Monsieur Becker

Französisch & Panorama

zweite Fremdsprache

Donnerstag, 13. Juli 2023

Wie wichtig es heute noch, eine zweite Fremdsprache zu lernen? Sehr, wie ich finde.

Herr Rau denkt in einem Blogbeitrag über die zweite Fremdsprache am Gymnasium nach. Bevor ich meine Perspektive zur Diskussion beisteuere, ein kurzer Transparenzhinweis: Ich bin Lehrer einer solchen zweiten Fremdsprache. Für Französisch, um genau zu sein.

die 2. Fremdsprache an Berliner Gymnasien

Bei uns an der Schule, einem Berliner Gymnasium, lernen die Schüler:innen nach Englisch alle Französisch als zweite Fremdsprache. Dies ist eine (S 1) von acht möglichen Sprachenfolgen, die die Sek-I-Verordnung (§ 11) vorsieht. An anderen Berliner Schulen gibt anstelle von Französisch Latein (S 2), Russisch (S 3), Spanisch (S 4), Italienisch (S 6), Türkisch (S 7) oder Polnisch (S 8). Möglich ist auch, dass Französisch erste und Englisch zweite Fremdsprache ist (S 5).

Schüler:innen, die aus einer Willkommensklasse in die Regelklasse wechseln, können ihre Muttersprache/n als zweite Fremdsprache anerkennen lassen. Dies ist eine wichtige Möglichkeit, um gerade älteren Schüler:innen den Weg zum Abitur zu öffnen. Jüngere Willkommensschüler:innen belegen auf ihrem Bildungsweg gen Allgemeine Hochschulreife gemeinsam mit ihren Mitschüler:innen dann die klassische zweite Fremdsprache, auch wenn sie mit ihrer bzw. ihren Muttersprache/n, Deutsch als Zweitsprache und Englisch als 1. Fremdsprache schon mehrsprachiger sind.

Über die Situation an anderen Schultypen, in Berlin sind dies die Gemeinschaftsschulen und Integrierte Sekundarschulen, vermag ich nicht qualifiziert zu berichten.

Bildungswert von Fremdsprachen

Das Erlernen von Fremdsprachen in der Schule ist für mich kein Selbstzweck (obgleich ich ein Faible fürs Nachdenken über Sprache habe), ich sehe es aber auch nicht alleinig als wirtschaftlichen Vorteil oder als althergebrachte formale Voraussetzung (oder überflüssige Hürde?) fürs Studium.

Meine Position fußt auf der 2017 veröffentlichten Vision der Europäischen Kommission (Hervorhebung durch mich):

Eine Vision für 2025 wäre ein Europa, in dem Lernen, Studieren und Forschen nicht von Grenzen gehemmt würden. Ein Kontinent, auf dem es zur Norm geworden ist, dass man Zeit – zum Studieren, zum Lernen oder zum Arbeiten – in einem anderen Mitgliedstaat verbringt und auf dem es außerdem gängig ist, dass man neben der Muttersprache zwei weitere Sprachen spricht. Ein Kontinent, auf dem sich die Menschen ihrer Identität als Europäer, des kulturellen Erbes Europas und seiner Vielfalt stark bewusst sind.

Auch das Europäische Parlament fordert in einer Entschließung von 2018 eine Schulbildung, die Europäer:innen in die Lage versetzt, zwei Sprachen zusätzlich zur Muttersprache zu beherrschen. Eine Forderung, die wohl gemerkt nicht für nur für angehende Abiturient:innen, sondern für alle gilt.

Für mich ist das Erlernen von zwei Fremdsprachen in der Schule daher im europäischen Kontext zu betrachten: Es ist ein wichtiger Baustein zur Förderung der Mehrsprachigkeit. Auch wenn die Berliner Schüler:innenschaft in den vergangenen Jahrzehnten sprachlich immer vielfältiger geworden ist, so spricht eine große Mehrheit weiterhin „nur“ Deutsch als Muttersprache. Eine solche Einsprachigkeit ist global betrachtet eher die Ausnahme.

