich ohne Ausbildung ein Auto zusammenschrauben oder kardiologische Untersuchungen durchführen zu lassen. Doch 30 Schülerinnen und Schüler, die kann ja jeder unterrichten. Jedem Lehrer und jeder Lehrerin signalisiert man dadurch: Deine fünf Jahre Studium sind nichts wert. Es ist geradezu bitter. Auch wie man mit dem wertvollsten Rohstoff, den unser Land hat, den Kindern, umgeht.
Ich finde es vor allem deshalb bitter, weil spätestens seit 1872 sonnenklar ist, dass sich Investitionen in Bildung auszahlen. Auf die Anfrage des ersten japanischen Gesandte in den USA, Mori Arinori, wie sich Bildung auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft auswirke, antwortete damals David Murray (Universität in New Brunswick) unter anderem: “What is spent on education will be saved a hundredfold in armies, and police, and courts of justice.”
Nun dann. Sparen wir jetzt ein wenig. Es wird uns teuer zu stehen kommen.
Dienstag, 23. Februar 2010 – 10:04 Uhr
Gestern besuchte ich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein Kolloquium des Zentrums Sprache. Thema: »Der ›Grimm der Zukunft‹ – Perspektiven der Lexikographie im 21. Jahrhundert«.
»Der Grimm«, damit ist das von den Brüdern Grimm 1838 begonnene Deutsche Wörterbuch gemeint. Nach »nur« 123 Jahren, also im Jahre 1961, war man fertig. Da die Buchstabenstrecken, mit denen man begonnen hatte, beim Abschluss des Wörterbuchs deutlich veraltet waren, beschloss man 1957 eine Neubearbeitung der Buchstabenstrecke A – F. 2012 wird man voraussichtlich damit fertig sein.
Eine ähnliche Neubearbeitung der anderen Buchstaben mache keinen Sinn, so Wolfgang Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, nebenbei erwähnt ein sehr begabter Rhetoriker. Zum einen dauere die Neuauflage Jahrhunderte (wodurch die Buchstabenstrecken noch viel veralteter wären, als sie es jetzt schon sind). Die Finanzierung eines solchen Mammutprojektes sei ebenfalls nicht realisierbar.
Aus diesem Grund entschloss man sich an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, zukünftig ein »Digitales Lexikalisches System« zu entwickeln. Es ist kein Wörterbuch, aber aus den Daten können Wörterbücher abgeleitet werden. Dies möchte ich kurz an einem Beispiel illustrieren: Aus einem Datensatz, der zu jedem Wort die Schreibung und die Aussprache verzeichnet, kann man verschiedene Wörterbücher schaffen: (1) ein Rechtschreibwörterbuch wie den Duden (wie schreibt man ein Wort richtig?), (2) ein Aussprachewörterbuch (wie wird ein Wort ausgesprochen?), (3) ein rückläufiges Wörterbuch (welche Wörter enden auf -nf?), (4) ein phonologisches Wörterbuch (welche Wörter beginnen mit [ts]? Tsatsiki oder auch Zoo) oder (5) ein Reimlexikon (was reimt sich auf Zoo? Floh, froh, …).
Mit dem Digitalen Lexikalischen System löst man viele Probleme von Papierwörterbüchern. Etwa den Umfang. Schätzungen zufolge gibt es 4,5 Millionen Wörter in der deutschen Sprache (dabei zählen Haus, Hauses, Häuser, Häusern als ein gemeinsames Wort), weit über 400 Buchbände wären dafür notwendig. Darüber hinaus ist ein digitales Wörterbuch ergänz- und korrigierbar. Es muss auch nicht nur auf Schrift zurückgreifen. Das Duden-Universalwörterbuch definiert lachen wie folgt: »durch eine Mimik, bei der der Mund in die Breite gezogen wird, die Zähne sichtbar werden u. um die Augen Fältchen entstehen, [zugleich durch eine Abfolge stoßweise hervorgebrachter, unartikulierter Laute] Freude, Erheiterung, Belustigung o.Ä.«. Ein Video, in dem jemand lacht, wäre sicherlich leichter verständlich als diese Umschreibung. Ein weiterer Vorteil: Das Digitale Lexikalische System bietet eine »inkrementelle Funktionalität«, das heißt, dass nicht für jedes Wort die gleiche Informationstiefe vorhanden sein muss. Man kann das Wörterbuch schrittweise ausbauen.
