Monsieur Becker

Geografie

Klima im Wandel: Wasserkreislauf

Freitag, 6. November 2009 · ,

Wasser kommt auf der Erde in allen Aggregatzuständen vor: fest, flüssig und gasförmig. In einer Art Kreislauf druchdringt es alle Geosphären. Dieser Infoartikel skizziert diesen Kreislauf und seine Charakteristika. Er zeichnet zudem ein Bild davon, wie sich der Wasserkreislauf verändern wird und welche Folgen sich daraus ergeben.

Wasser

Wasser, chemisch als Wasserstoffoxid (H2O) bezeichnet, ist eine der wichtigsten chemischen Verbindungen.

Es habe verschiedene Natur- und Kulturfunktionen (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 48). Im Wasserkreislauf übernehme es wie im Energie- und Stoffkreislauf eine Regelungsfunktion (ebd.). Änderungen im sich wandelnden Klima und Eingriffe des Menschen wirken auf die verschiedenen Funktionen von Wasser unmittelbar ein.

Wasservorkommen

Das Gesamtaufkommen an Wasser in der Welt werde auf 1,4 Milliarden Kubikkilometer geschätzt (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 47), dies entspricht 1,4 Trilliarden (1021) Liter Wasser.

Diese Menge ist unvorstellbar groß. Sie wird etwas fassbarer, wenn man sich eine kugelrunde Erde vorstellt, auf deren Oberfläche das gesamte Wasser verteilt wird. Die Wasserschicht wäre etwa 2,7 km dick.

96,5 % des globalen Wasservolumens seien in den Weltmeeren gespeichert, 1,74 % im Inlandeis und in Gletschern sowie 1,7 % im Grundwasser (vgl. Schönwiese 2008: 153). 0,013 % des Wasser­volumens kämen als Oberflächenwasser (Summe aus 0,006 % Süßwasserseen, 0,0068 % Salzseen und Binnengewässern, 0,0002 % Fließgewässern) vor und jeweils 0,001 % im Boden­wasser und in der Atmosphäre (ebd.).

Verteilte man das gesamte atmosphäre Wasser gleichmäßig auf die Erdoberfläche, so wäre diese Schicht nur 2,7 cm dick.

Der Süßwasseranteil am gesamten Vorkommen betrage 3,5 % (vgl. Schönwiese 2008: 152).

In anderen Literaturquellen finden sich abweichende Zahlen (vgl. beispielsweise Strahler/Strahler 2002: 202), auch hinsichtlich der nachfolgenden Themen. Die hier genannten Zahlen sollen daher nur beispielhaft die grundlegenden Verhältnisse illustrieren.

Eigenschaften

Wasser kommt auf der Erde in allen drei Aggregatzuständen (fest, flüssig, gasförmig) vor.

Flüssiges Wasser zeichnet sich durch eine hohe spezifische Wärmekapazität aus: Um 1 kg Wasser um 1 K (bzw. 1 °C) zu erhitzen, benötigt man 4,2 kJ thermische Energie. Wasser kann daher viel Energie aufnehmen, ohne seine Temperatur deutlich zu erhöhen.

Beim Schmelzen (fest zu flüssig), Sublimieren (fest zu gasförmig) und Verdampfen (flüssig zu gas­förmig) wird vom Wasser Energie aufgenommen, beim Gefrieren, Resublimieren und Kondensieren wird die gleiche Energie wieder abgegeben. Beim Übergang des Aggregatzustandes selbst wird besonders viel Energie aufgenommen bzw. abgegeben.

Aus diesem Grund ergibt sich bei adiabatischen Prozessen ein eklatanter Unterschied zwischen trocken- und feuchtadiabatischer Hebung. Der trockenadiabatische vertikale Temperaturgradient beträgt rund 1 K pro 100 m Höhendifferenz. Wird die Wasserdampfsättigung erreicht, kondensiert der Wasserdampf: Es bilden sich Tröpfchen und infolgedessen Wolken. Hierbei wird Konden­sa­tionswärme freigesetzt. Bei noch weiterer Hebung verändert sich die Temperatur des aufsteigen­den Luftpaketes entsprechend dem feuchtadiabatischen vertikalen Temperaturgradienten um rund 0,5 K je 100 m. Dies gilt für das Gefrieren von Wassertröpfchen ähnlich.

Atmosphärische Hebungsprozesse sind daher immer sowohl ein Massen- wie ein Energietransport.

Der mit Verdunsten und Schmelzen (an der Erdoberfläche) bzw. Kondensieren und Gefrieren (in der Atmosphäre) verbundene latente Wärmestrom sei für den Ausgleich der Energiebilanz zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre mit einem Anteil von 23 % am Energiefluss mit Abstand der größte Wärmefluss (vgl. Schönwiese 2008: 118f.). Die Wärmeleitung, der so genannte sensible Wärmefluss, trage nur 4 % zum Energiefluss bei (ebd.).

Der Transport von Energie ist, dies sei nochmals betont, ein zentraler Aspekt beim Wasser­kreis­lauf.

Wasserkreislauf

Für den Fachbegriff »Wasserkreislauf« existiert eine Vielzahl an Definitionen.

Die DIN 4049 (vgl. Adam/Gläßer/Hölting 2000: 276) definiere Wasserkreislauf als »ständige Folge der Zustands- und Ortsveränderung des Wassers mit den Hauptkomponenten Niederschlag, Abfluss, Verdunstung und atmosphärischer Wasserdampftransport«.

Haggett (2004: 825) beschreibt ihn als »kontinuierlichen Prozess, bei dem das begrenzte Wasser­angebot durch die Meere, die Atmosphäre, den Boden und das Gestein zirkuliert.«

Strahler/Strahler (2002: 200) sehen den Wasserkreislauf als große Serie, in der sich das »Wasser der Ozeane (einschließlich ihrer Rand- und Neben­meere), der Atmosphäre und der Länder« bewegt sowie fortwährend seine geografische Lage und seinen physikalischen Zustand verändert.

Hupfer/Kuttler (2006: 251) verzichten auf eine Definition, unterscheiden aber zwischen globalem und kontinentalem Wasserkreislauf.