Ich konkretisiere für mich „zwei Sprachen“ zu „zwei europäische Sprachen“, denn die sprachliche und damit einhergehend auch kulturelle Vielfalt Europas ist für mich absolut schützenswert. Nicht, um sich von außereuropäischen Kulturen abzugrenzen oder gar auf sie herabzusehen, sondern um die Vielfalt, in der wir leben, zu feiern und als Wert an sich zu achten. Europäische Fremdsprachen sollen dabei nicht nur die großen und üblichen, also Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch sein, sondern auch die unserer Nachbar:innen. Ich fände es für die Region Berlin-Brandenburg beispielsweise wichtig, den Polnischunterricht auszubauen.

Sprachen zu lernen ist für mich in erster Linie die Befähigung zur Kommunikation mit anderen Menschen: Austausch über Perspektiven, über Werte, über Lieblingsdinge, über Vorurteile und Klischees … Einfach direkte Kommunikation, eben ohne menschliche oder computergestützte Mittler:innen, ohne Hilfsmittel wie mehr oder weniger gutes Englisch, das beide Gesprächspartner:innen nicht als Muttersprache sprechen. Darin liegt aus meiner Sicht der zentrale Mehrwert der ersten und zweiten Fremdsprache.

Panorama

Was ist eine gute Leistung?

Samstag, 27. Mai 2023

Das Verständnis darüber, was eine gute Leistung ist, ist von Lehrperson zu Lehrperson verschieden. Entsprechend variiert auch, wie Leistung gemessen wird.

In seinem Newsletter vom 30.10.2022 zeigt Philippe Wampfler anhand eines fiktiven Gespräches unter Lehrpersonen unterschiedliche Perspektiven auf das Themenfeld Beurteilung auf.

Ich möchte in diesem Beitrag eine Perspektive ergänzen, die der französischen Sprachprüfung DELF.

Was ist DELF?

DELF, kurz für „Diplôme d’Études en langue française“, ist ein Zertifikat des französischen Staates, das Französischlerner:innen auf verschiedenen Niveaustufen (A1.1, A1, A2, B1 und B2) ablegen können.

In der Prüfung werden vier Kompetenzbereiche (Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen) getestet, in jedem kann man 25 Punkte erhalten. Um DELF zu bestehen, muss man mindestens 50 Punkte schaffen, in keinem Bereich weniger als 5 Punkte. Nicht so gute Leistungen beispielsweise beim Hören kann man also mit besseren Leistungen beim Lesen, Sprechen und/oder Schreiben ausgleichen.

Egal ob man am Ende genau 50, 70 oder 100 Punkte erreicht – man besteht DELF nicht gerade so oder mit Auszeichnung, sondern einem wird bei Bestehen der Prüfung das Niveau bescheinigt, für das man sich angemeldet hat. So der Ansatz.

Bewertung des Schreibens

Für den Kompetenzbereich Schreiben stellt sich der Prüfling bei DELF A1 zwei Aufgaben: Einmal das Ausfüllen eines Formulars (10 Punkte) sowie eine offenere Schreibaufgabe (15 Punkte), bei der man ausgehend von einer vorgegebenen Situation eine Nachricht formulieren muss.

Das Formularausfüllen ist als geschlossene Aufgabe recht interpretationsarm in der Bewertung. Ist bei date de naissance etwas wie ein Geburtsdatum angegeben oder nicht?

Für die zweite Aufgabe gibt es ein Kriterienraster mit drei Schreibkompetenzbereichen und insgesamt fünf Kategorien:

Jede dieser fünf Kategorien kann mit vier Notenstufen bewertet werden:

Wer – theoretisch angenommen – exakt das Sprachniveau A1 hat, erhält somit nicht die volle Punktzahl, sondern nur 10 von 15 Punkten (66,6 %). Um jeweils 3 Punkte geschafft zu haben, muss man eigentlich schon besser als A1 sein, nämlich A1+. Das ist eine Art Zwischenniveau zwischen A1 und A2. Bescheinigt wird einem am Ende der DELF-Prüfung A1 aber nur das Niveau A1.

Ist man unter unterhalb des Niveaus A1, erhält man mit einem halben Punkt je Bereich insgesamt 2,5 Punkte bzw. 16,6 % der Punkte des Bereichs Schreiben und ist durchgefallen.

Ähnlich gilt dies für DELF A2. Hat man bei beiden Schreibaufgaben, für die man jeweils 12,5 Punkte erhält, genau das Niveau A2, bekommt man je nur 7,5 Punkte (60 %) zugesprochen. Erreicht man das Zielniveau im Schreiben nicht, erhält man insgesamt 5 Punkte (20 %). Immerhin ist man nicht mehr durch die Prüfung gefallen, mit sehr guten Leistungen in den Bereichen Hören, Lesen und Sprechen könnte man ausgleichen.