Da 4,5 Millionen Einträge nur von Heerscharen an Lexikografen aktuell gehalten werden könnten, wird man sich zukünftig auf »wichtige«, relativ häufig verwendete Wörter konzentrieren, die regelmäßig überarbeitet werden. Zu den anderen Wörtern gibt es jedoch Belege aus Literatur und Presse, sodass die Bedeutung erschlossen werden kann.
Eine überarbeitete Oberfläche des Digitalen Wörterbuchs findet man unter beta.dwds.de. Dort kann man auch ein White Paper herunterladen, in dem zentrale Aspekte des Projektes erklärt werden.
Freitag, 12. Februar 2010 – 23:13 Uhr
Eines der »Probleme« der französischen Konjugation (bzw. der französischen Sprache allgemein) ist der Unterschied zwischen Schreibung und Aussprache. Man schreibt in der Regel viel mehr, als man spricht. Doch es gibt auch Ausnahmen: Veränderungen auf lautlicher Ebene, die nicht geschrieben werden (j’aime [ʒɛm], aber vous aimez [vuzeme].
Hier wäre es hilfreich, wenn man als Lernerin bzw. Lerner die korrekte Aussprache einfach nachschlagen könnte. Und genau das wird man bald können. Ich bereite derzeit meine Masterarbeit vor und werde darin die französischen Verben klassifizieren. Zwar gibt es bereits diverse Konjugationstabellen, doch diese berücksichtigen nie die Aussprache; ihnen geht es ausschließlich um die Besonderheiten im Schriftbild.
Über 2100 Verben werde ich klassifizieren. Die Daten sollen dabei so aufbereitet sein, dass man sich die Verben später in einer Website auf Knopfdruck konjugieren lassen kann. Eine mögliche Darstellungsform habe ich am Beispiel von chanter (PDF-Datei) erarbeitet. Viele andere Darstellungen sind denkbar, angefangen bei der normalen Ausgabe am Bildschirm über die PDF-Ausgabe bis zur Suche auf Basis der Aussprache.
In einer gedruckten Konjugationstabelle hat man keinen Platz für Aussprache oder für unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten. Doch das ist das enorme Vorteil an einer elektronischen Konjugationstabelle – schier unendliche Möglichkeiten.
Samstag, 23. Januar 2010 – 10:09 Uhr
Ich möchte euch das kleine Büchlein Geschichte der Globalisierung – Dimensionen, Prozesse, Epochen ans Herz legen, das bei amazon.de völlig ungerechtfertig nur drei Sterne hat.
Wie der Titel schon sagt, erzählen die Historiker Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson die Geschichte der Globalisierung.
»Globalisierung.« Ich assozierte damit eher G8-Gipfel und Proteste, Outsorcing nach Fernost sowie amerikanische Kultureinflüsse. Doch was ist »Globalisierung« eigentlich? Oder besser: Was versteht man unter »Globalisierung«? Nun, die Autoren verstehen darunter den Aufbau, die Verdichtung und die zunehmende Bedeutung weltweiter Vernetzung (S. 24).
Und das ist alles andere als ein neues Phänomen. In der älteren Geschichte gab es immer wieder Globalisierungsanläufe. Die Globalisierung, in der wir uns befinden, begann mit dem Aufbau der Kolonialreiche Anfang des 16. Jahrhunderts, vor über 500 Jahren. Seitdem begann die im Prinzip irreversible weltweite Vernetzung, auch wenn es Zeiträume mit Entflechtungen (Nationenbildung, Weltkriege oder Weltkrisen) gab.
Ein aus meiner Sicht besonders interessanter Globalisierungsanlauf begann mit der nomadischen Reitermacht der Mongolen im 13. Jahrhundert. Der imperiale Verbund reichte von Korea bis vor Wien und Damaskus. Es habe eine außerordentliche Reise- und Handelsfreiheit geherrscht, durch die bisher in ihrem Ausmaß nie dagewesene Migrations- und Zirkulationsräume entstanden. Doch nicht nur für den Handel war die Intensivierung der Vernetzungen nützlich, auch die Beulenpest profitierte.