Aus diesen Ansätzen können folgenden Charak­teristika des Wasserkreislaufes abgeleitet werden:

Vereinfachtes Schema

Ein sehr vereinfachtes Schema des Wasserkreislaufes besteht aus vier Phasen:

  1. Das Meerwasser verdunstet und steigt auf.
  2. Das Wasser kondensiert in höheren Luftschichten zu Wolken.
  3. Das Wasser fällt über Land als Niederschlag.
  4. Das Wasser fließt in Bächen und Flüssen ins Meer zurück.

Globale Wasserbilanz/Wasserhaushaltsgleichung

Dieses Schema berücksichtigt nicht die tatsächliche globale Wasserbilanz. Denn in der Realität fällt nur ein Bruchteil des in den Ozeanen verdunsteten Wassers (419 VE; 1 VE entspricht 1000 km³ Wasser pro Jahr; Zahlen nach Strahler/Strahler 2002: 200) als Niederschlag an Land: Rund 90 % (382 VE) werden den Ozeanen durch Niederschläge wieder zurückgeführt. Der Rest (37 VE) wird atmosphärisch als Wasserdampf an Land transportiert, wo er als Niederschlag fällt.

Der gesamte Niederschlag an Land beträgt 106 VE. Rund zwei Drittel (69 VE) davon verdunsten an Land wieder, der Rest (37 VE) fließt an der Oberfläche oder unter ihr als Abfluss in das Meer zurück. Die Gesamtverdunstung an Land wird als Evapotranspiration bezeichnet: Sie unterteilt sich in Evaporation (unbelebte Natur) und Transpiration (belebte Natur).

In der globalen Wasserbilanz wird der Niederschlag (N) als Summe aus Evapotranspiration (V), Zugewinn bzw. Verlust im System (G, ist langfristig 0) und dem Abfluss (A, in Ozeanen ist der Abfluss negativ) errechnet.

  (1) N = V + G + A

Für (a) das Landgebiet und (b) Ozeane ergibt sich mit den oben genannten Daten folgende Rechnung:

  (a) 106 VE = 69 VE + 37 VE
  (b) 382 VE = 419 VE – 37 VE

Die Berücksichtigung des Abflusses (bzw. des atmosphärischen Transportes) ist notwendig, da Nie­derschlag und Evapotranspiration weder an Land noch über den Ozeanen im Gleichgewicht stehen.

Anstatt der genannten Formel (1) findet sich etwa bei Schönwiese (2008: 153) eine umgestellte Varian­te der Wasserhaushaltsgleichung, die auch global und vieljährig integriert wurde:

  (2) N + V + A = 0

Für begrenzte Teilregionen der Erde und begrenzte Zeiträume müssten zusätzliche und detailliertere Faktoren berücksichtigt werden (vgl. Schönwiese 2008: 154):

Daraus resultiert:

  (3) N + VE + VT + ΔA + ΔSB + ΔSV = 0

Zusätzlich zu diesen Faktoren könnten folgende berücksichtigt werden (ebd.):

Zusätzlich gibt es anthropogene Eingriffe in den Wasserhaushalt. Exemplarisch seien Bebauung und Versiegelung des Bodens, die zu Einschränkungen in der Evapotranspiration führen, und Wasserentnahme für Industrie Haushalt und Landwirtschaft genannt.

Für kleine Raumebenen wurden solche detaillierten Berechnungen des Wasserkreislaufes vorgenommen.

Je nach gewählter Raum- und Zeitskala variiert die Wasserbilanz, sie kann dabei sogar einen Zugewinn bzw. einen Verlust im betrachteten System verzeichnen.

Wasserdampf in der Atmosphäre

Der Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre variiert sehr stark. Der bodennahe Normmittelwert betrage 2,6 % (vgl. Schönwiese 2008: 25); er wäre damit nach Stickstoff und Sauerstoff in Boden­nähe das wichtigste Gas.

Wasserdampf kommt fast ausschließlich in der Tro­posphäre vor. Durch die Abkühlung der Atmosphäre und die damit schneller erreichte Sättigung fällt er bereits vor Erreichen der Tropopause als Wasser bzw. Eis aus.

Die mittlere Verweilzeit von Wasserdampf betrage in der Atmo­sphäre 10 Tage (vgl. Wissenschaft­licher Beirat 1997: 58). Obwohl seine Höhe nur 2,7 cm Flüssigwasser entspricht, kann seine Bedeutung auf Grund seiner schnellen Umsetzung in der Atmo­sphäre und seiner Wechselwirkung mit anderen Sphären nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Wie bereits erwähnt, spielt der latente Wärmefluss auch beim Ausgleich der Energiebilanz zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre eine wichtige Rolle. Ohne ihn kühlte sich die Atmosphäre um täglich 0,7 °C ab (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 61).

Wechselwirkungen

In der Atmosphäre wirkt der Wasserkreislauf auf die Komponenten des Klimasystems und deren Prozesse, die wiederum auf den Wasserkreislauf zurückwirken. Dabei treten positive (selbst verstärkende) und negative (selbst schwächende) Rückkopplungen auf.

Wasser beeinflusst die Strahlungsbilanz. Eis reflek­tiert die Strahlung größtenteils, flüssiges Wasser (Ozeane) absorbiert sie.

Wasserdampf absorbiert kurzwellige Sonnenstrah­lung und langwellige terrestrische Strahlung. Er sei dadurch neben Kohlendioxid das wichtigste Gas des natürlichen Treibhauseffektes (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 60). Er verursacht ihn zu 65 % (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 62). Gäbe es diesen Effekt nicht, so läge die Temperatur an der Erdoberfläche nicht bei durchschnittlich +15 °C, sondern bei -18 °C (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 60). Der Wissenschaftliche Beirat (1997: 62) stellt fest:

Eine Erwärmung der oberflächennahen Luft verstärkt die Verdunstung und erhöht so den atmosphärischen Wasserdampfgehalt. Als Treibhausgas wirkt die Zunahme der Konzen­tration verstärkend auf die Erwärmung (positive Wasserdampf-Treibhaus-Rückkopplung).

Eine Abnahme der Schwankung der Tagestemperatur sei eine beobachtbare Folge (ebd.).

Wolken hätten je nach Größe, Höhenlage, Tempe­ratur, Flüssigwassergehalt, Aggregatzustand und Größe der Tropfen und Eiskristalle, Anwesenheit anderer Stoffe in den Tropfen und Eispartikeln sowie je nach Wasserdampfgehalt über der Wolkenschicht unterschiedliche Rückkopplungseffekte (ebd.). All­gemein hätten Wolken einen kühlenden Effekt (ebd.).