Mit einem Niveau B1 werden einem bei DELF B1 ebenfalls nur 15 von 25 Punkten und damit 60 % zuteil.

Beherrscht man genau das Niveau der gewählten Sprachprüfung und schätzt der/die Prüfer:in dies auch so ein, erbringt man also eine gute Leistung, erhält man im Regelfall nur drei Fünftel der Punkte. Dies erscheint mir aus einer vom deutschen Schulsystem geprägten Perspektive hart. An französischen Schulen wird mit einer Skala von 0 bis 20 benotet, dabei hat man mit 10 bestanden, 12–13 seien nicht schlecht, 15 gelte bereits gut und alle Noten darüber hinaus als sehr gut.

Interessant ist, als kurzer Exkurs, wie mit „Anomalien“ umgegangen wird. Schreibt man über ein völlig anderes Thema als das geforderte, kann man bei Umsetzung der Aufgabe sowie Kohärenz und Kohäsion nicht mehr das Plus-Niveau erreichen. Bestenfalls unterhalb des Zielniveaus ist man in diesen beiden Kategorien, wenn man eine andere Textsorte verfasst. Verfehlt man Thema und Textsorte, werden die ersten drei Kategorien mit 0 Punkten bewertet und die anderen beiden können maximal unterhalb des Zielniveaus bewertet werden.

Bewertung des Sprechens

Auch beim Sprechen schafft man es, wenn man das Niveau der Sprachprüfung (A1, A2 bzw. B1) beherrscht, nicht mehr auf die volle Punktzahl, sondern auf nur auf 15,5 von 25 Punkten 62 %.

Fazit

Was sagt das über die Auffassung einer guten Leistung aus? Wenn man in der DELF-Prüfung eine gute, das heißt eine dem Niveau entsprechende Leistung erbringt, erreicht man nur eine dafür erstaunlich geringe Punktezahl.

Panorama

Klimaneustart Berlin

Samstag, 5. November 2022

Derzeit sammelt die Initiative „Klimaneustart Berlin“ Unterschriften für ein Volksbegehren über ein klimaneutrales Berlin ab 2030.

🎯 Ziel der Initiative

Ziel der Initiative ist es, das derzeitige Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz so zu ändern, dass aus den eher unverbindlichen Klimaschutzzielen tatsächliche Verpflichtungen werden.

Die Emission von CO₂ und andere Treibhausgase sollen bis 2030 (und nicht wie bisher vorgesehen bis erst 2045) um mindestens 95 % gegenüber 1990 reduziert werden. Der verbleibende Rest kann kompensiert werden.

🎉 Wie ist die Initiative erfolgreich?

Damit das Volksbegehren erfolgreich ist, müssen 7 % der Berliner Wähler:innen zustimmen, das sind 170.000 gültige Unterschriften. Wenn das Abgeordnetenhaus den Plan nicht umsetzt, kommt es zum Volksentscheid, also einer Art Wahl.

Damit dann der Gesetzesentwurf der Initiative angenommen wird, muss die Mehrheit der Abstimmenden zustimmen UND das müssen mindestens 25 % der Abstimmungsberechtigten sein.

Auch wenn man jetzt das Volksbegehren unterstützt, kann man sich beim Volksentscheid nochmal völlig neu entscheiden.

🤔 Wie soll das Ziel erreicht werden?

Hierzu macht der Gesetzesentwurf keine festen Vorgaben. Die Initiative hat jedoch Vorschläge erarbeitet: Klimastadtplan Berlin.

Auch gibt es Empfehlungen für die Berliner Klimapolitik des Berliner Klimabürger:innenrates.

💰 Was kostet das?

Die tatsächlichen Kosten für Berlin kann der Senat nicht seriös beziffern. Die hängen nämlich auch davon ab, welche Ziele sich der Bund und die EU setzen und welchen Anteil der Kosten sie übernehmen. Die Kosten insgesamt lägen bei einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag.