Auf 128 Seiten zeigen Osterhammel/Petersson also auf, wie sich Interaktionsnetze gebildet haben und warum es wann (De)Globalisierungsschübe gab. Selbstverständlich erlaubt der Rahmen nur eine überblicksartige Darstellung, doch Quellenverzeichnis und Literaturempfehlungen erlauben eine vertiefende Auseinandersetzung.
Aber auch ohne vertieftes Studium sorgt das Büchlein für mehr Vernetzung. Zwischen den Neuronen.
Samstag, 23. Januar 2010 – 9:11 Uhr
»MiniMax für Lehrer« von Manfred Prior und Heike Winkler, das sind »16 Kommunikationsstrategien mit maximaler Wirkung«.
Auf dieses Buch bin ich vor Kurzem bei Jochen English gestoßen, fand es ganz interessant und habe einfach mal zugeschlagen. Es kann ja nie schaden, in einem kommunikativen Beruf sein Kommunikationsverhalten zu überprüfen und zu verbessern. Zumal bei dieser Devise: MiniMax bedeutet minimalen Aufwand bei maximalen Erfolg.
Im Grunde sind die geschilderten Strategien geeignet, jede zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern, denn hauptsächlich geht es darum, sich und seinen Gegenüber von negativen Phrasen zu befreien. Das bedeutet beispielsweise, dass man ob-Fragen in W-Fragen umformuliert und deutlich macht, dass »Fehlverhalten« in der Vergangenheit nicht automatisch in die Zukunft reicht:
Ein zweiter Teil an Strategien dient vornehmlich der Verschleierung von Vorschlägen. Dazu gehören folgende Wendungen: »Angenommen, du würdest…«, »Tu mal so, als ob…« und »Du denkst, du kannst das nicht…«. Oder der Nicht-Vorschlag à la »Du musst ja gar nicht denken, dass täglich 10 Minuten Vokabellernen etwas bringt. Trotzdem würde sich dadurch deine Noten im nächsten Vokabeltest verbessern.«
Schlüssig nachvollziehbar sind die nichtschulischen Beispiele, die Prior/Winkler aufführen, die schulischen sind überwiegend gut gelungen. Leider regelrecht schlecht und peinlich ist der »begleitende ›Praxistest‹ in Bildern und Worten von Dieter Tangen«. Er verfährt nach dem Prinzip »Reime dich oder ich fresse dich!«, ist als Situation realitätsfremd und biedert sich dabei der Jugendsprache an. Es ist ein Naturgesetz, dass ein solches Vorgehen nur schiefgehen kann.
Aber abgesehen von dem gezeichneten Beispiel ist das Buch gut. Einfach mal eine Strategie lesen und ausprobieren. Es ändert sich schon etwas im eigenen Kopf. Und im eigenen Verhalten. Bei amazon und auf der Website des Verlages kann man übrigens ins Buch hineinschauen und das erste Kapitel lesen.
Samstag, 12. Dezember 2009 – 19:00 Uhr
Diese Woche hörte ich einen interessanten Vortrag im Rahmen der Reihe »Fremdsprachendidaktische Vorlesungen an der Humboldt-Universität zu Berlin«. Der Referent, Jochen Plikat, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der romanistischen Fachdidaktik und promoviert über Blogs im Fremdsprachenunterricht. Und genau das war das Thema: »Pranger 2.0 oder 5. Gewalt? Zur Arbeit mit Weblogs im Fremdsprachenunterricht«.
Zu Beginn sprach Plikat über die allgemeinen Auswirkungen technischer Innovationen. Die etwas ernüchternde Erkenntnis: Auswirkungen von Innovationen könne man nicht vorhersagen. Auch wenn spätere Generationen das Gefühl hätten, dass das, was ist, so kommen musste. Dass es auch immer ganz anders gehen kann, wurde eindrucksvoll am Beispiel der Maya illustriert: Diese mehrere Jahrtausende existierende Hochkultur kannte das Rad, aber nur zu kultischen Zwecken oder als Spielzeug, nicht zur Erleichterung des Transports. Ein anderes Beispiel: Johannes Gutenberg werde sich bei der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern nicht ansatzweise ausgemalt haben, dass wir Bücher heute so verwenden, wie wir es tun.