Zusammen mit Ozon sei Wasserdampf die wichtigste Quelle für Hydroxylradikale, die als Wasch­mittel der Atmosphäre wirkten, da sie die Treibhausgase Ozon und Methan zerstörten (ebd.). Dadurch wird die Erwärmung abgemildert.

Ebenfalls eine negative Wasserdampf-Treibhaus-Rückkopplung habe die verstärkte anthropogene Aerosolemission (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 62f.). Wolkentropfen und Eiskristalle bildeten sich nur an Kondensations- bzw. Eiskernen, Aerosolen bestimmter Zusammensetzung und Größe (ebd.). Die dadurch entstandenen Wolken dämpften die Erwärmung (ebd.).

Ein Rückgang der Kryosphäre (Eis) und Chionosphäre (Schnee) vermindere die Reflexion kurz­welli­ger Strahlung zu Gunsten der Absorption (vgl. Wissenschaftlicher Beirat 1997: 63). Treib­haus­wirksame langwellige Strahlung könne in größerem Umfang emittiert werden (ebd.). Dadurch verstärke sich der Süßwassereintrag in die Ozeane, was Änderungen in der Zirkulation verur­sachen könne (ebd.).

Klimaschwankungen und damit Änderungen im Wasserkreislauf wirkten sich gleichfalls auf die Vegetation aus (ebd.). Änderungen der Vegetationsdecke wiederum wirkten auf den Wasser­kreis­lauf zurück (ebd.). Verdrängt beispielsweise Buschland infolge einer Dürre Baumsavanne, so werde der Wasserkreislauf geschwächt: Sowohl Bodenwasservorrat als auch Transpiration nehmen ab (ebd.). Zudem verändert sich die Oberflächenrauigkeit, was sich auf die atmo­sphärische Dynamik auswirkt (ebd.).

Klima im Wandel, Wasserkreislauf im Wandel

Der Klimawandel geht mit räumlichen und systeminternen Änderungen des Wasserkreislaufs einher.

Diese Änderungen sind räumlich und zeitlich unterschiedlich ausgeprägt. Eine allgemeine Aussage über eine mittlere globale Veränderung ließe sich nicht treffen, »nicht zuletzt wegen der noch vorhandenen Schwächen der Klimamodelle« (Lozán et al. 2004: 6). Ihre Auflösung sei, so Hoff (1998: 318), zu grob für hydrologische und wasserwirtschaftliche Zwecke.

Die Modelle ermöglichten jedoch, in einzelnen Fällen Beschleunigungen, aber auch Abschwä­chungen des Wasserkreislaufes zu erkennen; diese könnten als Zeichen des Klimawandels gewertet werden (vgl. Lozán et al. 2004: 6).

Veränderung der Evapotranspiration

Für die Temperatur werden in den Szenarios regional unterschiedliche Entwicklungen festgestellt. Eine Erhöhung der Lufttemperatur führe zum einem zu einer stärkeren Verdunstung, zum anderen auch zu einer Erhöhung der Aufnahmekapazität von Luft für Wasserdampf (vgl. Jacob 1998: 177) und damit zu einer Intensivierung des Wasserkreislaufes (vgl. Hoff 1998: 319). Bei einer Erhöhung um 2 K steige die potenzielle Verdunstung um 40 % (ebd.). In trocke­nen Gebieten verstärke sich dadurch die Trockenheit (vgl. Jacob 1998: 177).

Die Ozeane als Hauptlieferanten atmosphärischer Feuchte erwärmten sich deutlich langsamer als Land­flächen, sodass die Verdunstung an der Meeres­ober­fläche nur langsam zunehme (vgl. Hoff 1998: 319). Dort werde eine verstärkte Verdunstung bereits gemessen (vgl. Lozán et al. 2004: 6).

Eine Verstärkung der Evapotranspiration an Land sei nicht messbar (ebd.). Lozán et al. (2004: 6) nehmen an, dass möglicherweise Wolken und größere Mengen an Aerosolen das Durchdringen der Sonnen­strahlung bis zur Erdoberfläche veränderten und so eine Zunahme der Verdunstung an Land mindern. Tendenziell wird die Evaporation an Land jedoch zunehmen, wobei die tatsächliche Verdunstung hinter der potenziellen zurückbleibe (vgl. Hoff 1998: 319). Dadurch erhöhe sich das Sättigungsdefizit der Atmosphäre und dies führe wiederum zu einer steigenden Transpiration der Pflanzen und einer nachwachsenden Wassernachfrage in der Landwirtschaft.

Veränderung der Niederschläge

Die Klimamodelle zeigen übereinstimmend eine regional unterschiedliche Niederschlagsentwick­lung: In Gebieten mit hohem Niederschlag sei eine Tend­enz zu höheren Durchschnitts­nieder­schlägen feststellbar, in Gebieten mit wenig Niederschlag werde ein weiterer Rückgang ange­nommen (vgl. Jacob 1998: 177). Durch diese gegenläufigen Tendenz verstärken sich die räumlichen Disparitäten im Jahresniederschlag.

Global betrachtet nehme der Niederschlag infolge der erhöhten Verdunstung zu (vgl. Hoff 1998: 318). Insbesondere einige semiaride Regionen wiesen abnehmende Niederschläge auf, häufigere Dürren seien die Folge (vgl. Hoff 1998: 319).

Die Dynamik der Jahresniederschläge unterliegt auch einer jahreszeitlichen Veränderung der Verteilung und Intensität (ebd.). Es gibt die allgemeine Tendenz, dass die Niederschläge im Winter zu- und im Som­mer abnehmen. Beispielsweise in Ostdeutschland und in Südeuropa überwiegt die Verminderung der Sommerniederschläge. Insbesondere in Südeuropa sei die Wasserknappheit im Sommer bereits heute sehr kritisch; eine Verstärkung erhöhe das Risiko von Dürren (ebd.).

Vermehrte Niederschläge im Winter führten zu häufiger auftretenden Hochwasserereignissen (ebd.). Diese Wassermengen könnten nicht für die Wasserversorgung nutzbar gemacht werden (ebd.).

Eine ganzjährig zuverlässige Wasserversorgung wird zudem dadurch erschwert, dass durch die zunehmenden Temperaturen Niederschlag häufiger als Regen und seltener als Schnee falle (ebd.). Außer­dem schmilzt Schnee durch höhere Temperaturen schneller. Im Winter und im Frühjahr erhöhe sich daher der Abfluss (Hochwassergefahr), im Sommer verringert er sich, obwohl in diesem Zeitraum der Wasserbedarf am höchsten sei (ebd.).

Darüber hinaus nimmt die Anzahl der konvektiven Niederschläge zu, die der advektiven Nie­der­schläge ab. Daraus ergebe sich eine Steigerung der Starkniederschläge am Gesamtnieder­schlags­aufkommen (vgl. Lozán et al. 2004: 7). Die Intensität einzelner Starkniederschläge hingegen nehme kaum zu (ebd.). Fällt mehr Niederschlag innerhalb kurzer Zeit und weniger über einen längeren Zeitraum, so nimmt die Zahl der trockenen Tage zu. Starke Niederschläge einerseits und mehr trockene Tage führen ebenfalls zu extremen hydrologischen Ereignissen wie Überschwemmungen und Trockenheit.

Veränderung des Abflusses

Wie bereits erwähnt, entwickelt sich der Abfluss sehr unterschiedlich.

Höhere Temperaturen führen zu mehr flüssigem statt festen Niederschlag. Die Folge davon sind erhöhte Abflüsse im Winter und im frühen Frühjahr und verminderte Abflüsse im Sommer.

Starke Niederschläge in kurzer Zeit fließen vornehmlich an der Oberfläche und kaum unterirdisch (im Grundwasser) ab. Eine Zunahme von Starkniederschlägen fördert einerseits die fluviale Erosion, andererseits vermindert sie ein Eindringen in den Boden. Abnehmende Bodenfeuchte und absinkendes Grundwasser schaden der Vegetation.

In ariden Gebieten fielen Änderungen des Oberflächenabflusses besonders stark aus, stärker als es Niederschlagsänderungen vermuten ließen (vgl. Hoff 1998: 319). Eine Erwärmung der Luft­temperatur um 1 K bis 2 K und ein Rückgang der Niederschläge um 10 % könnten die jährlichen Abflussmengen zwi­schen 40 % und 70 % vermindern. Die Folgen sind am Tschadsee und am Aralsee sichtbar, wobei hier die Wasserentnahme durch den Menschen auch eine wichtige Rolle spielt.

Veränderungen der Wasser­entnahme durch den Menschen

Die menschlichen Aktivitäten wirken auf die Umwelt ein und verändern diese nachhaltig, davon ist auch der Wasserhaushalt betroffen. Die angenommenen Veränderungen können ggf. noch verstärkt werden.

Ein Beispiel hierfür ist die Wasserentnahme für die Landwirtschaft. In Europa seien zirka 25 % der Anbauflächen auf Bewässerung angewiesen, in semiariden Gebieten 90 % (vgl. Hoff 1998: 322). 60 % des zur Bewässerung genutzten Wassers kämen nicht bei den Pflanzen an (ebd.). Die Effizienz ist als niedrig zu bewerten.

Eine wachsende Bevölkerung erfordere immer grö­ßere Anbauflächen bzw. Ertragssteigerungen (ebd.). Eine Intensivierung der Landwirtschaft gehe mit erhöhtem Wasserbedarf einher, also zusätzlicher Bewässerung (ebd.). In semiariden Gebieten wird das Wasservorkommen hierfür nicht ausreichen. In ariden Gebieten erschöpften sich die genutzten fossilen (= sich nicht erneuernden) Grundwasservorräte über kurz oder lang.

Ebenfalls einen steigenden Wasserbedarf verzeichne die Industrie, insbesondere in den Ent­wick­lungsländern (ebd.). In Nordamerika betrage der industrielle Pro-Kopf-Verbrauch mit 500 m³ pro Jahr rund das 50-fache des industriellen Verbrauchs in den meisten afrikanischen Staaten (ebd.).

Die Wassernachfrage der Haushalte werde auch stark ansteigen (vgl. Hoff 1998: 323). Berück­sichti­gend, dass in ariden Gebieten im Vergleich zu humiden die Pro-Kopf-Nachfrage der Haushalte doppelt bis dreifach so hoch ist, wird die Nachfrage insbesondere in trockener werdenden Gebie­ten entsprechend stärker ansteigen. Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist bereits heute ein großes Problem und wird sich zukünftig verschärfen. 1997 bestätigte die UN-Generalver­sammlung zur Agenda 21 völlig unzureichende Wasserver- und -ent­sorgung: “It is a matter of urgent concern that more than one-fifth of all people still do not have access to safe drinking water and more than one-half of humanity lacks adequate sanitation.” (ebd.)

Zusammenfassung der Änderungen

Zusammenfassend lassen sich beim Wasserkreislauf infolge der globalen Temperaturerhöhung zwei gegenläufige Tendenzen beobachten: Zunahme/Intensivierung versus Abnahme/Abschwächung.

In Gebieten mit zunehmenden Niederschlag erhöhen sich Verdunstung und Oberflächenabfluss. Zunehmende Erosion und eine Häufung extremer hydrologischer Ereignisse (Überschwemmungen und Trockenheit) sind die Folge.

In Gebieten mit abnehmenden Niederschlägen wird der Wasserkreislauf geschwächt. Die erhöhte Verdunstunstung führt zu Trockenheit, die Wasserversorgung wird insbesondere in der Sommer­zeit problematischer. Konflikte um die Ressource Trinkwasser sind wahrscheinlich.

Literaturverzeichnis

Panorama

Rolle von Bildung im modernen Sozialstaat

Donnerstag, 5. November 2009 ·

Die aktuelle Ausgabe von »Aus Politik und Zeitgeschehen« widmet sich der Bildungspolitik.

Jutta Allmendinger, Päsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, beschäftigt sich in ihrem Essay Der Sozialstaat des 21. Jahrhunderts braucht zwei Beine mit der Rolle von Bildung im modernen Sozialstaat.

Sozialstaatstypen

Zuerst skizziert sie drei verschiedene Typen von Sozialstaaten: Der erste sei der »sorgende« Sozialstaat sozialdemokratischer Prägung. Mit dem Abschwung der Wirtschaftsentwicklung in den 1970er Jahren und den daraus entstehenden Problemen sei ein neoliberal geprägter Minimialstaat entstanden, der zweite Typ, der vor allem in angelsächsischen Ländern verbreitet sei. Der dritte Typ sei der Sozialinvestitionsstaat: Er aktiviere seine Bürger, damit sie am Marktgeschehen teilhaben können.

Rolle von Bildung im sozialen Investitionsstaat

Bildung habe im sozialen Investitionsstaat einen herausragenden Stellenwert, denn nur Bildung ermögliche eine wissensbasierte Wirtschaftsgesellschaft. Ziel sei eine hohe Bildung für möglichst viele, da Aktivierungsprogramme, das Prinzip des Förderns und Forderns sowie die Stärkung der Eigenverantwortung bei niedrig Gebildeten keine Wirkung entfalten könne und entfalte. Diese Menschen könnten daher auch nicht an der Wissenwirtschaft partizipieren.

Allgemein habe der Bildungsgrad zugenommen, so Allmendinger, doch rund jede(r) fünfte Jugendliche weise nur sehr niedrige Kompetenzen auf. In Italien und in den USA verfüge sogar ein Viertel eines Jahrgangs über zu niedrige Kompetenzen.

Wohlfahrtsstaatstypologie

Entsprechend der Rolle, die soziale Absicherung und Bildung in einem Staat spielen, ließen sich vier Gruppen unterscheiden:

Gruppe Charakteristika Beispiele
1 Sozialer Investitionsstaat und starker Sozialstaat in einem, mit Investitionen sowohl in soziale Sicherung als auch in Bildung und Wissenschaft. skandinavische Staaten
2 Stärkere Bildungsinvestitionen, aber nur beschränkte soziale Absicherung. Die Bildungspolitik ersetze den Schutz des Sozialstaates, was nur jenen nütze, die in den Genuss von Bildung kommen. Island, die Schweiz, Neuseeland, Kanada, die USA
3 Hohe Sozialstaatsausgaben und Vernachlässigung der Bildung und Forschung. Ein Teil dieser Staaten verfüge über eine aktivierende Arbeitsmarktpolitk (Agenda 2010), ohne die Bildungsvoraussetzungen zu schaffen. Deutschland, Italien, Ungarn, Spanien
4 Weder soziale Sicherung noch Investitionen in die Bildung. Türkei, Irland, Mexiko

der moderne Sozialstaat im 21. Jahrhundert

Die Berücksichtigung von Bildung und sozialer Absicherung in der zukünftigen Entwicklung des Sozialstaates sei notwendig, da reine Sozialstaaten (Gruppe 3) bzw. reine Bildungsstaaten (Gruppe 2) den klassischen Sozialstaat nicht ablösen könnten. Zum einen würden auch Gebildete krank, arbeitslos und alt, zum anderen lasse sich ein gewisser Anteil trotz aller Bemühungen nicht bilden und aktivieren.

Allmendinger führt weiter aus:

Moderne und erfolgreiche Wohlfahrtsstaaten lösen den Sozialstaat klassischer Prägung nicht ab, sie folgen nicht dem neoliberalen Ruf, staatliche Leistungen abzubauen, und sie beugen sich nicht einem dritten Weg, der nur auf soziale Investitionen in das Human­kapital der Bevölkerung zielt. Die leistungsfähigsten Länder setzen gleichermaßen auf den Bildungs- und den Sozialstaat, betonen die zukunftsorientierte Bildungs- und Wissenschaftsinvestition, setzen auf hohe Effektivität und Ergebnisgleichheit ihrer Bildungspolitik und betreiben eine engagierte Sozialpolitik. Sie stehen also mit beiden Beinen auf der Erde.

Nur so lasse sich ein hohes Bildungsniveau einerseits und eine hohe Absicherung von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter andererseits verbinden. Maßnahmen zur Aktivierung auf dem Arbeitsmarkt funktionierten, wenn das Niveau von Bildung und Weiterbildung angemessen hoch sei. In den skandinavischen Ländern werde »breit gefördert und gesichert — entsprechend kann dann auch gefordert werden.«

Geografie

aktuelle Satellitenbilder zum Wetter

Samstag, 31. Oktober 2009 · ,

Satellitenbilder sind aus den Wettervorhersagen im Fernsehen kaum noch wegzudenken. Auch für den Geografieunterricht können sie sinnvoll eingesetzt werden.

Die norwegische Wetterseite yr.no (entdeckt durch die Zeit) bietet sehr gute Satellitenbilder für Europa und die Welt, sogar als Animation:

Geografie

Der Klimawandel – Einblicke, Rückblicke und Ausblicke

Donnerstag, 15. Oktober 2009 · ,

Das Geographische Institut der Humboldt-Universität zu Berlin hat vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eine Broschüre mit dem Titel »Der Klimawandel – Einblicke, Rückblicke und Ausblicke« herausgegeben.

Die von Geographen und Meteorologen geschriebenen Beiträge informieren verständlich über Hintergründe, Zusammenhänge und Auswirkungen des Klimawandels.

Die Broschüre ist wegen hoher Nachfrage leider ver­grif­fen, wird jedoch vom Potsdam-Institut für Klimafolgen­forschung als PDF-Datei zum Herunterladen angeboten.

Der Dokumenten- und Publikationsserver der Humboldt-Universität zu Berlin bietet die einzelnen Beiträge als PDF-Datei sowie die darin enthaltenen Grafiken als Präsentation im PPT-Format an.

  1. Jacobeit, Jucundus: Zusammenhänge und Wechselwirkungen im Klimasystem
  2. Bubenzer, Olaf; Radtke, Ulrich: Natürliche Klimaänderungen im Laufe der Erdgeschichte
  3. Wanner, Heinz: Der Klimawandel in historischer Zeit
  4. Gerstengarbe, Friedrich-Wilhelm; Werner, Peter: Der rezente Klimawandel
  5. Paeth, Heiko: Klimamodellsimulationen
  6. Werner, Peter/Gerstengarbe, Friedrich-Wilhelm: Welche Klimaänderungen sind in Deutschland zu erwarten?
  7. Schönwiese, Christian-D.: Wird das Klima extremer? – Eine statistische Perspektive
  8. Kunstmann, Harald: Regionale Auswirkung der Klimaänderung auf die Wasserverfügbarkeit in klimasensitiven Gebieten
  9. Chmielewski, Frank-Michael: Folgen des Klimawandels für Land- und Forstwirtschaft
  10. Sterr, Horst: Folgen des Klimawandels für Ozeane und Küsten
  11. Haeberli, Wilfried/Maisch, Max: Klimawandel im Hochgebirge
  12. Jendritzky, Gerd: Folgen des Klimawandels für die Gesundheit
  13. Endlicher, Wilfried: Das Unbeherrschbare vermeiden und das Unvermeidbare beherrschen

Panorama

Reform der Lehrerbesoldung

Dienstag, 13. Oktober 2009 ·

Das arbeitgebernahe Wirtschaftsforschungsinstitut »Institut der deutschen Wirtschaft« in Köln hat ein Positionspapier zur Reform der Lehrerbeschäftigung herausgegeben.

Status quo

Die Autoren untersuchen die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften im internationalen Vergleich sowie die personalrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Sie stellen fest, dass das Tätigkeitsumfeld von Lehrern in Deutschland geprägt ist »durch einen relativ großen Handlungs­spielraum, eine geringe Kontrollintensität und so gut wie keine positiven oder negativen Anreizmechanismen, die zu effizienz- und qualitätssteigerndem Verhalten bewegen könnten.« (Klein/Stettes 2009: 35) Darüber hinaus behinderten diverse Faktoren (durchschnittlich hohe Gehälter, Beamtenstatus etc.) einen Berufswechsel ungeeigneter Lehrkräfte (ebd.).

Momentan ist es so, dass das Gehalt der Lehrer mit der Anzahl der Dienstjahre ansteigt. Dabei handelt es sich um das so genannte Senioritätsprinzip. Grundschul- und Hauptschullehrer sind in der Regel der Besoldungsgruppe A12 zugeordnet, alle anderen der Besoldungsgruppe A13.

neues Entgeltmodell

Die Autoren schlagen ein neues Besoldungssystem vor, das aus einem Grundgehalt, Zulagen und Prämien besteht.

Das Grundgehalt (entspricht dem Einstiegsgehalt: Besoldungsgruppe A12, Besoldungsstufe 3) beträgt 32 280 € jährlich (ebd: 49; Zahl weicht von Besoldungstabelle ab).

Die Zulagen werden ein- bis zweimal im Jahr gezahlt und lassen sich in drei Kategorien unterteilen (ebd.: 45ff.):

  1. eher dauerhafte Zulagen
    • für Fächer, bei denen es einen Lehrermangel gibt
    • für korrekturintensive Fächer
    • für die Übernahme von Führungsfunktionen (Jahrgangsstufenkoordinator, Fachleiter, …)
    • für die »Tätigkeit an einer Schule mit unattraktivem Standort oder mit einer für den Lernerfolg ungünstigen Zusammensetzung der Schülerschaft«
  2. jedes Schuljahr neu vergebene Zulagen
    • für das Unterrichten in der Sekundarstufe II (Oberstufe)
    • für das Unterrichten in Abschlussklassen bzw. in an Lernstandserhebungen teilnehmende Klassen
  3. von der Schulleitung festgelegte Zulagen
    • für Klassenlehrer
    • für das Unterrichten in Problemklassen
    • für Profilfächer (zur Förderung der Profilbildung)
    • für zusätzliche Aktivitäten (Arbeitsgemeinschaften, Unterricht in den Ferien, …)

Die Höhe der Zulagen der ersten beiden Kategorien sollte, so Klein/Stettes (2009: 45f.), auf Landesebene festgelegt werden, um zu vermeiden, dass Schulen einen Wettbewerbsnachteil haben. Zudem sollte die maximale Höhe der Zulagen der Differenz zwischen den Besoldungs­gruppen A13 und A12 entsprechen.

Die Autoren empfehlen des Weiteren, dass man Lehrern freistellen sollte, statt monetären Zulagen lieber Deputatsermäßigung (Verringerung der zu unterrichtenden Stunden) in Anspruch zu nehmen (ebd.: 38). Eine generelle Ersetzung der Zulagen sei allerdings nicht sinnvoll, da sonst die Unterrichtszeit besonders engagierte Lehrer automatisch verkürzt würde (ebd.).

Der letzte Gehaltsbestandteil sind die Leistungsprämien. Diese werden individuell in Kombination mit Zielvereinbarungen festgelegt und in Abhängigkeit von der Zielerreichung gezahlt (ebd.: 47f.). Die der Schule zur Verfügung stehende Summe an Leistungsprämien bemisst sich aus einer Zielvereinbarung der Schule mit dem Schulamt (ebd.). Dabei soll das Abschneiden einer Schule nicht mit anderen Schulen verglichen werden, sondern mit dem erwarteten Abschneiden der jeweiligen Schule (ebd.). Eine an die individuelle Zielerreichung gekoppelte Ausschüttung der Gruppenprämie erlaube dabei eine Binnendifferenzierung zwischen den Lehrkräften einer Schule (ebd.).

Wer soll das bezahlen?

Klein/Stettes (2009: 52) beschreiben abschließend vier Szenarien und ihre Auswirkung auf die Personalausgaben für das Jahr 2016 im Vergleich zu 2006:

  1. Alles bleibt wie bisher.
  2. Für die Berufseinsteiger wird das Senioritätsprinzip (= höheres Einkommen mit höherer Dienstzeit) abgeschafft.
  3. Für die Berufseinsteiger wird das Senioritätsprinzip abgeschafft, für alle anderen eingefroren.
  4. Das Senioritätsprinzip wird für alle abgeschafft.

Aus den Einsparungen wird errechnet, wie viel Umverteilungsspielraum das jeweilige Szenario pro Beamten/Angestellten schaffte, das heißt, wie hoch die Zulagen und Prämien durchschnittlich sein könnten (Eigene Zusammenstellung nach Klein/Stettes 2009: 55, 57ff.):

Szenario Einsparung im Jahr 2016 im Vgl. zu 2006 Umverteilungsspielraum je
Beamten Angestellten
Szenario 1 616 Mio. € 1 200 € 400 €
Szenario 2 1428 Mio. € 2 300 € 3 300 €
Szenario 3 2442 Mio. € 4 000 € 5 000 €
Szenario 4 7746 Mio. € 13 300 € 13 800 €

Quelle

Französisch

Konjugationstabellen im Vergleich

Samstag, 10. Oktober 2009 · ,

Konjugationstabellen sind nützliche Helfer, wenn man schnell die Konjugation von unregelmäßigen Verben oder seltener gebrauchten Zeiten nachschlagen möchte. Moderne Konjugationstabellen gehen über diese reine Nachschlagefunktion deutlich hinaus. Ein kleiner Überblick, mit Empfehlung.

Bescherelle: L’Art de conjuguer

Zu den Klassikern der französischen Verbtabellen gehört »der Bescherelle«, der sich in drei Rubriken gliedert.

In der ersten Rubrik werden 83 Musterverben konjugiert, zudem gibt es zwei Tabellen für die passivische und die reflexive Konjugation. Die Verben avoir und être bilden den Anfang, es folgen die Verben auf -er, auf -ir (Typ finir) und abschließend die unregelmäßigen Verben.

Die zweite Rubrik, »Zur Grammatik des Verbs«, führt in die Morphologie und Syntax ein. Besonders nützlich ist hier die Liste häufig verwendeter Verben nach der Art ihrer Infinitivergänzung. Um drei Beispiele zu nennen: Bei compter ›beabsichtigen‹ ist dies der reine Infinitiv (compter faire qc), bei hésiter ›zögern‹ erfolgt der Anschluss mit à (hésiter à faire qc) und bei parler ›sprechen‹ erfolgt der Anschluss mit de (parler de faire qc). Im Großen und Ganzen ist diese Rubrik aber für Lernerinnen und Lerner an Schulen und Volkshochschulen zu umfangreich.

Eine Besonderheit des Bescherelle ist seine dritte Rubrik: die alphabetische Verbliste. Das Besondere an dieser ist, dass darin so gut wie jedes existierende französische Verb nicht nur einem Konjugationsschema zugeordnet, sondern auch übersetzt wird.

Pons: Verbtabellen Plus Französisch

Mit einer lernerfreundlichen Kurzgrammatik beginnt Pons seine »Verbtabellen Plus Französisch«.

Sodann folgen 77 Doppelseiten mit Musterverben, zwei davon illus­trieren die passivische und die reflexive Konjugation. Jede Doppel­seite verzeichnet auf der linken Seite das Konjugations­schema. Rechts findet man Beispiele und Wendungen, eine Auswahl an Verben mit der gleichen Konjugation, Hinweise auf Besonderheiten sowie Tipps fürs Verbenlernen, teils spezifisch auf der Musterverb zugeschnitten, teils allgemein. Dieses Konzept ist sehr gut für Lernerinnen und Lerner, die auf diese Weise ihren Wortschatz erweitern können.

Es folgt eine Übersicht über unvollständige Verben, eine kurze Liste der häufigsten Verben mit ihren Präpositionen und eine schätzungsweise 3800 Verben umfassende alphabetische Liste, in der neben einer Übersetzung auch die entsprechende Konjugation angegeben wird.

Langenscheidt Verbtabellen Französisch

Langenscheidts »Verbtabellen Französisch« sind ähnlich wie Pons‘ aufgebaut, beginnen aber mit Tipps und Tricks zum Konjugations­training. Dahinter verstecken sich Hinweise, die auch zum Sprachen­lernen allgemein ganz nützlich sind.

Die Grammatik ist grundsätzlich lernerfreundlich, hätte aber an Klarheit gewinnen können, wenn man nicht jedes grammatische Kapitel einer Niveaustufe im Europäischen Referenzrahmen zugeordnet hätte, sondern eine Unterteilung in Basis- und Aufbauwissen vorgenommen hätte.

Die Konjugationstafeln, 70 an der Zahl, sind nach dem Doppel­seiten­prinzip aufgebaut. Die Verben sind jedoch nicht nach den Klassen Verben auf -er, auf -ir (Typ finir) und unregelmäßige Verben sortiert, sondern alphabetisch. Davon ausgenommen sind die ersten neun Verben. Die Sortierung der Verben wirkt recht willkürlich und erleichtert nicht das schnelle Auffinden. Sehr unglücklich bin ich darüber, dass das unregelmäßige Verb s’asseoir als Musterverb für die reflexive Konjugation dient. Die Besonderheiten der reflexiven Konjugation gehen hier angesichts der Unregelmäßigkeiten etwas unter.

Es schließt sich eine sehr kurze Liste von Verben mit ihren Präpositionen und die alphabetische Verbliste an. Die letztgenannte umfasst deutlich unter 1000 Verben (schätzungsweise 750), liegt dafür aber sowohl in der Richtung Französisch-Deutsch und Deutsch-Französisch vor.

Insgesamt möchte ich zu dem Buch bemerken, dass die konsequente Blaufärbung des französischen Textes aus meiner Sicht das Buch recht unübersichtlich macht.

Klett: Die französischen Verben

Das Nachschlagewerk »Die französischen Verben« von Klett richtet sich explizit an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II.

Es umfasst 76 Musterverben. Einige Konjugationsschemata kommen dabei mit verschiedenen Musterverben vor, um den Lernerinnen und Lernern die Anwendung zu erleichtern. In den Konjugationstabellen wird das Passé simple nur angeschnitten, der Subjonctif Imparfait hingegen bleibt völlig ausgespart. Dies geschieht bewusst, da beide Zeitformen für Schülerinnen und Schüler kaum relevant sind. Positiv ist ebenfalls, dass auf die Liaison (vous avez [vuzave]) mit einem Bogen (hier nicht darstellbar) hingewiesen wird.

Die alphabetische Verbliste umfasst die rund 2000 wichtigsten Verben. Sehr übersichtlich werden die wichtigsten Bedeutungen und präpositionalen (und präpositionslosen) Anschlüsse ebenfalls aufgeführt.

Zusammenfassung und Empfehlung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Bescherelle ganz der Tradition der Konjugations­tabel­len verpflichtet ist. Klett zum Teil ebenfalls, dort besticht man jedoch durch eine sinnvolle Schülerorientierung sowie durch Klarheit und Übersichtlichkeit in der Verbliste. Pons‘ und Langen­scheidts Verbtabellen setzen sich von dieser reinen Nachschlagefunktion ab und binden die Konjugation stärker in die Wortschatzarbeit ein.