Weiter schreibt der Senat: „Kostenmindernd wirken langfristig vermiedene Klimaschäden, Energieeinsparungen und potentielle positive Arbeitsplatzeffekte, die ebenfalls nicht unmittelbar zu beziffern sind.“

Die Kostenfrage ist also nicht nur: „Was kostet es, wenn wir es machen?“ Sondern auch: „Was kostet es, wenn wir es nicht machen?“ Dieser Sommer hat uns eindrücklich gezeigt, was zunehmende Wetterextreme infolge der Klimakrise auslösen können.

✍️ Wie kann man unterschreiben?

Es gibt einen Bogen für eine Person und eine Unterschriftenliste für bis zu 5 Personen.

Alle Unterschriften müssen bis zum 14. November 2022 vorliegen. Die Initiative empfiehlt, die Listen spätestens am 7. November 2022 per Post an die Initiative zu schicken.

Und zum Abschluss hier noch der Link zur Initiative: klimaneustart.berlin.

Französisch

Französisch-Vokabeln laut Schulbuch

Samstag, 13. August 2022

Was denken sich Verlage bei der Einführung von Vokabeln? Und was hat dies für Auswirkungen auf den Unterricht?

Diesen Fragen ist Herr Rau in seinem Blog in Bezug auf Englisch-Vokabeln nachgegangen. Ein interessanter Einblick.

In Ergänzung hierzu ein Blick ins Französischlehrwerk À plus! (Ausgabe ab 2020) von Cornelsen. Es ist neben Découvertes (Ausgabe ab 2020) von Klett eines der beiden großen Lehrwerke für Französisch am Gymnasium. Früher habe ich mit einer älteren Découvertes-Ausgabe gearbeitet, jedoch noch nicht mit der aktuellen, sodass ich hier nicht auf das Klett-Lehrwerk eingehe.

Transparenzhinweis: Ich erstelle für Cornelsen interaktive Aufgaben zum Arbeitsheft von À plus! (siehe den Bereich Veröffentlichungen).

Struktur des Lehrbuchs

Die Bände 1 bis 3 von À plus! sind in ihrer Grundstruktur gleich aufgebaut: Es gibt fünf Unités mit einem ersten Abschnitt namens „Vocabulaire“, in dem der zentrale thematische Wortschatz der Unité eingeführt wird. Es schließen sich zumeist drei Volets an (in den Bänden 1 und 2), im Band 3 nur noch zwei Volets. Dazu gesellen sich noch Modules, die mitunter ein Thema, ein Grammatikphänomen und dazu passenden Wortschatz außerhalb der Unité aufgreifen.

Ich nutze diese vorgegebene Einteilung („Vocabulaire“/Volets/Module) ganz gern für meine wöchtenlichen Vokabeltests (das ist überhaupt keine Freude zum Korrigieren). In etwa 25 Vokabeln gibt es pro Abschnitt, eine in sieben Tagen gut schaffbare Menge, zumal ich sonst so gut wie keine Hausaufgaben aufgebe. Außerdem gibt es über das gesamte Schuljahr eine ausreichend hohe Menge an Tests, sodass man auch mal nicht lernen kann, wenn irgendwas dazwischen kommt.

Der Rhythmus der Vokabeltests passt auch inhaltlich ganz gut zur jeweiligen Volet. In den Klassen 7 und 8 haben die Schüler:innen bei uns vier Stunden Französisch, in Klasse 9 drei. Es bleibt genug Zeit, zu sprechen, zu hören, zu schreiben, zu lesen, zu sprachmitteln.

Zu meiner unterrichtlichen Praxis passt das Vorgehen des Lehrbuches ganz gut. Beziehungsweise ich habe mich gut angepasst.

Desiderata

Zum Abschluss formuliert Herr Rau einige Wünsche an Schulbuchverlage:

In Grammatikteilen grundsätzlich keine Vokabeln.

Dies ist bei À plus!, sowohl in der aktuellen wie in der vorherigen Ausgabe, so umgesetzt. Während in Englisch die Schüler:innen häufig einen größen Wortschatz haben als das Lehrbuch es vorsieht, ist es bei Französisch weniger oft der Fall, sodass neue Vokabeln, die plötzlich in Übungen auftauchen und nicht direkt übersetzt oder semantisiert werden, tatsächlich ein Hindernis darstellen.

Nur so viel neue Pflichtvokabeln pro Text, wie in 1 oder 2 Stunden machbar. Dazu scheint mir die Unterscheidung in Lern- und andere Vokabeln sinnvoll, aber was weiß ich.

Unbedingt! Für meinen Geschmack ist das bei À plus! gelungen.

In der Liste Vokabeln zu einem Text nach Themen gruppiert und nicht streng chronologisch.

Das wird schon im Ansatz umgesetzt. Ein Beispiel: Im Vokabelverzeichnis von Band 2, Unité 1, Volet 2 (S. 177f.) gibt es einen Themenblock „Décrire le chemin | Den Weg beschreiben“, in dem zuerst die bereits bekannten und dann die neuen Vokabeln herausgelöst aus der chronologischen Reihenfolge zusammengestellt sind. Der restliche Teil der Vokabeln ist hingegen wieder chronologisch.

In der folgenden Volet (S. 178f.) gibt es Bahnhofsvokabular und einige Verben auf -dre, die auch chronologisch und nicht thematisch bzw. nach grammatischem Schwerpunkt gruppiert werden.

Überhaupt Vokabeln mehr thematisch gruppieren, notfalls auch Vokabeln, die eben nicht im aktuellen Text steht: Wieso in einem Text “pork” und “beef” lernen, aber “meat” erst in einem späteren Text? Wieso “Französisch”, “Franzose”, aber nicht gleich: “Frankreich”? Warum “get on the bus” als Lernvokabel, aber nicht gleich “get off the bus” mit?

Auch dies ist eine sehr nachvollziehbare Forderung. Ich verstehe einerseits aus Verlagssicht, dass man den Lernwortschatz nicht deutlich vergrößern möchte. Andererseits funktioniert unser mentales Lexikon durch Relationen wie Oberbegriff–Unterbegriff (Hyperonym, Hyponym) und Gegensatzpaare (Antonyme).

Vielleicht wäre es ein Zwischenweg, diese wortschatzlückenfüllenden Vokabeln als Nicht-Lernwortschatz zu ergänzen. Dies wäre auch eine zusätzliche Binnendifferenzierung, denn je nach Lerner:in bleibt der „Aufbauwortschatz“ hängen, wird aktiv mitgelernt oder zugunsten des „Kernwortschatzes“ zurückgestellt. (Gegebenenfalls wird auch alles ignoriert.)

In Vorbereitung auf Klassenarbeiten lasse ich Schüler:innen gern Wortschatznetze (associogramme oder carte mentale) erstellen. Neben der schreibenden Wiederholung der sprachlichen Mittel erhalte ich auf diese Weise leicht verdiente „sonstige Noten“. Die Schüler:innen haben bisher immer ein Heftchen von mir erhalten, in dem der thematisch relevante Wortschatz bereits aufgeführt ist, sodass sie ihn nur noch nach eigener Vorliebe strukturieren mussten. Um mir die Druckkosten zu sparen, habe ich als Ferienprojekt begonnen, dieses Heftchen zu digitalisieren, hier ein Beispiel zu den Räumen (bzw. Zimmern) in der Wohnung. Auf vocabulaire.de versuche ich, Wortschatzlücken als zusätzlichen Wortschatz zu schließen.

Noch mehr kontrastives Vorgehen bei den Vokabeln: “To declare” mit Beispielsatz als “erklären” übersetzt, da muss man doch auf “to explain” eingehen. “To drive” als “fahren”, ohne zu erklären, was man mit diesem Wort fahren kann (Auto, Ochsenkarren) und was nicht (Fahrrad).

Auch diese Forderung ist wichtig, insbesondere da man nicht davon ausgehen kann, dass sich jede Lehrperson der Unterschiede in dem Maße bewusst ist, dass dies ein Problem für Schüler:innen darstellt.

Panorama

Abschiedsgeschenke

Freitag, 8. Juli 2022

In diesem Schuljahr haben wir an meiner Schule eine Reihe von Kolleg:innen verabschiedet. Eine kleine Herausforderung, ganz unterschiedliche persönliche Geschenke zu finden.

Wenn uns Kolleg:innen verlassen, organisieren die jeweiligen Fachbereiche ein „offizielles“ Abschiedesgeschenk. Manchmal hat es einen Fachbezug, oft ist es ein Gutschein oder etwas sehr Konsensfähiges, da man den bzw. die Kolleg:in nicht so recht kennt und im Schuljahresendstress nur wenig Zeit nebenbei bleibt.

Doch zu vielen Kolleg:innen hat man einen persönlichen Draht, daher überlegen wir uns immer auch ein persönliches Geschenk. Wenn ein:e Künstler:in geht, dann werden alle Fachkolleg:innen kreativ und verschenken eine ihrer Arbeiten. Als Nichtkünstler:in kann man aber auch im eigenen Rahmen kreativ sein.

Einer Kollegin haben wir ein gutes altes Freundebuch gebastelt. Nichts fertig Gekauftes, sondern alles selbst geklebt, geschnitten, gebunden. Zum Teil mit Glitzerstiften und schrulligen Aufklebern, so wie sich das gehört.

Einem Kollegen haben wir eine Mix-CD gebastelt. Dazu eine Box mit Fotos und ein paar warmen Worten, ggf. auch eins, zwei Sätze, warum ausgerechnet dieses oder jenes Lied ausgewählt wurde.

Einer sehr kochbegeisterten Kollegin haben wir unsere Lieblingsrezepte geschenkt, zum Nachkochen und An-uns-Denken. Sehnsucht geht hoffentlich auch durch den Magen.

Einem Kollegen haben wir Briefumschläge überreicht: In jedem stellt eine Person ihren Lieblingsort vor und lädt ein, eben jenen Ort gemeinsam zu entdecken. So sieht man sich nochmal wieder und entdeckt eine neue Ecke in Berlin oder Brandenburg.

Eine Kollegin verlässt uns nur für kurz, für ein Sabbathalbjahr. Sie selbst hat schon Pläne mit ihrer Familie und sicherlich wird sie auch das schöne Gefühl von Langeweile genießen wollen. Falls ihr dennoch zu langweilig werden sollte, haben wir ein Einmachglas voller Unternehmungs- und Lass-es-dir-gut-gehen!-Ideen geschenkt.

Panorama

Checkliste Schulprogramm

Samstag, 21. Mai 2022

Das Schulprogramm ist ein pädagogisches Konzept, in dem die Schule darlegt, wie sie den Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllt sowie Unterricht gestaltet und organisiert. Doch was macht ein gutes Schulprogramm aus?

Das Schulprogramm bestimmt die Entwicklungsziele und Leitideen der pädagogischen Arbeiten und Aktivitäten und koordiniert das Handeln der in der Schule tätigen Personen (§ 8 Absatz 1 SchulG). Es ist das zentrale Konzept jeder Schule zur Qualitätsentwicklung (Nummer 1 Absatz 1 AV Schulprogramm).

Den Rahmen für ein qualitativ hochwertiges Schulprogramm stecken in Berlin folgende Dokumente ab:

Alle in diesen Dokumenten genannten Kriterien sind übersichtlich in der Checkliste Schulprogramm (PDF) zusammengetragen.

Panorama

Ärzteverband: Maskenpflicht sinnvoll!

Sonntag, 9. August 2020

Der Ärzteverband Marburger Bund halte eine Maskenpflicht im Unterricht für sinnlos. Ist dem tatsächlich so?

Das ZDF titelt: „Ärzteverband: Masken im Unterricht sinnlos“. Zu den wenigen im Artikel hervorgehobenen Wörtern gehört „überflüssige Behinderung“, dies seien Masken im Unterricht nämlich. Die FAZ titelt: „Masken im Unterricht ergeben ‚überhaupt keinen Sinn‘“.

Beide und viele anderen Medien basieren auf einer DPA-Meldung, die sich wiederum auf ein Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung mit der Bundesvorsitzenden des Marburger Bundes bezieht (das Interview gibt es nur hinter der Paywall). Selbst titelt die NOZ: „Masken im Unterricht machen überhaupt keinen Sinn“.

In vielen Artikeln findet sich folgende Passage, sie stammt wahrscheinlich aus der DPA-Meldung:

„Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist, macht das Tragen von Masken während der Unterrichtsstunden überhaupt keinen Sinn und wäre eine überflüssige Behinderung“, sagte die Bundesvorsitzende Susanne Johna im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Sinnvoll ist die Maske dann, wenn es eng wird, etwa beim Verlassen der Klasse, vor dem Schulkiosk oder auf dem Pausenhof, wenn mehrere Klassen gleichzeitig Pause haben.“

Wann macht eine Maskenpflicht im Unterricht keinen Sinn? „Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist“. Hier hätte jede:r Journalist:in stutzig werden müssen. Denn nirgendwo gilt zum Schuljahresbeginn im Klassenraum irgendeine Abstandspflicht. So nimmt die Berliner SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung in § 1 Absatz 2 Punkt 2 Schulen explizit von den anderthalb Metern Mindestabstand aus.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie dieser einfache Bedingungssatz („Wenn [...] Abstand sichergestellt ist“) in der deutlichen Mehrheit der Medien einfach so übergangen wird.

Panorama

Checkliste schiC

Mittwoch, 27. Mai 2020

Das schulinterne Curriculum, kurz schiC, ist ein schuleigenes pädagogisches Handlungskonzept zur Umsetzung der Rahmenplanvorgaben (SchulG § 8 Absatz 2 Punkt 2). Doch was genau macht ein gutes schiC aus?

Das schiC dient dazu, überprüfbare und transparente Festlegungen bezüglich der Qualität der Unterrichtsarbeit in den Fächern zu treffen und deren Evaluation zu ermöglichen (RLP-A: 4). Es beachtet weiter das schulische Profil und Ganztagskonzept; dazu werden fachbezogene, fachübergreifende und fächerverbindende Entwicklungsschwerpunkte sowie profilbildende Maßnahmen festgelegt (RLP-A: 4).

Neben dem Rahmenlehrplan (Teil A (PDF), Teil B (PDF)) enthalten vor allem zwei Dokumente Kriterien für ein qualitativ hochwertiges schiC: der Handlungsrahmen Schulqualität (PDF) und der Bewertungsbogen für die 3. Runde der Schulinspektion (PDF).

Alle Kriterien sind übersichtlich in der Checkliste schulinternes Curriculum (PDF) zusammengetragen.

Panorama

Abitur in Zeiten von Corona

Samstag, 4. April 2020

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie hat noch einmal den Beschluss der Kultusministerkonferenz unterstrichen, dass die Abiturprüfungen sowie andere Abschlussprüfungen nach Ostern durchgeführt werden. Ich halte diesen Entschluss für nicht richtig.

Am 24. März 2020 wagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) einen Vorstoß, in diesem Schuljahr aufgrund der Corona-Pandemie auf die Abiturprüfungen zu verzichten (siehe NDR). Die Abiturnote sollte sich, so der Vorschlag, aus den Noten der vier Semester errechnen. Es hat dann nur einen Tag gedauert, bis die Kultusministerkonferenz den Beschluss gefasst hat, dass die Prüfung doch stattfinden werden. In ihrer Pressemitteilung vom 4. April 2020 hat nun auch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport den KMK-Beschluss nochmal bekräftigt.

In der Diskussion um Frau Priens Vorstoß und den KMK-Beschluss wurde unter anderem als Argument angeführt, dass andere Abiturjahrgänge auch Prüfungen ablegen mussten und es ungerecht sei, wenn der jetzige Abiturjahrgang ausgenommen wäre. Ein Abitur ohne Prüfungen wurde direkt als „Notabitur“ sprachlich herabgewürdigt, so als ob dieser Schulabschluss weniger wert wäre.

Es ist richtig, dass andere Abiturjahrgänge Prüfungen ablegen mussten. Dennoch ist ein Abitur ohne Prüfungen unter den gegebenen Umständen nicht mit einem Makel behaftet oder gar ungerecht anderen Schüler:innengenerationen vorher oder nachher gegenüber. Diese anderen Jahrgänge mussten ihre Allgemeine Hochschulreife nämlich nicht in einer Zeit globaler Pandemie erlangen.

Ich empfinde, dass die angehenden Abiturient:innen in diesem Jahr in der Vorbereitung auf das Abitur den anderen Schülergenerationen gegenüber benachteiligt sind. Zwar haben sie in Berlin das 4. Semester so gut wie abschließen können, sie sind jedoch in ihren weiteren Vorbereitungen eingeschränkt. Sie können sich nicht in Lerngruppen treffen, um sich bestmöglich gemeinsam vorzubereiten. Zwar gibt es mediale Wege, die jedoch einen persönlichen Austausch nicht vollständig ersetzen können.