Den zweiten Schwerpunkt des Referats war der Annäherung an das Phänomen »Blog« gewidmet. Es sei offensichtlich, dass diese neue Technik tiefgreifende Änderungen zur Folge habe, doch ob Blogs »Pranger 2.0« oder eher »5. Gewalt« werden, das werde sich erst noch zeigen. Blogs hätten prototypische Eigenschaften, zu denen unter anderem die chronologisch absteigende Abfolge der Beiträge, die Blogroll, die Abomöglichkeit via RSS-Feeds sowie die Kommentar-, Archiv- und Suchfunktion gehören. Inhaltlich sei alles möglich, auch auf eine Textsorte ließen Blogs sich nicht festlegen. Vom klassischen Tagebuch über Reportagen, Essays, Fortsetzungsromane, Fotos, Podcasts, Lyrik, Tratsch und Klatsch sowie noch viel mehr sei alles möglich.
Hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeit im Fremdsprachenunterricht seien Blogs vielfältig. Abgesehen von dem Aspekt der schriftlichen Produktion ist für Plikat insbesondere die Rezeption interessant: In interkultureller Hinsicht ermöglichten Blogs Einblicke in das Leben des Ziellandes. Ein Beispiel hierfür sei das spanischsprachige Blog Generación Y (deutsche Version), das aus dem relativ abgeschotteten Kuba berichtet. Die Schülerinnen und Schüler hätten hier die Möglichkeit, sich einerseits mit den Lebensverhältnissen aus der Sicht einer Kubanerin auseinanderzusetzen, andererseits ermöglichten Blogs die Kommunikation mit dem Autor, auch wenn sich diese bei Generación Y mit nicht selten über 2000 Kommentaren etwas schwierig gestalte.
Der Vortrag hat auf jeden Fall Lust gemacht, die französische Blogsphäre zu erkunden, die bekanntlich zu den aktivsten Europas zählt. Doch gerade die Aktivität ist aus meiner Sicht ein großes Problem: In all dem Rauschen ist es nicht einfach, die interessanten Beiträge zu finden, die sich auch für die Schulthemen eignen. Dazu noch auf einem angemessenen Sprachniveau.
Freitag, 27. November 2009 – 21:56 Uhr
Gabriele Kreter hat mit Jetzt reicht’s: Schüler brauchen Erziehung! ein kleines Büchlein vorgelegt, in dem sie zeigen möchte, was Lehrerinnen und Lehrer in der Schule tun können, um ichbezogene, affektgesteuerte, leicht ablenkbare und illusionslose Schülerinnen und Schüler, die kein Benehmen mehr haben, auf den rechten Weg zu bringen.
Im 1. Teil ihres Buches schildert sie die veränderten Bedingungen von Kindsein in den vergangenen 60 Jahren. Ihr gelingt es dabei, deutlich zu zeigen, dass die Kindheit der heutigen Schülerinnen und Schüler eine ganz andere ist, als die der heutigen Lehrerinnen und Lehrer, nicht zuletzt wegen der 68er-Bewegung. Auch das Elternsein hat sich sehr stark verändert und führt zu Unsicherheiten in der Erziehung. Als Lehrerin oder Lehrer nützt es nichts, den »besseren« Zeiten nachzutrauern, sondern man muss mit diesen neuen Bedingungen umgehen.
Freitag, 6. November 2009 – 8:00 Uhr
Wasser kommt auf der Erde in allen Aggregatzuständen vor: fest, flüssig und gasförmig. In einer Art Kreislauf druchdringt es alle Geosphären. Dieser Infoartikel skizziert diesen Kreislauf und seine Charakteristika. Er zeichnet zudem ein Bild davon, wie sich der Wasserkreislauf verändern wird und welche Folgen sich daraus ergeben.
Donnerstag, 5. November 2009 – 9:10 Uhr
Die aktuelle Ausgabe von »Aus Politik und Zeitgeschehen« widmet sich der Bildungspolitik.
Jutta Allmendinger, Päsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, beschäftigt sich in ihrem Essay Der Sozialstaat des 21. Jahrhunderts braucht zwei Beine mit der Rolle von Bildung im modernen Sozialstaat.
Zuerst skizziert sie drei verschiedene Typen von Sozialstaaten: Der erste sei der »sorgende« Sozialstaat sozialdemokratischer Prägung. Mit dem Abschwung der Wirtschaftsentwicklung in den 1970er Jahren und den daraus entstehenden Problemen sei ein neoliberal geprägter Minimialstaat entstanden, der zweite Typ, der vor allem in angelsächsischen Ländern verbreitet sei. Der dritte Typ sei der Sozialinvestitionsstaat: Er aktiviere seine Bürger, damit sie am Marktgeschehen teilhaben können.