Bis auf Langenscheidts Verbtabellen kann ich alle Verbtabellen empfehlen.

Dabei möchte ich Kletts »Die französischen Verben« vor allem Schülerinnen und Schülern ans Herz legen. Pons‘ »Verbtabellen Plus Französisch« eignen sich aus meiner Sicht für erwachsene Lernerinnen und Lerner. Und der Bescherelle ist insbesondere im Regal von Studentinnen und Studenten gut aufgehoben.

Quellenangabe:

Französisch

Rectifications orthographiques: Miniguide

Freitag, 9. Oktober 2009 ·

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die französische Sprache sehr ver­ändert; mehrfach kam es zu Rechtschreibreformen. 1740 wurde fast jedes dritte Wort in seiner Orthografie geändert. 1935 hat grand-mère die Schreibung grand’mère abgelöst.

1990 veröffentlichte der Conseil supérieur de la langue française (Paris) im Journal officiel de la République française die Rectifications orthographiques.

Das Ziel dieser Empfehlungen, die rund 2000 Wörter betreffen, ist es, die Schreibung einiger Wörter zu vereinheitlichen sowie Zusammenhangs­losigkeiten und verwirrende Schreibungen zu beseitigen, um das Ansehen der französischen Sprache in der Welt zu stärken.

Die Umsetzung der Rectifications orthographiques ist nicht verpflich­tend, wird aber empfohlen. Keine der beiden Schreibweisen – weder die alte, noch die neue – ist falsch!

Die Académie française hat die neuen Schreibungen in ihr Wörterbuch aufgenommen. Referenz­werke, wie zum Beispiel Wörterbücher, Gramma­tiken, Schulbücher und vieles mehr, wurden und werden aktualisiert, manchmal sukzessive. Die gängigsten Programme zur Rechtschreibkorrek­tur berücksichten ebenfalls die neue Orthografie.

Weitere Informationen finden Sie unter orthographe-recommandee.info. Der dort erhältliche miniguide steht hier in deutscher Übersetzung zum Herunterladen bereit.

Materialien

Französisch

IPA-Zeichen am Computer

Freitag, 9. Oktober 2009 ·

Heutzutage ist es kein Problem mehr, die Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA/API) am Computer zu benutzen.

Schriftart installieren

Zuerst benötigen Sie eine Schriftart, die die IPA-Sonderzeichen enthält. Ich verwende für meine Arbeitsblätter die kostenpflichtige Schriftart TheAntiquaB von LucasFonts oder in Onlineprojekten die kostenlose Noto Sans von Google. Es gibt viele weitere kostenlos verfügbare Schriftarten.

Noto Sans habe ich auch hier in diesem Blog eingebunden, damit Sie die IPA-Zeichen unabhängig von bei Ihnen installierten bzw. nicht installierten Schriftarten lesen können.

Nachdem Sie sich für eine IPA-Schriftart entschieden und diese heruntergeladen haben, entpacken Sie sie und installieren Sie sie durch Rechtsklick und Auswahl des Menüpunktes »Installieren«. Alternativ kopieren Sie die Schriftdateien in Ihren Fonts-Ordner (bei Windows meist C:/WINDOWS/Fonts/).

Starten Sie anschließend Ihr Textverarbeitungsprogramm neu. Bei LibreOffice.org muss auch der Schnellstarter geschlossen werden.

IPA-Zeichen finden

Die aus dem lateinischen Alphabet entstammenden IPA-Zeichen können Sie normal mit Ihrer Tastatur eingeben.

Andere Lautzeichen finden Sie bei LibreOffice.org wie folgt:

  1. Einfügen > Sonderzeichen…
  2. Schriftart (»Noto Sans«) auswählen
  3. Bereich »Lautschrift Erweiterung« wählen

Mitunter sind einige IPA-Zeichen auch bereits in den Bereichen »Latein 1« ([ð], Zeichen 00F0), »Latein Erweitert-A« ([ŋ], Zeichen 014B) oder »Basis Griechisch« ([β], Zeichen 03B2) enthalten.

Längungs- [ː] (Zeichen 02D0) und Betonungszeichen [ˈ ˌ] (Zeichen 02C8 und 02CC) befinden sich im Bereich »Phonetische Hilfzeichen«, die Tilde [] (Zeichen 0303) im Bereich »Kombinierte dia­kri­tische Zeichen«. Aufgrund von Darstellungsfehlern kann die Tilde bei kleiner Schriftgröße auf dem Bildschirm wie ein Strich aussehen, sie erscheint jedoch im Ausdruck richtig.

Bei Microsoft Word ist die Vorgehensweise sehr ähnlich, die Bereiche haben jedoch abweichende Bezeichnungen.

unästhetische Uneinheitlichkeiten vermeiden

Beim Einfügen eines Sonderzeichens wird nicht nur das Zeichen an sich eingebunden, sondern auch die Schriftart. Wenn Sie also ein IPA-Zeichen einfügen und direkt danach neuen Text schrei­ben, erscheint dieser neue Text in der falschen Schriftart. Schnell kommt es zu unästhetischen Uneinheitlichkeiten im Text. Zudem steht Ihnen eine sehr mühselige Arbeit bevor, wenn Sie die Schriftart der IPA-Zeichen ändern wollen: Sie müssen das bei jeder Transkription per Hand erledigen!

Um dies zu vermeiden, fügen Sie die Sonderzeichen zuerst in ein neues, leeres Dokument ein. Kopieren Sie von dort die Zeichen und fügen Sie sie mittels Bearbeiten > Inhalte einfügen > Unformatierter Text ein. Nun erscheint das IPA-Zeichen in der Schriftart, in der Sie Ihren Text schreiben. Damit es in der von Ihnen gewünschten IPA-Schriftart erscheint, richten Sie sich über Format > Formatvorlagen (auch erreichbar über die Taste F11) die Zeichenvorlage »Phonetik« ein. Weisen Sie dieser die IPA-Schriftart zu und wenden Sie nun die Zeichenvorlage auf die IPA-Zeichen an.

Update Januar 2018: Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung eines speziellen Tastaturlayouts.

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