Viele Prüflinge sind nicht den ganzen Tag allein zuhause, sondern haben Geschwister, müssen diese ggf. betreuen. Ein Ausweichen auf andere Orte, um zu lernen, ist unmöglich: Bibliotheken und alle anderen Orte, wo viele Menschen zusammenkommen, sind geschlossen. Die Eltern der Schüler:innen sind teilweise im Home Office, sind in Kurzarbeit oder haben ihre Tätigkeit verloren. Andere Eltern arbeiten in Arztpraxen, Krankenhäusern, Supermärkten etc. und sind dort hohen Arbeitsbelastungen sowie potenziell auch einer Infektion mit SARS-CoV-2 mit ungewissem Krankheitsverlauf ausgesetzt.

Aus all den genannten Faktoren ergibt sich eine persönliche psychische Belastung, das Verhältnis innerhalb der Familie kann unter der vorliegende Ausnahmesituation leiden, auch mögliche finanzielle Probleme belasten. Von den Sorgen um gesundheitlich angeschlagene oder gar an COVID-19 erkrankte Angehörige mal ganz abgesehen.

Vereinzelt gab es das auch vorher, dass angehende Abiturient:innen in ihrer Vorbereitungsphase plötzlich aufgrund von Erkrankungen und Arbeitsplatzverlusten im persönlichen Umfeld belastet wurden, aber nun sind deutlich mehr Schüler:innen betroffen. Laut RBB gibt es in Berlin „(Stand 03.04.2020, 16:15 Uhr) 3.486 bestätigte Coronavirus-Infektionen. [...] Im Krankenhaus behandelt werden 473 Personen, 124 davon intensivmedizinisch. Alle anderen Personen sind häuslich isoliert. Bislang sind 22 Menschen in Berlin, die mit Covid-19 infiziert waren, gestorben.“ (Quelle) Bis zum Beginn der Abiturprüfungen am 20. April 2020 werden diese Zahlen weiter deutlich ansteigen, auch wenn die bisher ergriffenen Maßnahmen auf einen Rückgang der Neuinfektionen deuten.

Mitunter liest man, dass ein gutes Abitur in diesen Zeit ein Ausdruck hoher Stressresistenz sei. Ich empfinde dies jedoch als zynische Reduzierung der Schüler:innen auf Wirtschaftssubjekte, die zu funktionieren haben.

Die genannten Argumente bedenkend kann man meines Erachtens nur zu dem Schluss kommen, dass die Umstände, unter denen Schüler:innen ihr Abitur ablegen müssen, eindeutig gegen eine Durchführung der Prüfungen sprechen.

Französisch

année bissextile

Samstag, 29. Februar 2020

Heute ist der 29. Februar, Schalttag. Auf Französisch heißt das Schaltjahr une année bissextile bzw. kurz un bissextile. Woher kommt diese Bezeichnung?

Da die Erde für eine volle Runde um die Sonne fast einen viertel Tag länger braucht, als unser Jahr normalerweise Tage hat, wird alle vier Jahre (..., 2012, 2016, 2020) der 29. Februar hinzugefügt, das Jahr umfasst dann 366 Tage. Dies geschieht nicht in Jahren, die ohne Rest durch hundert teilbar sind (1900), jedoch in solchen, die durch 400 teilbar sind (2000).

Auf Französisch heißt das Schaltjahr une année bissextile [y.na.ne.bi.sɛks.til] bzw. kurz un bissextile [ɛ̃.bi.sɛks.til]. Im Englischen können wir neben leap year [ˈliːp jɪə(r)] auch bissextile year [bɪˈsɛkstɪl jɪə(r)] sagen.

Der Ursprung dieser Bezeichnung ist natürlich das Lateinische: bis bedeutet ›zwei Mal‹, sixtus ›sechster‹. Der eigentliche Schalttag war der 24. Februar. Die Bezeichnung des normalen 24. februarius lautet: ante diem sextum kalendas martias ›sechster Tag vor den Kalenden (= Monatsersten) des März‹. Die Tage eines Monats wurden rückwärts gezählt, wobei der Grenztag, in diesem Fall der 1. März, mitgezählt wurde. Der 28. Februar ist somit der zweite Tag vor März, der 27. Februar der dritte Tag und so weiter.

In Schaltjahren gab es den 24. Februar doppelt. Dieser zusätzliche Tag, der zwischen dem 23. und dem eigentlichen 24. Februar eingefügt wurde, hieß ante diem bis sextum Kalendas Martias, ›zweiter sechster Tag vor den Kalenden des März‹.

Übrigens: