Monsieur Becker

Panorama

Transnationale Bildungsprogrammatik (Teil II)

Montag, 10. Januar 2011 ·

Dies ist ein Beitrag des Blogthemas »Bildungsdynamik der modernen Welt«.

Im letzten Beitrag wurde der im Memorandum von David Murray formulierte Stellenwert von Bildung für die gesellschaftliche Entwicklung und den Fortschritt aufgezeigt. In diesem Beitrag folgen zwei weitere Dimensionen: die Grundsätze einer modernen Bildungsorganisation und die Makroorganisation eines neu aufzubauenden Bildungssystems. Murray stellt sechs Grund­sätze auf, der letzte beschreibt die Makroorganisation.

Grundsätze der modernen Bildungsorganisation

Der erste Grundsatz Murrays ist, dass jede Nation ein zu ihren Wünschen passendes Bildungs­system schaffen solle. Der Sinn dieser Forderung ist im Rahmen einer transnationalen Bildungs­programmatik fraglich. Wie bereits bei Japans Öffnung aufgezeigt wurde, ahmen die Staaten dieser Welt sich gegenseitig nach, auch hinsichtlich ihres Bildungssystems. Durch den ebenfalls dort aufgezeigten äußeren Zwang relativieren sich die eigenen Wünsche.

Dem zweiten Grundsatz zufolge solle das nationale Bildungssystem von nationalem Geist erfüllt sein. Es sei unklug, die traditionellen Gebräuche zu ignorieren. Bereits existierende Institutionen, die hohes Ansehen genössen, könnten die besten Elemente für ein neues Bildungssystem sein. Dies sei nicht nur ein Ausdruck von nationaler Selbstachtung, sondern erhöhe auch die Akzeptanz für Veränderungen.

Der dritte Grundsatz verfolgt das Prinzip der Inklusion. Erziehung und Bildung in einem nationalen Bildungssystem sollten universell, das heißt, für alle sein. Hier verweist Murray auf den Nutzen von Bildung für Gesetzgebung und Regierung: „It is cheaper to educate the people than to govern them uneducated.“

Im vierten Grundsatz betont Murray die Bedeutsamkeit der weiblichen Bildung, die gleich wichtig wie die männliche Bildung ist. Diese Gleichwertigkeit bedeute jedoch nicht eine Gleichinhaltlichkeit von Bildung für Mädchen und Jungen.

In Grundsatz Nummer fünf geht Murray auf die Zweigleisigkeit von Bildung ein. Das erste Ziel von Bildung ist die Stärkung der intellektuellen Fähigkeiten, das zweite die Ermöglichung von beruf­licher Qualifikation. Auch hier gilt wieder, dass beide Ziele – allgemeine und berufspraktische Bildung – gleichwertig, aber nicht gleichinhaltlich sind.

Der sechste Grundsatz widmet sich der Makroorganisation eines Bildungssystems. Diese entspricht in groben Zügen unserem heutigen System: Primarbereich (bis zum 14./15. Lebensjahr; Vermitt­lung basaler Kenntnisse), Sekundarbereich (Vermittlung viertiefter Kenntnisse), Tertiärbereich (Universitäten, technische Schulen und Ausbildungsstätten für Lehrer).

Makroorganisation des zu errichtenden Bildungssystems

Neben den Grundzügen formuliert Murray Prinzipien für die Struktur der Makroorganisation, sodass dieser Bereich als eigenständige Dimension im Memorandum betrachtet werden kann.

Die Prinzipien für die Struktur derer Makroorgansation sind folgende:

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Murray in seinem Memorandum die gesellschaft­lichen Fern- und Folgewirkungen von Bildung für den ökonomischen, materiellen, wissen­schaft­lichen, politischen (inklusive Gesetzgebung/Regierung) und moralischen Fortschritt ausführt.

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