Bildung habe im sozialen Investitionsstaat einen herausragenden Stellenwert, denn nur Bildung ermögliche eine wissensbasierte Wirtschaftsgesellschaft. Ziel sei eine hohe Bildung für möglichst viele, da Aktivierungsprogramme, das Prinzip des Förderns und Forderns sowie die Stärkung der Eigenverantwortung bei niedrig Gebildeten keine Wirkung entfalten könne und entfalte. Diese Menschen könnten daher auch nicht an der Wissenwirtschaft partizipieren.
Allgemein habe der Bildungsgrad zugenommen, so Allmendinger, doch rund jede(r) fünfte Jugendliche weise nur sehr niedrige Kompetenzen auf. In Italien und in den USA verfüge sogar ein Viertel eines Jahrgangs über zu niedrige Kompetenzen.
Entsprechend der Rolle, die soziale Absicherung und Bildung in einem Staat spielen, ließen sich vier Gruppen unterscheiden:
| Gruppe | Charakteristika | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Sozialer Investitionsstaat und starker Sozialstaat in einem, mit Investitionen sowohl in soziale Sicherung als auch in Bildung und Wissenschaft. | skandinavische Staaten |
| 2 | Stärkere Bildungsinvestitionen, aber nur beschränkte soziale Absicherung. Die Bildungspolitik ersetze den Schutz des Sozialstaates, was nur jenen nütze, die in den Genuss von Bildung kommen. | Island, die Schweiz, Neuseeland, Kanada, die USA |
| 3 | Hohe Sozialstaatsausgaben und Vernachlässigung der Bildung und Forschung. Ein Teil dieser Staaten verfüge über eine aktivierende Arbeitsmarktpolitk (Agenda 2010), ohne die Bildungsvoraussetzungen zu schaffen. | Deutschland, Italien, Ungarn, Spanien |
| 4 | Weder soziale Sicherung noch Investitionen in die Bildung. | Türkei, Irland, Mexiko |
Die Berücksichtigung von Bildung und sozialer Absicherung in der zukünftigen Entwicklung des Sozialstaates sei notwendig, da reine Sozialstaaten (Gruppe 3) bzw. reine Bildungsstaaten (Gruppe 2) den klassischen Sozialstaat nicht ablösen könnten. Zum einen würden auch Gebildete krank, arbeitslos und alt, zum anderen lasse sich ein gewisser Anteil trotz aller Bemühungen nicht bilden und aktivieren.
Allmendinger führt weiter aus:
Moderne und erfolgreiche Wohlfahrtsstaaten lösen den Sozialstaat klassischer Prägung nicht ab, sie folgen nicht dem neoliberalen Ruf, staatliche Leistungen abzubauen, und sie beugen sich nicht einem dritten Weg, der nur auf soziale Investitionen in das Humankapital der Bevölkerung zielt. Die leistungsfähigsten Länder setzen gleichermaßen auf den Bildungs- und den Sozialstaat, betonen die zukunftsorientierte Bildungs- und Wissenschaftsinvestition, setzen auf hohe Effektivität und Ergebnisgleichheit ihrer Bildungspolitik und betreiben eine engagierte Sozialpolitik. Sie stehen also mit beiden Beinen auf der Erde.
Nur so lasse sich ein hohes Bildungsniveau einerseits und eine hohe Absicherung von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter andererseits verbinden. Maßnahmen zur Aktivierung auf dem Arbeitsmarkt funktionierten, wenn das Niveau von Bildung und Weiterbildung angemessen hoch sei. In den skandinavischen Ländern werde »breit gefördert und gesichert — entsprechend kann dann auch gefordert werden.«
Herzlich willkommen in meinem Blog.
Neben Beiträgen zu Bildungsthemen gibt es hier Organisatorisches zu meinen Unterrichtsfächern Geografie und Französisch.
Mehr zu den Inhalten des Französischunterrichts findest du bei gidoo français.
Damit Sie keinen Blogbeitrag verpassen, können Sie »Monsieur Becker« abonnieren: